Von der Blütezeit des Islam

Autor und Regisseur Friedrich Klütsch über andalusische Funde

Maurische Architektur in Spanien: Große Moschee in Cordoba
Maurische Architektur in Spanien: Große Moschee in Cordoba Quelle: ZDF

ZDF: Die zweite "Morgenland"-Folge "Mit den Schwertern des Geistes" beschäftigt sich mit der Blütezeit der islamischen Kultur. Was sind in Bezug darauf die wichtigen Quellen für einen Journalisten und Historiker?

Friedrich Klütsch: Wer Relikte aus der Blütezeit des Islam sucht, der wird - wie wir bei unserer filmischen Spurensuche - vor allem in Andalusien fündig. Auf dem ehemaligen Herrschaftsgebiet der umayyadischen Emire und Kalifen im Süden Spaniens finden sich Meisterwerke maurischer Architektur, Technologie und Kunsthandwerk in einer Dichte und in einem Erhaltungszustand, wie sie selbst im arabischen Kernland nicht vorhanden sind. Cordoba war das Zentrum dieses Reiches und bietet mit der Großen Moschee, der überwältigenden Mezquita, den Bädern, Mühlen und der etwas außerhalb gelegenen Palastanlage von Medinat az-Zahra noch heute eindrucksvolles Anschauungsmaterial für die kulturgeschichtlichen Höchstleistungen der Mauren vor einem Jahrtausend.

Eine zeitgenössische Quelle, die das ganze Staunen eines "Abendländers" über Errungenschaften und Lebensart der Mauren vermittelt, ist die "Vita des Johann von Gorze". Der Benediktiner aus Lothringen besuchte den Kalifen von Cordoba im Auftrag Otto des Großen in den Jahren 953 und 954.

ZDF: Haben Sie eine Entdeckung gemacht, die Sie besonders beeindruckt hat?

Von der Blüte zur Stagnation

Erster Flugversuch der Menschheitsgeschichte
Erster Flugversuch der Menschheitsgeschichte Quelle: ZDF

Klütsch: Unvergesslich ist die ansteckende Begeisterung, mit der die Mitarbeiter der modernen "Escuela de Traductores de Toledo" sich in der Tradition der Einrichtung sehen, die im 12. Jahrhundert für die Vermittlung antiken Wissens ins Abendland gegründet worden war. Heute werden in dem restaurierten Gebäude im Zentrum Toledos Übersetzer und Simultanübersetzer ausgebildet. Arabisch ist ein wichtiger Teil des Lehrangebots. Und ein marokkanischer Student ist auch dabei, als wir das mündliche "Viva voce"-Verfahren, das in den Anfangsjahren nach der Eroberung Toledos zur Beschleunigung der Übersetzungen praktiziert wurde, experimentell umsetzen.

ZDF: Die Frage nach der Blüte der Kultur bedingt die Frage nach ihrem Niedergang. Wie geht man in der islamischen Kultur mit den Ursachen der "Erstarrung", der "Rückständigkeit" um?

Klütsch: Die Gesprächspartner, die im Film zu Wort kommen, sind sich der historischen Entwicklungen durchweg sehr bewusst. Insbesondere, wenn es um den Niedergang der arabisch-islamischen Welt geht. An der Peripherie der islamischen Welt ist der Bruch ja keineswegs so dramatisch wie in seinem einstigen Zentrum im Nahen und Mittleren Osten. Unterschiedlich sind allerdings die Meinungen über die Ursachen für die Entwicklung. Oft liegt die Betonung auf äußeren, größtenteils kriegerischen Eingriffen, wie sie die Zeit der Kreuzzüge und vor allem der Mongolensturm darstellten.

Der Zusammenbruch des Ost-Westhandels (Seidenstraße!) als Folge der Entdeckung des Seeweges nach Indien gehört ebenfalls zu den äußeren, jedenfalls nicht selbstverschuldeten Gründen für den kulturellen Abstieg. Manchmal überwiegt auch ein kulturhistorischer Fatalismus, der den zyklischen Aufstieg und Fall von Zivilisationen als naturgegeben hinnimmt. Ganz selten werden innere Gründe genannt - das Erstarken religiös-orthodoxer Kräfte etwa, das sich ab dem 11. Jahrhundert immer deutlicher abzeichnet. Die Zurückhaltung bei den Stellungnahmen hinsichtlich des Einflusses der Religion ist auffällig.

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