Von der Flaute zum Sturm

Die Abora kämpft gegen widrige Bedingungen

Nach fünf Tagen zügiger Fahrt wendet sich das Blatt, plötzlich herrscht Windstille. Es sind lange Sommertage auf der Abora, Zeit, die man sich mit Angeln und Baden vertreibt. Doch die Tage gehen nicht spurlos an dem Schilfboot vorbei: Mehr und mehr saugt es sich voll mit Wasser. Doch das ist nicht das einzige Problem der Crew.

Schilfboot im Sturm Quelle: ZDF

In New York lag das Floß noch 40 Zentimeter höher über der Oberfläche. Durch das Absinken hängen die Ruderblätter zu tief im Wasser und bremsen die Fahrt. Jetzt muss die Mannschaft Erfindergeist beweisen. Die Halterungen werden neu gemacht, die Schwerter weiter oben wieder am Bootskörper befestigt.

Schubkraft aus der Tiefe

Abora - Werkeln an Bord Quelle: ZDF


Zehn Tage später hängt die Abora immer noch vor Nordamerika fest. Wertvolle Zeit geht verloren, denn ab Ende August fegen schwere Stürme über den Atlantik. Seit Beginn der Flaute kommt die Expedition keine Meile in Richtung Europa voran. Manchmal schwimmt die Abora sogar im Kreis. Das mangelnde Fortkommen kann im Detail nachvollzogen werden, denn der Weg des Schilfbootes wird punktgenau von einem Satelliten überwacht.

Doch bald schön könnte das Floß Hilfe von unten bekommen. Erreicht das Schiff den Golfstrom, wird es mit wie auf einem großen Förderband Richtung Europa getrieben. Mit einem Umtrunk an Bord wird das Erreichen der mächtigen Warmwasserströmung gefeiert. Und tatsächlich macht das Steinzeitgefährt bald wieder fast vier Knoten Fahrt. Zur Hälfte wird es vom Golfstrom angetrieben, den anderen Teil übernimmt der wieder aufkommende Wind. Doch der belässt es nicht bei einer frischen Briese. Sechs Windstärken sagt der Wetterbericht voraus, der Ausläufer eines tropischen Sturms.

Acht Stunden Kampf gegen die Elemente

Karte vom Golfstrom im Atlantik Quelle: ZDF


In den nächsten Stunden wird die Mannschaft über sich hinaus wachsen müssen. Rettungsleinen sind jetzt Pflicht. Mensch und Material muss vor dem nahenden Sturm gesichert werden. Wer jetzt ins Wasser stürzt, wäre verloren. Acht Stunden wütet der Sturm. Acht Stunden Kampf mit den Naturgewalten, mit haushohen Wellen. Manche dieser Wasserberge sind über zehn Meter hoch. Im Notfall, so ist es beschlossen, sollen Handelsschiffe angefunkt werden.

Doch wie realistisch ist eine Bergung durch ein Containerschiff? Ortswechsel: Captain George Sandberg von der US Handelsmarine bildet mithilfe eines Simulators Nachwuchskapitäne aus. Er kennt die Tücke von Bergungen bei Sturm. Sandberg: "Mit dem Simulator kann man zur Not von vorne anfangen. Im richtigen Leben hat man aber nur eine einzige Chance. Wenn man versagt, dann sterben Menschen." Sandberg simuliert ein kompliziertes Bergungsmanöver mit einem zehn Meter großen Segelboot, das genauso groß wäre wie die Abora. In der Simulation versucht Sandberg, mit seinem Schiff seitlich an den Segler heranzutreiben. Doch das Manöver misslingt, überlebt hätte niemand.

Nähkurs für Anfänger

Captain George Sandberg im Simulator Quelle: ZDF


Für die Abora gibt es Entwarnung - dieses Mal. Doch sie hat wieder Schäden davon getragen. Die Bilanz: Acht Risse im Segel. Tormod Granheim: "Wir hatten im Sturm zu viel Segelfläche und haben zu spät gerefft. Da ist das Segel gerissen - jetzt müssen wir es flicken." Mark muss jetzt improvisieren: "Wir haben zu wenig Nadeln, um das Segel zu flicken. Zum Glück haben wir ein paar Nägel mitgenommen. Die schleif ich jetzt so zurecht, dass man damit nähen kann."

Die Bilanz des Expeditionsleiters bleibt auch nach diesen Erfahrungen positiv und auch hier sieht er einen Beleg für seine Thesen: "Na ja, es waren schon bange Minuten und es war ein einmaliges Erlebnis, ein Schilffloß unter so schweren Sturmbedingungen zu erleben. Und dass so ein Floß 48 Knoten Wind und mindestens sechs bis acht Meter hohe Wellen sicher abhalten kann, ist ein wichtiger Nachweis dafür, dass solche Expeditionen in früherer Zeit stattgefunden haben." Dominique Görlitz ist sich sicher: Die Menschen der Vorzeit waren zu großen Leistungen fähig.

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