Von Dynastie zu Dynastie

Mit Sima Qian beginnt die chinesische Geschichtsschreibung

Nachdem sich Sima Qian (etwa 145-85 v. Chr.) bei Han Wudi unbeliebt gemacht hatte, indem er einen General verteidigte, der sich den Xiongnu ergeben hatte, stand er vor der Wahl, das Versprechen gegenüber seinem Vater zu brechen und das von ihm begonnene Geschichtswerk unvollendet zu lassen oder die Demütigung der Palaststrafe (Kastration) zu erleiden.

Geschichtsschreiber Siam Qian

Sima Qian blieb seinem Versprechen treu und schuf mit dem Shiji ("Aufzeichnungen des Historikers") ein Monumentalwerk, das die offizielle Geschichtsschreibung der gesamten Kaiserzeit prägte.

Summarischer Überblick

In 130 Kapiteln entwirft das Shiji ein Bild der chinesischen Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart des Sima Qian. Die politische Ereignisgeschichte wird in chronologischer Folge anhand der Herrscherhäuser vorgestellt. Am Anfang stehen dabei die Urkaiser, gefolgt von der Xia-, der Shang- und der Zhou-Dynastie bis zur Han-Herrschaft. Chronologische Tafeln geben einen summarischen Überblick über Herrscher, Würdenträger und wichtige Staatsdiener. Sachmonographien widmen sich den Themen Ritus, Musik, Maße, Kalender, Astrologie, Opfer, Wasserwege sowie Nahrung und Finanzen.

30 Kapitel sind den erblichen Häusern der Zhou-Zeit gewidmet. Am umfangreichsten ist der Bereich der 70 Biografien. Überlieferungswürdiges zu großen Beamten, Militärs, aber auch Philosophen, Dichtern, Kaufleuten, Magiern sowie Abschreckendes über Rebellen und Meuchelmörder wurde so tradiert. Zudem finden sich Aufzeichnungen über die Völker jenseits des Zentralreichs der Han.

Der Objektivität verpflichtet

Sima Qian sah sich einer objektiven Geschichtsschreibung verpflichtet. Er und sein Vater kompilierten das Shiji - sofern möglich - aus zur Verfügung stehenden Texten und Urkunden, so dass es sich keineswegs um einen gänzlich frei formulierten Text handelt. Dennoch lassen die Konzeption und Auswahl wie auch die freien Passagen und das abschließende Urteil am Ende der Biografien eine Wertung erkennen. Anhand historischer Persönlichkeiten werden Tugenden wie Charakterstärke und Loyalität gepriesen und Niedertracht und Wankelmut angeprangert.

Noch während der Han-Herrschaft legte Ban Gu (32-92) mit der Geschichte der (Früheren) Han (Hanshu), die sich lediglich auf den Zeitraum von 206 v. Chr. bis 24 n. Chr. erstreckt, ein zweites prägendes Geschichtswerk vor. In der Folge wurden dann nach dem Erlöschen einer Dynastie, dem Vorbild des Shiji und Hanshu entsprechend, Dynastiegeschichten abgefasst. Angesichts der Vorgängerdynastie legitimierte sich so die herrschende Dynastie und fällte das Urteil der Geschichte.

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