Von Glücksrittern und Abenteurern

Im Land der Glitzernden Steine

Die zwei zentralen Figuren im Ränkespiel um das magische Mineral hießen Cecil Rhodes, ein Mann mit Visionen und ehrgeizigen Plänen, und Barney Barnato.

Im fernen London klangen die Berichte aus Südafrika wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Die britische Regierung bestellte ein Gutachten. Der Geologe James Gregory behauptete darin, am Kap sei keinesfalls mit größeren Diamantenvorkommen zu rechnen. Seither gilt in der Branche ein "Gregory" als Inbegriff für Fehleinschätzung. Denn schon bald darauf stieß ein Hottentottenjunge nahe der De Beer Farm auf eine der größten Lagerstätten Südafrikas. Zehntausend schwarze und weiße Digger verwandelten daraufhin den einsamen Landstrich in eine apokalyptische Szenerie. Über Seilkonstruktionen schafften die Arbeiter das Gestein Hunderte von Metern an die Oberfläche. Tödliche Unfälle waren an der Tagesordnung.

Vom armen Schlucker zum Millionär

Erdrutsche und extreme Hitze machten den Schürfern das Leben zur Hölle. Am Rande des gewaltigen Kraters wuchs aus einem armen Kaff eine boomende Kleinstadt: Kimberley. 1873 war auch aus der Farm von De Beer eine bedeutende Mine geworden - eine von insgesamt zwölf namhaften Primärlagerstätten nahe von Kimberley.


Im Frühjahr 1870, dreieinhalb Jahre nach Niekerks spektakulärem Fund, machte sich auch Barney Barnato auf. Der Sohn eines Londoner Lumpenhändlers hatte sich bislang als Kirmesboxer und Schauspieler durchgeschlagen. Doch dann verkaufte er seine einzige Habe, eine Kiste Zigarren, und buchte eine Passage nach Südafrika.

Nach der weiten Reise aus England besaß er keinen Penny mehr. Zunächst hielt er sich mit Aushilfsjobs über Wasser, schließlich avancierte er zum Zwischenhändler. Von Schürfern, die knapp bei Kasse waren, erwarb er Steine zu Spottpreisen und verkaufte sie mit Gewinn an Großhändler weiter. Schon bald war Barnato einer der erfolgreichsten Dealer am Big Hole. In Kimberley übernahm der visionäre Geschäftsmann vermeintlich "taube" Claims, die kurz darauf reichlich Diamanten abwarfen. So schuf er sich ein finanzielles Polster. Nur wenn immense Nachfrage die Preise in die Höhe trieb, veräußerte er seine Schätze.

Noch eine Erfolgsstory

Barnato sollte ernsthafte Konkurrenz von einem jungen Mann, der in Südafrika eigentlich nur eine Lungenentzündung auskurieren wollte, bekommen: der Engländer Cecil John Rhodes, jüngster Sprössling eines Vikars. Er hatte mehr im Sinn als schnellen Reichtum, politische Macht war sein wahres Ziel. Bei Englands Bestrebungen nach Kolonialherrschaft wollte der Patriot eine zentrale Rolle spielen. Er plante, die gesamte Diamantenförderung und damit das ganze Land unter Kontrolle zu bringen. Sein Ausgangspunkt war Kimberley. Die Waren musste die Minen-Metropole nach wie vor aus dem 2.000 Kilometer entfernten Kapstadt einführen. Rhodes verkaufte Trinkwasser und vermietete als einziger mechanische Pumpen und Eismaschinen. Dafür verlangte er horrende Gebühren. Noch den letzten Schilling zog er seinen Kunden aus der Tasche. Wer nicht zahlen konnte, musste ihm seinen Claim überschreiben.

Der Diamantenboom schien jedoch ein jähes Ende zu nehmen. In den Minen stießen die Männer fast nur noch auf "blue ground" - hartes Granitgestein, das sie mit Muskelkraft allein nicht mehr aufbrechen konnten. Viele gaben entnervt auf, denn das notwendige Equipment zum Weitergraben konnten sie sich nicht leisten. Die meisten glaubten sogar, ihre Claims seien erschöpft. Doch Rhodes wusste es besser, denn er wurde von einem Geologen beraten. Der Granit tief in der Erde barg die wahren Schätze. Soviel stand für den englischen Aufsteiger ebenso wie für Barney Barnato fest. Als die Preise 1875 ins Bodenlose stürzten, schlug für beide Männer die große Stunde. Bei einer Auktion trafen Barnato und Rhodes zum ersten Mal aufeinander. Unzählige Digger versuchten verzweifelt, ihre Parzellen für ein paar Pfund loszuschlagen. Als Trottel belächelt, investierten die unerbittlichen Konkurrenten ihr gesamtes Vermögen.

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