Vorbild Franziskaner-Orden

Mit den Tugenden einer reinen Seele

Das Motiv des Brotteilens ist ein urchristlicher Gedanke. Besonders im Mittelalter, als Missernten und hohe Arbeitslosigkeit die Menschen hungern ließen, übernahmen die verschiedenen Orden die Speisung der Bedürftigen.

Vor allem für die Franziskaner stehen Mitgefühl und Barmherzigkeit an erster Stelle ihres Wirkens. Sie selbst leben ohne persönlichen Besitz - in freiwilliger Armut. Mit den schwachen und kranken Kreaturen auf der Erde fühlen sie sich solidarisch.

Fromme Gemeinschaft

Harte Arbeit gehört zu den Idealen des Bettelordens ebenso wie selbstvergessene Liebe. Unbeschwert von der Last irdischer Güter wartet der wahre Schatz auf den, der alles hergibt, im Himmel. Diese Überzeugung ist in den Herzen der frommen Gemeinschaft fest verankert.



Tugenden, die einer reinen Seele innewohnen. Und die das kleine Mädchen im Sterntaler verkörpert: Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: 'Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk' mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.'
Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm." (Märchen) Unbekümmert um das eigene Schicksal gibt die Kleine freizügig hin, was sie eigentlich selbst dringend benötigt. Ohne auch nur einen Moment zu zögern.

Pfad der Erkenntnis


"Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror. Da gab es ihm seins." Die Brüder Grimm schicken ihre Märchenfigur auf den rechten Pfad der Erkenntnis, auf dem materielle Güter keine große Rolle spielen - im Unterschied zur sozialen Wirklichkeit im frühen 19. Jahrhundert.

Damals mussten vor allem Waisenkinder ums nackte Überleben kämpfen. Wenn sie nicht von Verwandten aufgenommen wurden, lebten sie obdachlos und bettelten tagaus tagein um Nahrung. Viele verwahrlosten, und nicht selten gerieten sie auf die schiefe Bahn. Ein unwürdiges Dasein im gesetzlosen Raum der Straße. Misstrauen, Gewalt und Diebstahl waren an der Tagesordnung. Hilflose Kinder weckten keinen Beschützerinstinkt. Man trat ihnen gleichgültig entgegen, denn ihr Schicksal galt als gottgegeben.

Drakonische Maßnahmen

So wundert es nicht, dass die Bürger hart durchgriffen, wenn sich die jugendlichen Außenseiter etwas zuschulden kommen ließen. Ihnen drohten dieselben Strafen wie Erwachsenen: Arbeitshaus, Gefängnis oder sogar der Galgen. Drakonische Maßnahmen, die bis ins 20. Jahrhundert gang und gäbe waren. Der Schutz von Kindern lohnte sich nur, wenn die Jungen die Zukunft der Alten sicherten.

Das Mädchen im Sterntaler bleibt von all dem verschont. Es handelt wie jemand, der Besitz im Überfluss hat: Und als es weiter ging, da bat ein Kind um ein Röcklein, auch das gab es weiter. Eigentlich müsste das zarte Geschöpf vor Hunger und Kälte bald sterben. Doch selbst das drohende Ende scheint die Kleine nicht zu erschrecken. Denn im Märchen ist der Tod kein Endpunkt des menschlichen Daseins. Vielmehr markiert er eine Wende im weiteren Verlauf des Schicksals, das sich in einer anderen Welt fortsetzt.

Irdisches Jammertal

Für die Menschen im 19. Jahrhundert war das Sterben vertrauter Bestandteil des Lebens. Trauerten die Hinterbliebenen allzu sehr, so wurde ihnen vorgeworfen, sie ließen es an Glauben und Frömmigkeit fehlen. Denn dem Verstorbenen wurde das Glück zuteil, vom irdischen Jammertal erlöst zu sein. "Der Herr gibt und der Herr nimmt" - der Bibelspruch prägt bis heute die christliche Vorstellung von Geburt und Tod.


Eine religiöse Anschauung, die auch das Sterntaler-Märchen der Brüder Grimm durchdringt und für das Mädchen ungeahnte Chancen bereit hält: "Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden. Da kam noch ein Kind und bat um ein Hemdlein. Und das fromme Mädchen dachte: 'Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weg geben.' Und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin."

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