Vorsprung in der Mehrfachtelegrafie

Bell als Antwort auf das Monopol der Western Union

1873 kommt es für den unter ständiger Geldnot leidenden Alexander Graham Bell zu einer schicksalhaften Begegnung. Der reiche Anwalt und Finanzier Gardiner Hubbard hat von Bells beeindruckenden Erfolgen als Taubstummenlehrer gehört und möchte ihn kennenlernen. Es ist der Anfang einer erfolgreichen Zusammenarbeit.

Patentanmeldung von Bell
Patentanmeldung von Bell Quelle: ZDF

Gardiner Hubbard bittet den 26-jährigen Bell, seine taubstumme Tochter Mabel zu unterrichten. Er hat sie zu den besten Ärzten in Europa geschickt, jedoch ohne Erfolg. Was als Unterricht beginnt, wird für Bell jedoch sehr viel mehr. Der Taubstummenlehrer verliebt sich auf den ersten Blick in die junge Frau. Doch die zehn Jahre jüngere Schülerin erwidert seine Gefühle zunächst nicht. Sie stammt aus bestem Hause und Bell besitzt bisher nicht einen Dollar. In ihrem Tagebuch vermerkt sie nach dem ersten Zusammentreffen: "Ich könnte nie solch einen Mann heiraten". Die unerwiderte Liebe ist für Bell Ansporn, seine Anstrengungen zu verdoppeln. Würde es ihm gelingen, einen funktionstüchtigen Vielfachtelegraphen zu konstruieren, würde er auch ein vermögender Mann werden - und für Mabel interessanter.

Versuche mit totem Ohr

Mabel Hubbard (Spielszene)
Mabel Hubbard (Spielszene) Quelle: ZDF

Um sich von den Strapazen zu erholen, reist Bell im Sommer 1874 zu seinen Eltern nach Kanada. Er will neue Kräfte im Wettlauf gegen seinen Konkurrenten Elisha Gray sammeln. Dort hat er plötzlich den entscheidenden Einfall: Wenn man Morsezeichen durch einen Draht schicken kann, warum dann nicht auch direkt die menschliche Stimme? Dazu müsste es ihm aber zuerst gelingen, Sprache in elektrische Impulse zu verwandeln. Sofort beginnt er in der Scheune seiner Eltern zu experimentieren. Doch auf dem Hof der Eltern gibt es keinen Strom. Da ersinnt Bell einen abenteuerlichen Versuch: Ein befreundeter Arzt hat ihm das Ohr eines Toten geschickt. Vorsichtig befestigt Bell einen Stift am Trommelfell, dessen Spitze auf eine geschwärzte Glasplatte trifft.

Muster auf Glasplatte
Muster auf Glasplatte Quelle: ZDF

Vielleicht kann ein Wort, können Schallwellen stark genug sein, um den Stift in Schwingung zu bringen und ein Muster auf die Glasplatte zu zeichnen. Tatsächlich beginnt der Stift langsam auszuschlagen. Bell ist es wirklich gelungen, Sprache in eine andere Form zu übertragen. Aber was mit diesem Wellenmuster anzufangen ist, bleibt ihm schleierhaft. Erfolg verspricht er sich nur durch die Weiterentwicklung der Telegrafie. Doch ohne finanzielle Unterstützung muss er weiter ein anstrengendes Doppelleben als Dozent und Forscher führen. Da kommt ihm der Zufall zu Hilfe.

Kampf gegen die Western Union

Gardiner Hubbard hat Bell als Taubstummenlehrer engagiert, von seinen Forschungen will er zunächst nichts wissen. Doch welche Bedeutung Bells nächtliches Treiben haben könnte, wird Gardiner Hubbard erst bewusst, als Bell seiner Tochter Mabel die Idee der Mehrfachtelegrafie beim Klavierspiel verdeutlicht. Wie jeder Ton einer Melodie soll jeder Nachrichtenkanal unverwechselbar sein. Und wie beim Klavierspiel will Bell Dutzende Töne gleichzeitig verschicken. Hubbard wird sofort hellwach. Dies könnte der Schlüssel sein, um endlich das Monopol der Western Union zu brechen. Und das wäre es durchaus wert, Bells Forschung finanziell zu unterstützen.

Doch für Bell und Hubbard scheint bereits alles verloren, bevor es begonnen hat. 1874 lädt Elisha Gray in Chicago die Journalisten aller großen Zeitungen des Landes in sein Labor ein. Siegessicher verkündet er: Ihm sei es gelungen, acht Nachrichten gleichzeitig zu verschicken. Gray fordert die Reporter auf, sich selbst als Telegrafisten zu versuchen. Die Zeitungsleute sind beeindruckt. Alle berichten danach enthusiastisch, Gray und seine Maschine würden die Telegrafie von Grund auf revolutionieren. Als Hubbard und Bell davon erfahren, reichen sie beim Patentamt in Washington eilig Bells Unterlagen ein. Als der Beamte Bells Antrag bearbeitet, stutzt er. Gray hatte wenige Tage zuvoer einen Antrag eingereicht, der zu Bells Papier identisch war. Für die Vergabe des Patents zählt nicht das Abgabedatum, sondern wer zuerst die Idee hatte.

Besuch bei der Konkurrenz

Patentamt Washington
Patentamt Washington Quelle: ZDF

Schnellstens reist Bell nach New York, als er von der unsicheren Patentsituation hört. Sein Ziel ist das Headquarter der Western Union. Vielleicht stößt dort sein Wissen auch ohne gültiges Patent auf Interesse. Hubbard hat Bell eindringlich gewarnt. Die Western Union werde ihn, den kleinen Erfinder, nur betrügen. Doch leichtfertig schlägt Bell Hubbards Rat in den Wind. Im Büro der Western Union wird er freundlichst empfangen. Die Direktoren und Ingenieure hätten schon viel von ihm gehört und seien begeistert von seiner Maschine.

Doch insgeheim haben die Direktoren der Western Union einen anderen Plan. Sie wissen, Bell arbeitet mit Hubbard, ihrem ärgsten Widersacher, zusammen. Niemals werden sie ihm auch nur einen Dollar zahlen. Naiv und vertrauensselig lässt Bell sich aushorchen. Die Western Union bleibt unverbindlich, spielt auf Zeit. Bis sie ihm die eindeutige Absage erteilen, haben ihre Ingenieure längst alle Geheimnisse von Bells Gerät entschlüsselt. Und ohne Skrupel stellen sie diese ihrem neuen Partner zur Verfügung: Elisha Gray.

Erster Kontakt mit dem Telefon

Philip Reis
Philip Reis Quelle: ZDF

Für Gray ist der Wettlauf gegen Bell mittlerweile ein persönlicher Feldzug. Wagt es doch ein Laie, sich mit ihm zu messen. Gray erhält zu jener Zeit auch Zeichnungen eines Apparats, den sein deutscher Erfinder Telefon nennt und der Sprache übertragen soll. Doch Gray legt die Skizzen einfach zur Seite, betrachtet das Telefon, wie schon sein Erfinder Philip Reis, lediglich als Spielerei - ein großer Fehler. Was für Reis wohl eine technische Sackgasse war, sollte für Bell zu einem mächtigen Instrument im Kampf gegen die Western Union werden.

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