Wahrer Gott vom wahren Gott

Konstantin bereitet dem Christentum den Weg zur Blüte

Im Jahr 316 schlugen die Armeen von Konstantin und Licinius gegeneinander los. In den folgenden Jahren hatte Konstantin mehr Schlachtenglück als sein Gegenspieler. Doch endgültig bezwingen konnte er Licinius vorerst nicht.

Der Kampf um die Macht war von Anbeginn verbrämt als Kampf um den rechten Glauben. Im Westen bekannten sich etwa fünf Prozent, im Osten bis zu 15 Prozent zu Christus. Im Westen erfuhr die Kirche ständig zunehmende Förderung durch Konstantin, im Osten hingegen ließ Licinius ab dem Jahr 321 Gemeinden überfallen und ausrauben.

Religiöse Tauglichkeits-Tests

Hass und Misstrauen gegenüber den Christen entwickelten sich bei Licinius so weit, dass er Verwaltungsangestellte und Soldaten religiösen Tests unterzog. Er zwang die Menschen, den alten Göttern zu opfern, ihre Kulthandlungen zu vollziehen oder öffentlich dem neuen Glauben abzuschwören. Wer sich weigerte, wurde entlassen. So durfte sich im Heer des Ostkaisers kaum ein Christ befunden haben, als dieser gegen seinen westlichen Herausforderer antrat.

Am 3. Juli 324 kam es bei Adrianopel in Thrakien zur entscheidenden Schlacht. Mit jeweils 100.000 Fußsoldaten und 10.000 Berittenen zogen die beiden Kaiser gegeneinander zu Felde. Licinius hatte vor der Schlacht den Flug der Vögel und die Eingeweide von Opfertieren analysieren und sich daraus den Sieg vorhersagen lassen. Doch es kam anders. Licinius musste eine schwere Niederlage hinnehmen und konnte nur mit knapper Not über den Bosporus nach Kleinasien entkommen.

Konstantins Banner, das so genannte Labarum Quelle: ZDF

Adler gegen Labarum

Bereits am 18. September stellte sich Licinius erneut zum Kampf - in der Ebene bei Chrysopolis auf der kleinasiatischen Seite des Bosporus. Sein Feldzeichen: der römische Adler. Konstantins Truppen marschierten - wie seit einem guten Jahr üblich - mit einem neuen Feldzeichen auf: dem Labarum. Das Labarum bestand aus einem goldenen Schaft, der eine Querstange trug, an der ein nahezu quadratisches Banner hing. Oberhalb der Querstange prangte auf dem Schaft das Christogramm, eingerahmt von einem Lorbeerkranz.

Den Schutz des wertvoll ausgestatteten und verzierten Feldzeichens garantierte eine eigens dafür aufgestellte Einheit aus besonders bewährten Kämpfern. Vermutlich hatte Licinius den psychologischen Wert des Labarums bereits vor der Schlacht erkannt. Dem Chronisten Eusebius zufolge soll er seine Soldaten davor gewarnt haben, das Labarum anzuschauen. Mit seiner überlegenen Kavallerie gewann Konstantin schließlich die Oberhand. Es begann ein fürchterliches Gemetzel, bei dem angeblich an die 100.000 Männer von Licinius getötet wurden.

Tödlicher Meineid

Licinius rettete sich in seinen Palast in Nikomedia. Doch sein Schwager belagerte die Stadt. Der Ostkaiser musste sich ergeben. Als letzte Hoffnung blieb ihm seine Frau Constantia, die Halbschwester Konstantins. In Begleitung von Constantia und dem gemeinsamen Sohn Licinianus übergab der Geschlagene seine Purpurgewänder, die Insignien der Macht, an Konstantin. Damit war dieser Alleinherrscher über das gesamte Imperium Romanum.

Konstantin begnadigte Licinius mit einem Eid. Die Familie seines Schwagers durfte einen Ruhesitz in Thessalonike beziehen. Doch schon bald widerrief der Kaiser die Begnadigung und ließ Licinius, später auch dessen Sohn töten. Dann traf er sich mit zahlreichen Bischöfen zum Konzil in Nicaea. Er drängte den zerstrittenen Klerus zu einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis, das bis heute - geringfügig verändert - von den Christen der großen Konfessionen gesprochen wird.

Konstantin I., der Große

Der Machtpolitiker Konstantin hatte die Kraft der christlichen Kirche erkannt und durch die Förderung des Christentums die Welt verändert. Über seinen persönlichen Glauben streiten die Experten bis heute. In dieser Hinsicht bleibt er schwer fassbar, nicht zuletzt wegen der sehr einseitig pro-konstantinischen Färbung der vorhandenen Quellen aus christlichen Chronistenfedern.

Erst kurz vor seinem Tod ließ er sich taufen. Er starb am 22. Mai 337, mitten in den Vorbereitungen zu einem Feldzug gegen die Perser. Der Große wurde er erst später genannt. Die Ostkirche verehrt ihn noch heute als Heiligen.

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