Wall-Street der Bronzezeit

Ugarit als Knotenpunkt für den Austausch von Waren und Wissen

Die weitläufige Palastanlage von Ugarit dokumentiert, wie mächtig der König des syrischen Stadtstaates war. In den Wohn- und Händlervierteln mit Lagerhäusern und Werkstätten herrschte geschäftiges Treiben. Im 2. Jahrtausend vor Christus war Ugarit ein Ort mit internationalem Flair. Und Ausgangspunkt für abenteuerliche Fahrten übers Meer

Ruinen von Ugarit Quelle: ZDF

Im Hafen ankerten Schiffe aus Ägypten, Griechenland und Kleinasien. Ein pulsierender Marktplatz für Luxus- und Gebrauchsgüter, in erster Linie aber für die Erze. Forscher nennen Ugarit deshalb auch die "Wall-Street der Bronzezeit". Der Fernhandel mit zahlreichen Niederlassungen entlang der Küsten florierte. Der Austausch von Waren und Wissen erreichte eine andere Dimension. Eine Fülle neuer Produkte eroberte die Märkte und belebte den Wettbewerb. Mit dem Aufschwung setzte eine goldene Ära ein.

Aussicht auf hohe Profite

In Ugarit stationierten die Könige der Anrainerstaaten Agenten, um ohne Verzug große Mengen an Zinn und Kupfer zu beschaffen. Die Nachfrage nach dem Material, das genauso hoch im Kurs stand wie Gold, war enorm. Ein Deal mit großen Gewinnmöglichkeiten. Die Aussicht auf hohe Profite öffnete Betrügereien Tür und Tor, obwohl es bereits verbindliche Geschäftsbedingungen gab. Bernstein aus dem Ostseeraum gegen Kupfer aus Zypern war damals gängige Tauschware. Die Qualität der gelblichen Harzperlen konnten die Händler im Gegenlicht leicht prüfen. Nur schwer ließ sich dagegen feststellen, ob der genormte brotlaibförmige Barren tatsächlich reines Kupfer enthielt. Zweifel kamen auf, wenn dem Käufer das Gewicht des Klumpens zu leicht erschien.

Die Überprüfung eines 3.500 Jahre alten Rundbarren durch Metallurgen ergab: Aus Kupfer besteht nur die obere Schicht, mehr als die Hälfte hingegen aus wertloser Schlacke. Der Verkauf von Mogelpackungen war bereits in jener Zeit gang und gäbe. Um Betrugsfälle zu ahnden, setzten die Herrscher eine neutrale Instanz ein. Dorthin zogen Beklagter und Kläger. Der Beruf des Richters ist eine Erfindung der Bronzezeit. Bei der Urteilsfindung konnten sich die Amtsinhaber auf ein ausführliches Gesetzeswerk stützen. Der berühmte Codex Hammurabi regelte in 282 Paragraphen jedes Vergehen - auf der Basis "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Die erste schriftliche Gesetzessammlung der Welt bildete die Grundlage aller späteren Rechtsordnungen. Doch der lange Arm des Gesetzes erreichte nicht die fahrenden Händler auf ihren abenteuerlichen Routen über Land und übers Meer.

Codex Hammurabi Quelle: ZDF

Uraltes Gewerbe

Die Fahrten auf dem Mittelmeer dauerten oft sehr lang. Herrschte Flaute, vertrieben sich die Seeleute mit Spiel die Zeit - und tranken Bier. Ein reicher Geschäftsmann reiste sogar mit allen notwendigen Utensilien, um das Gebräu unterwegs selbst herzustellen. Auf Schiffen gehörte Bier zu den Grundnahrungsmitteln, denn es hielt sich länger als Süßwasser. Zudem verhindert die alkoholische Gärung die Ansiedlung von Keimen. Bis zu sechs Liter pro Tag liefen durch die Kehle eines durstigen Mannes. Die Herstellung des Gerstensaftes ist ein uraltes Gewerbe. Welchen Alkhoholgehalt das Bronzezeit-Bier hatte, ermittelt ein Igenieur der TU München nach dem Verfahren von damals

Die Fahrt übers östliche Mittelmeer mit einem schwer bepackten Frachtsegler barg hohe Risiken. Vermutlich segelten die Schiffe vorwiegend tagsüber. Und in der Regel nur bei gutem Wetter. Soweit möglich, wählten die Kapitäne einen Kurs entlang der Küste. Orientierungspunkte wiesen den Weg. Ohne Landmarken wäre gar keine Seefahrt möglich gewesen. Die ganze Ägäis war mit Landmarken ausgeschildert.

Nachbau Uluburun Quelle: ZDF

Handicap Steuerung

Mit großer Kunstfertigkeit bauten die Konstrukteure des Altertums die Schiffe nach der Zapfen-Loch Methode - ganz aus Holz und ohne jeden Nagel. Das einzige Handicap war die Steuerung. Wegen des instabilen Ruders drohten die Schiffe schon bei geringen Böen zu kentern. Zudem konnten sie weder gegen den Wind kreuzen noch besaßen sie Schwert und Kiel. So lagen die Boote auf dem Wasser wie eine Nussschale. Viele gingen unter. Jede dritte Fahrt endete im Desaster. Seeleute galten als dem Tod geweiht. Trieben Wind und Strömung den Segler auf ein Riff zu, konnte der Steuermann den Kurs kaum noch rechtzeitig korrigieren. Die Katastrophe war nicht mehr aufzuhalten.

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