Wallace' Privatexpedition

Austausch mit Darwin

Alfred Russel Wallace schifft sich im März 1854 von London nach Singapur ein. Das malaiische Archipel galt zu seiner Zeit als eine der am wenigsten erforschten, wildesten Regionen der Welt. In den Urwäldern von Neuguinea und Borneo etwa töten Eingeborene noch immer Menschen, um ihre Schädel als kraftbringende Jagdtrophäen zu sammeln.

Naturforscher Wallace erreicht Singapur am 20. April 1854 und verbringt drei Monate in den Regenwäldern Malaysiens. Seit Wallace auf die Reiseberichte Alexander von Humboldts gestoßen war, träumte er von einer privaten Expedition in die Tropen.

Unbekannte Spezies

Vier Jahre hat er bereits am Amazonas verbracht, jetzt zieht es ihn ins malaiische Archipel. Seinen Tropen-Spleen finanziert der Naturforscher mit exotischen Tieren, die er an Sammler und Museen in England verkauft. Die drei Monate in Singapur sind wissenschaftlich und finanziell sehr erfolgreich: Wallace fängt 700 Spezies, viele davon sind noch unbekannt.

Anders als die meisten Wissenschaftler seiner Zeit notiert der gelernte Landvermesser Wallace nicht nur penibel alles, was er fängt. Er notiert vor allem wo er was fängt. Mit jedem neuen Fundort, den er in seine Liste einträgt, entsteht ein gigantischer Atlas der Tierwelt. Denn Wallace geht so ziemlich alles ins Netz - selbst wenn er nur Schmetterlinge jagt. Die exakte Kartierung seiner Funde drängt Wallace unweigerlich eine Frage auf, die ihn nie mehr loslässt: Wo liegt der Ursprung der Arten? Warum gibt es bestimmte Tiere hier, aber nicht dort?

Zustimmung von Darwin

Völlig erschöpft von einigen Wochen im Reich der wilden Papua, im fast unerforschten Neuguinea, kehrt Alfred Russel Wallace auf die Gewürzinseln zurück. Er ist in prächtiger Stimmung. Das Postschiff hat einen Brief aus England mitgebracht: Charles Darwin antwortet ihm, er stimme seinen Theorien zu. Er habe bei der renommierten Linné Gesellschaft in London seine eigenen Aufzeichnungen über die Abstammungslehre vorgestellt - und die von Wallace. Mit einem Mal darf sich der Autodidakt Wallace auf einer Stufe mit Koryphäen der Wissenschaft fühlen.

Was er im Dschungel der Gewürzinseln nicht ahnen kann: Darwin hatte das Wallace-Papier als eine Art Zusammenfassung seiner eigenen Evolutionstheorie präsentiert. Was Wallace sich im Fieberwahn zusammenreimte, heißt noch heute "Darwinismus". Wallace aber ist über die Nachrichten aus England hocherfreut. Sein Agent schreibt aus London, er habe die komplette Sammlung von den Aru Inseln für stattliche tausend Pfund verkaufen können: 9000 Tiere hatte Wallace dort präpariert, 1600 verschiedene Arten. Über 2000 Exponate hat allein das Britische Museum in London erworben.

Bestseller der Tropen

Der Erfolg ermutigt Wallace und Ali zu neuen Taten. Da Wallace keine Institution oder andere Geldgeber im Rücken hat, ist er auf die Verkäufe seiner Sammlungen angewiesen. Er kennt inzwischen seine Bestseller - wie den prächtigen blauen Papilo Ulysses. Bei seinem Agenten hat Wallace sich oft bitterlich über die Spezies-Sammler beklagt, die offenbar glaubten, alles in den Tropen müsse groß und bunt sein. Die 260 Motten-Arten, die Wallace in einer einzigen Regennacht in Sarawak gefangen hatte, erwiesen sich als völlig unverkäuflich.

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