Wallensteins Stunde

Böhmischer Aufstand in Prag

Der große Krieg beginnt im Mai 1618 - die Prager Burg wird zum Schauplatz einer Rebellion böhmischer Stände. Ihr Zorn richtet sich gegen den erzkatholischen Kaiser. Er will die Rechte der Protestanten beschneiden und ihre Kirchen schließen.

Die Antwort ist der Prager Fenstersturz. Die Aufständischen stürmen in die Böhmische Kanzlei und stürzen zwei kaiserliche Statthalter samt ihrem Sekretär aus diesem Fenster der Burg. Die Rebellen wollen ein Exempel statuieren.

Doch die katholischen Statthalter überleben das Spektakel - dank eines Misthaufens im Schlossgraben, den sie für göttliche Fügung halten. Was hier in der Böhmischen Kanzlei begann, wäre zum historischen Witz geraten - hätte es nicht halb Europa ins Chaos gestürzt. Man möge sich "auf einen 20-, 30- oder gar 40jährigen Krieg gefasst machen", sagt der Kölner Erzbischof voraus.

Stunde der Spekulanten

Mit der Revolte schlägt die Stunde eines einfachen böhmischen Adligen, Albrecht von Wallenstein. Mit einer verwegenen Tat schlägt er sich auf die Seite des katholischen Kaisers. Zu nächtlicher Stunde dringen seine Kürassiere in das Schatzmeisterquartier der mährischen Stände ein. Es ist die Stunde der Spekulanten und Beutemacher, die alles auf eine Karte setzen - auf den großen Krieg, der Reichtum und den Aufstieg zum ruhmreichen Feldherrn verspricht. Fast 100.000 Taler raubt Wallenstein den eigenen Standesgenossen, die sich mit den böhmischen Rebellen verbündet haben.

Wallenstein zieht mit dem erbeuteten Schatz und 200 Kürassieren zum Kaiser nach Wien, um den Retter der Monarchie zu spielen. Ein Regiment der böhmischen Stände lauert bereits vor den Toren der Stadt. Der Kaiser aber bleibt tatenlos und verschanzt sich in der Hofburg. Ihm fehlt eine schlagkräftige Armee und das Geld, um zu rüsten. Für Ferdinand II. kommt der ehrgeizige Feldherr wie gerufen. Auf eigene Kosten will Wallenstein ein gewaltiges Heer zusammenstellen. Die Ständekasse habe er vor den Rebellen retten wollen, soll er in seiner Audienz beim Kaiser gesagt haben. Der Herrscher in Not sollte das Schicksal seines Landes schon bald in die Hände des machthungrigen Aufsteigers legen.

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