Warnung aus Zypern

Die nächste Etappe auf dem Weg nach Süden heißt Ugarit

Der nächste Tatort heißt Zypern. Der Partner der syrischen Königsstadt Ugarit erspäht dort Seevölkerschiffe. Sofort schicken die Verbündeten eine Keilschrifttafel zur Residenz auf dem Festland. Sie enthält eine Warnung: Zwanzig Schiffe und ein Tausend Krieger nähern sich. Die Nachricht erreicht den Herrscher rechtzeitig. Doch den Untergang von Ugarit verhindert sie nicht.

Schiffe auf dem Weg Quelle: ZDF

In den Gewässern zwischen Mykene und Troja nahm das Unheil seinen Anfang. Dann richteten die Piraten ihren Vorstoß nach Osten. Systematisch zerstörten sie ein Zentrum nach dem anderen. Über die genauen Entwicklungen von damals weiß Professor Manfred Dietrich Bescheid. Er leitet das Institut für Ugarit-Forschung in der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. In seinem Archiv lagern Hunderte von Tontafeln, die bei Ausgrabungen in der alten Königsresidenz zutage kamen. Wertvolle Quellen mit detaillierten Angaben über den Alltag damals.

Augenzeugenbericht als Highlight

Tontafel mit Keilschrift Quelle: ZDF

Das Highlight aber ist eine Art Augenzeugenbericht, der eine Datierung des Untergangs ermöglicht: "Der Mittagshimmel verdüstert sich. -Rashpu ruft die Sonne ins Totenreich. - Zwei Schafslebern untersucht - Gefahr!" Vom Himmel über Ugarit droht Gefahr, denn der Mond schiebt sich vor die Leben spendende Sonne. Dies verstehen die Bewohner des Stadtstaates auf dem Festland im heutigen Syrien als ein Omen.




Im Planetarium von Münster will Professor Dietrich den genauen Zeitpunkt des Naturschauspiels ermitteln lassen, das vor mehr als 3000 Jahren das Firmament verdunkelte. Der erste Schritt ist die Eingabe der geographischen Koordinaten von Ugarit. Um 1200 vor Christus kommt für die Region nur eine Sonnenfinsternis in Betracht: die vom 21. Januar 1192. Die Zeitreise im Planetarium beginnt und das Ergebnis stützt die Vermutung.

Rekonstruktion Sonnenfinsternis Quelle: ZDF

Schreckliches Unheil

Am Morgen des 21. Januar 1192 vor Christus verdüsterte sich über den Zinnen der Stadt allmählich der Himmel. Für die Menschen von heute ist dies ein erklärbares Ereignis. Damals aber glaubten die Bewohner von Ugarit an die Verheißung eines schrecklichen Unheils. Sofort ließen die Einheimischen das Orakel befragen. Denn sie fürchteten, die Götter seien ihnen ungnädig und schickten Tod und Verderben über das Land. Ein Schreiber notierte den Befund der Priester. Angst lag über der Stadt.

Das Leber-Orakel Quelle: ZDF

Doch der Bote mit dem Ergebnis des Orakels kam nicht zum Ziel. Niemand kümmerte sich um den Jungen, der seinem König die schlechte Nachricht im Namen der Priester überbringen wollte. Der Bote wurde dabei vollkommen überrascht und in die Panikwelle hineingezogen. Vermutlich gelang es ihm nicht, sich durch das dichte Gedränge bis zur Audienzhalle des Regenten durchzuschlagen. Irgendwo auf dem Weg dorthin musste er dabei die Tontafel verloren haben. Die letzten Tage von Ugarit dokumentieren zwei Keilschrifttafeln. Ein wesentlicher Mosaikstein für die Erforschung der Angreifer vom Meer.

Menschen verlassen ihre Heimat Quelle: ZDF

Massive Völkerwanderung

Von da an, so vermuten Forscher, setzte sich eine Invasionswelle in Bewegung. Immer mehr Männer, Frauen und Kinder verließen ihre Heimat. Über Jahrzehnte kam es zu einer massiven Völkerwanderung. Dazu gehörten auch die Vorfahren des biblischen Philister-Kriegers Goliath. Nach dem Fall von Ugarit zogen die Auswanderer zu Wasser und zu Lande weiter in Richtung Süden.

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