Was bedeutet eigentlich Dschihad?

Reizwort in der westlichen Welt

Kein anderer Begriff aus dem Umfeld der islamischen Kultur und Tradition ist so zum Reizwort geworden wie der Dschihad, nicht zuletzt, da ihn heutzutage einige islamistische Terrororganisationen im Namen führen. Im Allgemeinen wird das Wort, das an mehreren Stellen im Koran vorkommt, als "Heiliger Krieg" übersetzt. Aber die ursprüngliche Wortbedeutung hat nichts mit dem Schreckgespenst der westlichen Welt, blindwütigem Fanatismus oder gar Selbstmordattentätern zu tun.

Dschihad folgt definierten Regeln

Dschihad als heiliger Krieg
Dschihad als heiliger Krieg Quelle: ZDF

Dschihad besitzt im Koran durchaus unterschiedliche Bedeutungen. Er kann eine geistige Anstrengung meinen, den inneren Kampf gegen die Verführungen falscher Lehren - aber tatsächlich auch den Kampf mit der Waffe in der Hand. "Und kämpfet für Allahs Sache gegen jene, die euch bekämpfen, doch überschreitet das Maß nicht, denn Allah liebt nicht die Maßlosen. Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie von dort, von wo sie euch vertrieben..." "Wenn sie jedoch ablassen, dann ist Allah allvergebend, barmherzig. Und bekämpfet sie, bis die Verfolgung aufgehört hat und der Glauben an Allah [frei] ist. Wenn sie jedoch ablassen, dann [wisset], dass keine Feindschaft erlaubt ist, außer wider die Ungerechten. " (Sure 2, 190 -193) An dieser und an anderen Stellen wird der Dschihad ganz offensichtlich unter Regeln gestellt. Der Koran bemüht sich also um eine Definition eines "gerechten Krieges", wie man sie auch aus der westlichen antiken Welt kennt.

Koran
Koran Quelle: ZDF

Krieg ist nach der Auffassung des Korans grundsätzlich nur als Verteidigung des Glaubens legitimiert. Aber der militärische Einsatz soll maßvoll sein, das heißt, Unschuldige verschonen - wie auch den Feind, wenn er kapituliert. An anderen Stellen wird die Behandlung geschlagener Gegner weiter präzisiert: Juden und Christen können sogar ihre Religion ausüben - gegen die Zahlung einer Steuer. Das war ganz im Stil der Zeit. Auch im christlichen Mittelalter mussten Juden eine besondere Abgabe leisten.

Den Begriff den Islamisten überlassen?

Schon in der Nachfolge Mohammeds erfuhr der Begriff eine deutliche Verwandlung. Jetzt wurden auch Kriege um wirtschaftliche und politische Macht zu einem Dschihad hochstilisiert, ganz im Stil der christlichen Kreuzzüge. Ideologen des 20. Jahrhunderts schließlich - wie der Ägypter Sayyid Qutb - gaben dem Begriff die Wendung, die er im radikalen Islamismus noch heute besitzt, nämlich den uneingeschränkten Kampf gegen das, was der Westen aus der Sicht der Gotteskrieger repräsentiert: Kolonialismus, Kapitalismus und Sittenlosigkeit.

Dabei hat bereits Mohammed einer Überlieferung zufolge zwischen einem "kleinen" und einem "großen" Dschihad unterschieden. Danach ist der bewaffnete Kampf nur ein kleines Verdienst im Vergleich zum großen Feldzug gegen die eigenen Fehler und schlechten Charakterzüge. Der fordert unter Umständen den wahren Heldenmut. Eine kluge Einsicht - nicht nur für Muslime.

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