Wasserjagd in der Wüste

Dirk Steffens auf der Suche nach dem Lebenselixier

Dokumentation | Terra X - Wasserjagd in der Wüste

Wer in der Wüste überleben will, braucht Wasser. Von Wüstenbewohnern rund um die Welt lernt Dirk Steffens, wie man das kostbare Nass aufspüren kann.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.10.2017, 07:45
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2015
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Wüsten und Halbwüsten bedecken ein Drittel der gesamten Landfläche der Erde. Wer hier überleben will, muss wissen, wie er an Wasser kommt. Dirk Steffens trifft auf ganz unterschiedliche Wüstenbewohner – und ihre Strategien, das kostbare Nass in der trockenen Weite aufzuspüren. Denn für asiatische Kamele und südamerikanische Guanakos, afrikanische Elefanten und australische Kängurus gilt die gleiche Devise: Jeder Tropfen zählt.

In welcher Region der Erde wann wie viel Regen fällt, hängt nicht nur vom Zufall ab: Die Erde wird von zwei ausgeprägten Gürteln von Trockengebieten umspannt. Ihr Ursprung liegt in den äquatorialen Tropen – ausgerechnet da, wo es fast das ganze Jahr hindurch regnet.

Globale „Luftpumpe“

Verteilung der Wendekreiswüsten auf  Weltkarte
An den beiden Wendekreisen wird die Erde von Wüstengürteln umspannt.

Am Äquator ist es so heiß, dass die Luft rasch nach oben steigt. Dadurch sinkt der Luftdruck dauerhaft und bildet die sogenannte äquatoriale Tiefdruckrinne. Auf dem Weg nach oben wird die Luft kühler, dabei kondensiert die Feuchtigkeit. Es bilden sich Quellwolken, die regelmäßig abregnen. Die nun trockenen Luftmassen steigen noch weiter auf, hoch hinaus über die Wolkendecke bis in etwa zehn Kilometer Höhe. Dort versperrt die eisige Stratosphäre den weiteren Weg nach oben. Die Luft weicht zu den Seiten, also nach Norden und Süden, aus.

Irgendwann ist die Luft so weit abgekühlt, dass sie erneut nach unten sinkt, und zwar in der Höhe der Wendekreise, etwa bei 23,5 Grad nördlicher und südlicher Breite. Dabei erwärmt sich die Luft und wird noch trockener, sodass sich keine Wolken bilden können. In Bodennähe wird sie als heißer Passatwind zurück Richtung Äquator gesogen. Dieser globale Kreislauf ist für die Trockenheit in den Regionen der Wendekreise verantwortlich. Man nennt diese Gebiete daher Wendekreiswüsten.

Himmelsgeschenk aus dem hohen Norden

Wüste Gobi mit schneebedeckten Dünen
Woher kommt der Schnee in der Gobi und warum verschwindet er so schnell? Quelle: BBC

Wegen der fehlenden Vegetations- und Humusschicht herrschen in allen Wüsten große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter. Sprünge von plus 50 bis minus 50 Grad gibt es aber nur in der seltsamsten Wüste der Welt: der Gobi. Sie liegt durchschnittlich 1000 Meter über dem Meeresspiegel, die Luft ist extrem trocken. Dennoch liegt auf ihren Dünen an bis zu 60 Tagen im Jahr Schnee. Ein scheinbares Paradox, denn die Wüste Gobi, dreimal so groß wie Deutschland, gehört zu den trockensten Gebieten der Erde. Das liegt am Himalaya. Er fängt die Monsunwolken ab, die über Indien heranziehen. An den höchsten Bergen der Welt schneien die Wolken ab, jenseits davon herrscht Regenschatten. Woher also stammt der Schnee in der Gobi?

Sein Ursprung liegt weit entfernt, in Sibirien. Arktische Tiefdruckgebiete hüllen die Tundra monatelang in eine endlose Schneedecke. Eisige Winde wirbeln die Flocken dann rund 3000 Kilometer weit nach Süden. Ohne auf Hindernisse zu treffen, fegen die sibirischen Stürme mit ihrer Fracht über das ausgekühlte Land bis in die Gobi. Doch der Schnee bringt kaum Feuchtigkeit, denn er schmilzt nicht: Er löst sich einfach in Luft auf – er sublimiert, geht vom kristallinen Zustand direkt in Dampf über. Schuld daran sind die starke Sonneneinstrahlung und die trockene, kalte Höhenluft der Gobi.

Allianz zwischen Nomaden und Kamelen

Die hier heimischen Kamele, zweihöckrige Trampeltiere, fressen den Schnee, bevor er an die Atmosphäre verloren geht – ein mühsames Unterfangen, denn ein Zehn-Liter-Eimer voll Schnee liefert ihnen lediglich einen Liter Wasser. Und doch ist das besser als nichts. Die wirklich harte Jahreszeit für die Tiere ist deshalb nicht der bitterkalte Winter, sondern der lange, trockene Sommer. Dann zeigt sich die Kunst der Kamele, mit Wassermangel umzugehen. Schon seit 3000 Jahren ziehen Nomaden mit ihren Kamelherden durch diese feindliche Welt. Die Herde ist der kostbarste Besitz eines Hirtenstammes. Kamele werden als Milch-, Fleisch- und Wolllieferanten, als Reit- und Lasttiere genutzt. Sie mit ausreichend Futter und Wasser zu versorgen ist eine Herkulesaufgabe, die ständiges Weiterziehen diktiert.

Die wilden Kamele haben die nomadische Lebensweise praktisch erfunden, lange bevor es Kamelhirten gab. Sie besitzen einen Instinkt, wo es Futter geben könnte, und die Ausdauer, lange danach zu suchen. Trampeltiere wiegen rund eine Tonne und brauchen etwa vier Kilogramm Futter am Tag. Für die Nomaden gilt: Sie müssen für ihre domestizierten Tiere die wenigen Weideflächen aufspüren, die sporadische Regenfälle hier und da gedeihen lassen. Haben die Späher der Nomaden eine neue Weide ausgemacht, zieht die gesamte Sippe um, rund 20-mal im Jahr. Für Sesshaftigkeit ist in der Wüste Gobi kein Platz. Ihre knappen Ressourcen erzwingen die ständige Suche nach Nahrung und Wasser.

Nebeltränken und unterirdische Wasserläufe

Nebelschwaden ziehen über die Kakteen in der Atacamawüste
Morgens zieht der Nebel bis zu 30 Kilometer weit ins Land.

Die Atacama an der Küste Chiles – die als trockenste Wüste der Erde gilt – liegt wie die Gobi im Windschatten eines mächtigen Gebirges, der Anden. Die feuchten Passatwinde aus dem Amazonas kühlen hier so weit ab, dass die Feuchtigkeit zu Schnee gefriert. Wenn der Wind die Ebenen westlich der Bergkette erreicht, ist er staubtrocken. Aber obwohl es hier niemals regnet, ziehen regelmäßig Nebelschwaden ins Land. Das liegt am kalten Humboldtstrom aus der Antarktis, der hier vorbeifließt. Er kühlt die feuchte Luft über dem Meer ab, bis sie kondensiert. Die heiße Luft aus dem Landesinneren legt sich wie ein Deckel über den Nebel. Die kühlen Schwaden können so nicht hoch genug steigen, um Regenwolken zu bilden. Doch nachts und in den kühlen Morgenstunden zieht der Nebel bis zu 30 Kilometer weit ins Land. Nur in diesem Küstenstreifen wachsen genügsame Wüstenpflanzen. Der Nebel kondensiert an den Stacheln der Kakteen oder an den feinen Strukturen von Flechten. Das Tropfwasser versorgt nicht nur die Pflanzen, sondern ist auch die Tränke der Wüstenbewohner.

Eine weitere Küstenwüste findet sich 9000 Kilometer entfernt: An der Westküste Namibias enthält der kalte Benguelastrom dem Land den Regen vor und ließ die Namib entstehen. Die feuchte Meeresluft sorgt auch hier für Küstennebel, der von einigen Tieren erfindungsreich genutzt wird. Doch Nebel ist nicht der einzige Feuchtigkeitsspender: Hundert Kilometer entfernt, in der Hochebene Namibias, regnet es regelmäßig. Das Regenwasser versickert und läuft unterirdisch auf einer wasserundurchlässigen Tonschicht Richtung Namib. Diese unterirdischen Flüsse füllen regelmäßig das Grundwasser in der Wüste auf. Doch etwa alle zehn Jahre kommt es durch Starkregenfälle im Hochland zu unerwarteten Sturzfluten. Die sonst trockenen Flussbetten füllen sich dann mit Wasser. Für die Tiere ist das eine willkommene Abwechslung zu den sonst kargen Bedingungen.

Schatz aus der Tiefe: fossiles Wasser

Aquifer unter Namibia (Grafik)
Unter der Tonschicht liegt ein riesiges Wasserreservoir.

Die gleichen Regenfälle, aus denen sich die unterirdischen Flussläufe speisen, haben in Namibia über etwa 10.000 Jahre ein tief liegendes unterirdisches Wasserreservoir aufgefüllt, das etwa viermal so groß ist wie der Chiemsee. Das Reservoir ist nach oben durch die 100 Meter dicke Tonschicht gedeckelt. Wenn es gelingt, es schonend zu fördern, könnte es zu einem neuen Quell des Lebens in Namibia werden. Namibia ist aber nicht das einzige Wüstenland, das einen solchen Schatz im Untergrund bewahrt. Unter fast allen Wüsten der Welt findet sich fossiles Wasser in sogenannten Aquiferen, Niederschlag aus längst vergangenen Zeiten. Eines der größten unterirdischen Aquifere weltweit, etwa 8000-mal so groß wie das unter Namibia, ist das Große Artesische Becken in Australien. In einer Tiefe von 500 Metern erstreckt es sich über knapp ein Viertel der Oberfläche Australiens. Da es unter Druck steht, tritt es an einigen Stellen auch ohne menschliches Zutun an die Oberfläche. Diese artesischen Quellen bilden selbst in Dürrezeiten verlässliche Oasen.

Bewässerte Felder in der Sahara, vom all aus gesehen
Sogar aus dem Weltraum sichtbar: bewässerte Flächen in der Sahara

Doch die größten fossilen Wasserreserven der Welt – dreimal so groß wie das Reservoir in Australien – hat man unter der Sahara entdeckt. Obwohl man weiß, dass sich diese unterirdischen Oasen nicht regenerieren können, wird das Wasser heute vielerorts großtechnisch gefördert. Selbst mitten in der Wüste lassen sich so großflächig Felder bewässern. Wissenschaftler schätzen allerdings, dass das fossile Wasser nur noch wenige Jahrzehnte lang fließen wird, wenn die Landwirtschaft weiterhin so viel verbraucht wie bisher. Würde man das Reservoir nur für die Trinkwasserversorgung nutzen, dann könnte es noch mehrere Hundert Jahre lang den Durst der Wüstenbewohner stillen.

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