Watts Dampfmaschine in der Warteschleife

Geldnöte und privates Unglück verzögern die Entwicklung zur Serienreife

Trotz intensivster Bemühungen kommt James Watt mit der Weiterentwicklung der Dampfmaschine nicht weiter. Zudem stirbt sein Freund und finanzkräftiger Partner John Craig. Dieser hatte ihm viel Geld geliehen, um sein Geschäft aufzubauen. Die Gläubiger fordern die sofortige Rückzahlung von 760 Pfund. Ein unfassbarer Schuldenberg. Nur ein Wunder kann ihn noch retten - oder ein gute Idee.

Watt arbeitet als Landvermesser
Watt arbeitet als Landvermesser Quelle: ZDF

Um 1760 entwickelt sich auf britischem Boden ein stetiger wirtschaftlicher Aufschwung. Für den Transport von Gütern und Rohstoffen vom Süden Englands bis hoch nach Schottland werden dringend neue Wasserwege gebraucht. Der Verlauf dieser Kanäle muss präzise vermessen und geplant werden. Watt hatte vor einiger Zeit ein Vermessungsinstrument entwickelt.

Rettender Auftrag

Watt bewirbt sich kurzerhand bei einem der zahlreichen neuen Kanalbauprojekte als Landvermesser. Er kann die Auftraggeber überzeugen - und erhält den rettenden Auftrag, denn sein optisches Vermessungsgerät spart viel Zeit und Geld. Durch harte Arbeit kann er in den nächsten Jahren den drohenden Bankrott abwenden. Noch immer kreisen nebenbei seine Gedanken um die Dampfmaschine, auch wenn sein Konkurrent Smeaton schon Fortschritte gemacht hat.

Watt trifft auf Roebuck
Watt trifft auf Roebuck Quelle: ZDF

Im Jahre 1768 kehrt James Watt erschöpft von längeren Vermessungsarbeiten nach Hause zurück. Dort warten große Neuigkeiten auf ihn. Schon seit einigen Jahren stand er im Briefverkehr mit einem Unternehmer namens John Roebuck, den er persönlich aber noch nicht kennengelernt hat. Die erneute Kontaktaufnahme könnte Watts Leben in neue Bahnen lenken. John Roebuck bietet dem verschuldeten Erfinder überraschend eine Partnerschaft an. Roebuck will die Entwicklungskosten der Dampfmaschine übernehmen und auch das dringend benötigte Patent finanzieren, als Gegenleistung verlangt er zwei Drittel der zu erwartenden Gewinne.

Wertvolle Zeit geht verloren

Watt freut sich über Patentzuteilung
Watt freut sich über Patentzuteilung Quelle: ZDF

Roebuck fordert rasches Handeln und so macht sich Watt im August 1768 auf den Weg nach London zum Patentamt. Er rechnet mit einem langen Bewilligungsverfahren. Das bedeutet neben einer weiteren Verzögerung an der Weiterentwicklung seiner Maschine eine monatelange Trennung von seiner hochschwangeren Frau. Am 5. Januar erhält Watt schließlich das Patent. Ein Meilenstein, denn niemand kann ihm nun die Erfindung streitig machen. Watt glaubt das Ziel nun in greifbarer Nähe. Er ist überzeugt, dass seine Erfindung eine technische Revolution auslösen könnte. Aber noch gibt es die Erfindung nur auf dem Papier. Und Watt hat wertvolle Zeit verloren. Der gewiefte Smeaton ist James Watt inzwischen weit voraus. Der Konkurrent hat im Wettlauf um die bessere Dampfmaschine die Führung übernommen. Mit einfacher Ingenieursarbeit hat er sich einen schnellen Vorteil verschafft: Smeaton hat lediglich das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten optimiert - und so den Wirkungsgrad der alten Maschine von einem halben auf ein ganzes Prozent gesteigert. Smeaton liefert bald erste Exemplare seiner aufgebesserten Dampfmaschine an Minenbesitzer aus. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Er bekommt immer neue lukrative Aufträge. Damit wächst Smeatons Gewissheit: Jener schottische Erfinder wird den Erfolg seiner Maschine nicht mehr gefährden und seinen Vorsprung nicht mehr aufholen.

Fortwährende finanzielle Nöte

Watts schwangere Frau
Watts schwangere Frau Quelle: ZDF

Um den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen, muss Watt die Arbeit an der Dampfmaschine für Vermessungsaufträge immer wieder unterbrechen. Jahre vergehen, in denen Watt immer wieder für längere Zeit unterwegs ist. Gedanklich hin- und hergerissen zwischen der Familie in Glasgow und der stockenden Arbeit an der Dampfmaschine in Roebucks Gießerei. 1773 ist seine Frau wieder schwanger, gerne würde er sich um sie kümmern. Doch die Aufträge gehen vor. An einen Freund schreibt er verzweifelt: "Ich habe Weib und Kind, meine Haare beginnen zu ergrauen und ich habe nichts getan, um für sie zu sorgen."

Ein letzter großer Vermessungsauftrag soll im Herbst 1773 genügend Geld bringen, um die Familie eine Weile über Wasser zu halten. Dann, so hofft er, wird er seiner Maschine zum Durchbruch verhelfen können. Doch ein Bote überbringt ihm mitten in den Vermessungsarbeiten eine schreckliche Nachricht: Schon vor einigen Tagen hätten bei seiner Frau die Wehen eingesetzt. Es sei zu schweren Komplikationen gekommen. Watt verliert keine Zeit, so schnell er kann eilt er nach Glasgow, um seiner Frau beistehen zu können.

Watt verlässt Schottland
Watt verlässt Schottland Quelle: ZDF

Völlig erschöpft kommt Watt nach Hause, doch zu spät. Der Arzt konnte für seine Frau nichts mehr tun. Es ist Watt, als habe man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. Seine geliebte Margaret hat die Geburt nicht überlebt. Auch das Baby ist gestorben. Watt macht sich die schlimmsten Vorwürfe. Als auch noch wenig später sein Geschäftspartner Roebuck Pleite geht, beschließt er, Schottland für immer zu verlassen. Er gibt seinen fünfjährigen Sohn zu Verwandten und macht sich auf den Weg in den Süden Englands. Dort hofft er auf einen neuen Anfang für sich - und seine Dampfmaschine.

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