Wege aus der Finsternis - Europa im Mittelalter

Von Städten und Kathedralen

"Terra X - Wege aus der Finsternis - Europa im Mittelalter: Von Städten und Kathedralen": Strebewerk einer Kathedrale in Frankreich.

Dokumentation | Terra X - Wege aus der Finsternis - Europa im Mittelalter

Die Welt des Mittelalters ist im revolutionären Umbruch: Großstädte schießen wie Pilze aus dem Boden, der Fernhandel kommt auf Touren, die Seefahrt bricht zu neuen Kontinenten auf.

Datum:
Sendungsinformationen:
Im TV: ZDFneo, 16.11.2016, 05:50 - 06:35
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Da braucht man Informationen und Wissen. So erkundet Heinrich Schuder, warum die venezianischen Kaufleute kein Bargeld für ihre Geschäfte brauchen: Sie haben das Giro-Konto erfunden und den Wechsel.

Seine Leidenschaft ist die Erkundung und Beschreibung der Welt. Heinrich Schuder ist Kosmograph und unterwegs in geheimer Mission: In Venedig soll er für die Stadt Nürnberg Seekarten kopieren, denn der Rat will zusammen mit den Portugiesen in den Indienhandel einsteigen. Er soll aber auch herausfinden, was es auf dem Rialto Neues gibt. Doch wissenschaftliche Neugier ist kein ungefährliches Unternehmen.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Bezeichnungen wie Giro-Konto, Agio, Disagio, Saldo, Storno und Manco italienisch sind. Das ist kein Zufall, denn in Italien wurde der bargeldlose Zahlungsverkehr erfunden, der das Geschäftsleben und den internationalen Handel revolutionierte.

Auch die "Doppelte Buchführung" mit Soll und Haben, ohne die unsere heutige Wirtschaft so wenig vorstellbar wäre wie ohne Wechsel, bei dem der Aussteller "mit seinem guten Namen bezahlte". Alle Grundzüge unseres heutigen Geldverkehrs und des Bankwesens wurden bereits im Mittelalter entwickelt.

Als Heinrich Schuder auf Erkundung in Venedig ist, heißt es: "So geschah es. Einer starb nach dem anderen, und am Ende alle." Der schwarze Tod ging um. Auch wenn man die Ursache nicht kannte, in Venedig wusste man erste Abwehrmaßnahmen gegen die Pest zu treffen: Der Hafen wurde gesperrt und die Schiffsbesatzungen auf einer Insel in der Lagune erst einmal 40 Tage isoliert - daher kommt der Begriff Quarantäne.

Die Behörden ließen hygienische Brunnen für Trinkwasser bauen und richteten Pestkrankenhäuser auf abgelegenen Inseln ein. Heinrich Schuder gelingt es, Venedig rechtzeitig zu verlassen. Auf dem Heimweg kommt er durch Freiburg. "Willst du wissen, wie eine Stadt wirklich aussieht, steige auf ihren Turm." So hält er es und von der Kathedrale blickt er auf das Gewirr der Straßen und Gassen.

Doch der Augenschein trügt, denn die Städte des Mittelalters waren alles andere als ungeplant und chaotisch gewachsen. Bahnbrechende Forschungen zeigen: Wie Freiburg wurden viele Städte von genialen Stadtplanern auf dem Reißbrett entworfen. Dabei legten sie ihnen ein geheimnisvolles Muster von Kreisen zu Grunde.

Zwischen 1035 und 1348 wurden in Europa 3000 neue Städte gegründet. Die urbane und industrielle Revolution des Mittelalters wurde erst im 19. Jahrhundert von einer vergleichbaren Umbruchsbewegung abgelöst - darüber ist sich die Forschung heute einig.

Bis heute sind sie die Wahrzeichen vieler europäischer Städte: die genialen Wunderwerke der gotischen Kathedralen. Nie zuvor in der Geschichte wurde so hoch gebaut. Wie konnten die filigranen Wände aus Licht und Farbe dem Druck der Steinmassen und des Windes standhalten? Baumeister in Reims und Computerkonstruktionen zeigen, welche genialen Erfindungen es möglich machten Kathedralen leichter zu bauen als je zuvor.

Heinrich Schuder ist Spezialist für Kartographie, für die maßstäbliche Abbildung der Welt auf Pergament. Aber ist die Erde nicht rund? Als er das geheime Kartenmaterial aus Venedig in Nürnberg abgibt, sieht er im Ratssaal den ersten Globus, den es je gab.

Dass die Erde eine Kugel ist, wusste man schon lange. Aber weder die Hereford Map, die größte und älteste Weltkarte, die sich erhalten hat, noch der berühmte Katalanische Atlas nahmen davon Notiz. Erst 1484 schuf Martin Behaim in Nürnberg einen Globus. Es ist ein Prototyp. Sein "Erdapfel" sollte in Serie für portugiesische Kapitäne gefertigt werden, die aufbrachen, neue Welten zu erkunden.

Martin Behaim arbeitete in der Seefahrerschule in Sagres an weiteren Globen. Heinrich Schuder überbrachte ihm neuestes Kartenmaterial aus Nürnberg, damit er weiße Flecken auf seinem Globus füllen konnte. Er bereitete eine Expedition vor: Der Seeweg rund um Afrika nach Indien sollte erkundet werden und man wollte neue Kontinente entdecken.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet