Wehrhaftes Antiochia

Das letzte Hindernis vor Jerusalem fällt durch Verrat

Während sich Balduin in Edessa daran macht, einen eigenen Staat zu gründen, erreicht die Hauptarmee der Kreuzritter 240 Kilometer weiter südwestlich Antiochia, die Stadt, in der Petrus die erste Kirche überhaupt errichtet haben soll.

Doch die prosperierende Metropole ist für die bewaffneten Wallfahrer nicht nur von ideellem Wert. Wo sich heute triste Trümmer in karger Vegetation verteilen, ragen 1097 stolze Mauern und Zinnen empor. Die stark befestigte Stadt ist von strategischer Bedeutung.

Mutiger Statthalter

Nicht nur christliche Chronisten, auch Ibn al-Athir, einer der bedeutendsten muslimischen Historiker, berichtet von der Wehrhaftigkeit Antiochias. Ibn al-Athir hebt knapp 100 Jahre nach den Geschehnissen die Rolle des Statthalters von Antiochia, Yaghi Siyan, hervor.




Yaghi Siyan, mit seinem weißen Bart eine auffällige Erscheinung, unternimmt alles, um die Aggressoren aus der Stadt fernzuhalten. Doch er weiß auch: Vor Verrat ist niemand sicher. In der Stadt, die erst 1085 von den Moslems erobert wurde, leben sehr viele Christen. Kann er ihnen trauen?

Politik der Nadelstiche

Yaghi Siyan hofft, alle möglichen Verräter ausgesperrt zu haben. Gegen die Belagerer kann der Statthalter wenig unternehmen. Mit einer Politik der Nadelstiche versucht er, ihnen das Leben schwer zu machen. Immer wieder kann er dem Gegner Wasser- und Nahrungsversorgung kappen und ihn mit nächtlichen Überfällen verunsichern. Zudem müssen sich die Kreuzritter die wenigen Vorräte mit den ausgesperrten Christen von Antiochia teilen. So groß ist die Not, dass manche Kämpfer das Blut ihrer Pferde trinken, um zu überleben. Viele Christen sterben an Hunger und Krankheiten. Währenddessen ruft Yaghi Siyan Hilfe herbei - per Brieftaube.

Zwei Monate später melden christliche Späher, eine riesige islamische Streitmacht bewege sich rasch auf Antiochia zu. Bohemund von Tarent weiß, dass er schnellstens handeln muss, ehe das moslemische Entsatzheer eintrifft. Er findet einen Schwachpunkt beim Gegner - einen Verräter.

Unter den Augen des Verräters

Firouz ist Befehlshaber über drei Wachtürme - für Bohemund ein echter Glücksfall. Unter den Augen des Verräters treffen die Kreuzfahrer die nötigen Vorbereitungen. In der Nacht des 3. Juni 1098 schleichen sich Bohemunds Mannen an die Türme des Firouz heran.


Die ersten können die Mauern unbemerkt erklimmen. Doch dann stürzen einige Leitern um oder brechen unter der Last der gepanzerten Ritter zusammen. Dennoch gelangen genügend christliche Kämpfer in die Stadt. Ehe die moslemischen Wachen reagieren können, öffnen die ersten Eindringlinge von innen die Tore. Die einströmenden Heerscharen machen mit der Besatzungstruppe des Statthalters kurzen Prozess.

Kein Erbarmen

Antiochia, das letzte Hindernis vor Jerusalem, ist gefallen - nicht durch militärische Glanzleistung, sondern durch Verrat. Nach achtmonatigem, elendem Ausharren vor den Toren kennen die Eroberer kein Erbarmen. Geführt von christlichen Einwohnern töten die Kreuzfahrer jeden Moslem. Den Mann jedoch, der sie so lange ausgesperrt hat, können sie nicht finden - Yaghi Siyan, den verhassten Statthalter. Nach dem Bericht von Ibn al-Athir ist er geflohen.

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