Weihrauch für den Pharao

Geheimnisumwittertes Punt - In heiliger Mission zum Weihrauchparadies

Eine Fülle von Inschriften im ptolemäischen Tempelkomplex von Athribis aus dem 1. Jahrhundert vor Christus verweist auf das geheimnisumwitterte Punt. Den Ursprung des Namens können Ägyptologen bis heute nicht erklären. Das ist nur eines der Rätsel um das legendäre Weihrauchparadies, das schon im Alten Reich Beachtung fand und von Hateschepsut zu Propagandazwecken benutzt wurde.

Der Name Punt in Hieroglyphen Quelle: ZDF

Bei Grabungen an der Pyramide von Pharao Sahure in Abusir förderten einheimische Archäologen einen schweren Steinblock zutage, der für Aufsehen sorgte. Eingemeißelte Zeichnungen und Hieroglyphen schildern die Rückkehr einer Schiffs-Expedition aus Ta-netscher, wie die Ägypter Punt nannten. Das ist ein Beweis, dass die Gesandten bereits in früher Zeit auf dem Seeweg ins Götterland fuhren. Die Kundschafter brachten auch Myrrhebäume mit, die Sahure laut Inschrift in seinen Palastgarten pflanzen wollte.

Auf üblichen Handelswegen

Diesem Motiv messen die Experten besondere Bedeutung bei, war es doch bislang nur aus späteren Dynastien bekannt. Sahure soll neben Weihrauchbäumen sogar 80.000 Maß Myrrhe importiert haben. Außerdem Tonnen von Gold, Malachit und Ebenholz. Es gehörte zu den wichtigsten Pflichten der Regenten, die Versorgung der Tempel zu garantieren. Nach Sahure (2471 -2458 vor Christus) berichten nur wenige Quellen über Fahrten in das sagenhafte Reich. Vermutlich kamen die edlen Zutaten in jener Zeit hauptsächlich auf den üblichen Handelswegen ins Land am Nil.

Erst Hatschepsut (1490 - 1468 vor Christus) besann sich wieder auf die heilige Mission. Die mächtige Frau auf dem Pharaonenthron soll den Auftrag von ihrem himmlischen Vater Amun höchstpersönlich erhalten haben, und zwar durch ein Orakel: "Suche die Wege nach Punt! Erschließe die Straßen zur Myrrhenterrasse. Führe das Heer auf dem Wasser und auf dem Land, um die Wunder des Gotteslandes zu bringen für diesen Gott, der deine Schönheit, Hatschepsut, schuf!"

Statue Hatschepsut Quelle: ZDF

Politischer Propagandatrick

Die ehrgeizige Herrscherin zögerte nicht, wollte sie doch beweisen, dass sie den Königstitel verdient hatte. Um 1480 vor Christus beauftragte sie ihren getreuen Offizier und Schatzmeister mit der gefahrvollen Expedition. Das Unternehmen war für Hatschepsut mehr als nur eine religiöse Pflicht. Die Regentin behauptete vollmundig, sie sei die Erste, die Gesandte nach Punt schickt. Das war ein politischer Propagandatrick. Die Vorbereitungen für die lange Reise dauerten Monate und erforderten ein großes Organisationstalent. Die Männer beluden fünf Schiffe mit Wasser, Waffen, Nahrungsmitteln und Tauschwaren.

Pyramide von Abusir Quelle: ZDF

Angeblich machten sich mehrere hundert Auserwählte auf den Weg in das rätselhafte Land irgendwo im Süden. Zunächst schipperte die Delegation von Theben aus nilabwärts zum ersten Etappenziel. Die Ägypter brauchten hochseetaugliche Segler, die sie im Hafen von Koptos übernehmen sollten. Von dort führte der kürzeste Weg zum Roten Meer durch das Wadi Hammamat. Eine mörderische Strapaze. Denn die Männer erhielten die Schiffe als Bausatz, das hieß in Einzelteile zerlegt. Für die scheinbar unsinnige Aktion gab es gute Gründe, da an der gesamten Küste kein einziger Baum wuchs. 175 Kilometer misst die Strecke durch die Einöde. Tagsüber brennt die Sonne, die Nächte sind kalt.

Monumentales Geschichtsbuch

Mitten in dem unwirtlichen Gebiet haben die Karawanen eindrucksvolle Botschaften in Stein hinterlassen. Über 400 Inschriften und Zeichnungen erzählen abenteuerliche Geschichten von den Trecks aus dem Altertum - ein monumentales Geschichtsbuch, das mehr als 2500 Jahre umfasst. Ein beliebtes Motiv war der Fruchtbarkeitsgott Min. Er galt als Beschützer der Ostwüste. Einer seiner Beinamen lautete "Herr von Punt", weil er den Truppen auf ihrer beschwerlichen Reise ins Weihrauchland Beistand leistete. Bis zur Küste dauerte die Wanderung mindestens zehn Tage. Und vier weitere Tage bis nach Marsa Gawasis, dem einzigen bisher bekannten Hafen aus der Pharaonenzeit. Von der kleinen Bucht am Roten Meer sollte der Tross in Richtung Punt aufbrechen.

Botschaften im Wadi Hammamat Quelle: ZDF

Im Jahr 2004 stieß ein italienisch-amerikanisches Archäologenteam unweit vom Strand auf zwei Höhlen, die eindeutig von Menschenhand ausgebaut waren. In sechs unterirdischen Speicherräumen fanden die Forscher das Depot der ägyptischen Seefahrer. In einer Kammer lagerten viele Schiffstaue, genug Material für mehrere Takelage. Für die Archäologen war dies der Beleg für die ersten hochseetauglichen Schiffe. Auch legte das Team Planken aus Zedernholz frei. Es hatte nicht nur Jahrtausende auf dem Buckel, sondern auch eine weite Reise: Vom Libanon über Koptos bis nach Marsa Gawasis hatte es den Weg zurück gelegt. Quellen zufolge betrieben die Alten Ägypter die Marinebasis seit etwa 2.500 vor Christus.

Taue in einer Höhle Marsa gawasis Quelle: ZDF

"Waren aus Punt"

Der Schlüsselbeweis: reich verzierte Bruchstücke von Lehmsiegeln und Überreste von fünfzehn Seekisten aus Holz. Die Transportboxen stammten aus der Regierungszeit von Amenemhat III. um 1800 vor Christus, wie eine Inschrift verriet. Doch das war noch nicht alles: Eine Entdeckung bezeugte sogar die Reisen ins Weihrauchland. Filigrane Hieroglyphen auf einem der Deckel deklarierten den Inhalt der Kiste als "Waren aus Punt".

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