Weihrauch gegen Entzündungen

Das Harz des Boswelliabaums als Heilmittel

Die alten Ägypter kauten Weihrauch gegen Mundgeruch. In der ayurvedischen Medizin gilt er bis heute als Arzneimittel bei Magen-Darm- und Atemwegserkrankungen. Aber nicht nur in der Volksmedizin ist Boswellia, der botanische Name für Weihrauch, bekannt. Inzwischen konnten Wissenschaftler vor allem die entzündungshemmenden Eigenschaften des edlen Harzextraktes belegen.

Die therapeutische Wirksamkeit von Weihrauchextrakt sei "kein Hokuspokus", sagt auch Manfred Schubert-Zsilavecz, Professor am Institut für Pharmazeutische Chemie an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main. Verantwortlich dafür seien vor allem die im Weihrauchharz enthaltenen Boswelliasäuren (chemisch: pentacyclische Triterpene). "Die Boswelliasäuren wirken entzündungshemmend", so der Wissenschaftler: "Sie stoppen die Entzündungsreaktion auf mehreren Ebenen."

Erste klinische Studien

Wissenschaftler zum Beispiel an den Universitäten Heidelberg, Tübingen und Wien haben in kleineren klinischen Studien gezeigt, dass ein Extrakt des indischen Weihrauchbaums (Boswellia serrata) bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Darms wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa und bei Rheuma hilft. Auch beim Glioblastom, einer bestimmten Form von Hirntumor, gebe es "Hinweise, dass Boswelliasäuren positive Effekte" auf den Krankheitsverlauf haben, so Schubert-Zsilavecz. Das heißt: Mit der Weihrauchtherapie lebten die Patienten länger - und es ging ihnen besser.

Gerade das Glioblastom sei "sehr schwer behandelbar", so der Experte, es bestehe hier eine "therapeutische Lücke". Inzwischen habe die europäische Zulassungsbehörde aber dem Extrakt aus Boswellia serrata für die Indikation Glioblastom den Status "orphan drug" zuerkannt, erklärt er. Ganz praktisch bedeutet das für die Patienten: Sie können ein entsprechendes Präparat über eine deutsche Apotheke zum Beispiel aus der Schweiz offiziell importieren lassen, wo es unter dem Namen "H15" zugelassen ist.

Zulassung in weiter Ferne

Auch in Indien gibt es Weihrauchextrakt in Tablettenform unter dem Namen "H15" beziehungsweise "Sallai guggul" zu kaufen. Von einer Selbstmedikation ist jedoch grundsätzlich abzuraten. Denn weder die Mechanismen, wie die Boswelliasäuren wirken, seien geklärt, so Schubert-Zsilavecz, noch habe man einen vollständigen Überblick über alle Inhaltsstoffe des Weihrauchs - auch wenn intensiv daran geforscht wird.

Und so fehlen in Deutschland für eine Zulassung des Olibanumextraktes als Arzneimittel bislang schlichtweg noch "harte klinische Daten, die die Wirksamkeit und Sicherheit belegen", sagt Experte Schubert-Zsilavecz. Er untersucht unter anderem, ob und in welchem Ausmaß Inhaltstoffe aus Boswelliaharz in den menschlichen Kreislauf gelangen. Das heißt: Wie hoch muss die Konzentration sein, um einen verlässlichen therapeutischen Effekt zu erzielen? Hinzu komme, dass derzeit gar keine Zulassungsanträge bei der zuständigen Behörde vorlägen.

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