Weinen und Wehklagen

Nur wenige überleben das Gemetzel

Noch immer ist kein Ende der Kämpfe abzusehen. Da treffen Gunther, Gernot und Giselher mit Etzel und Kriemhild zusammen und beteuern ihre Unschuld an dem Unheil. Sie beschwören, sie seien als Freunde gekommen und fordern freies Geleit. Etzel lehnt dies kategorisch ab. Eine friedliche Lösung scheint nicht in Sicht.

Die zornige Kriemhild schaltet sich ein und spricht, dass sie die Brüder gegen Hagen als Geisel ziehen lassen wolle. Doch König Gunther händigt seinen Vasallen nicht aus. Die sprichwörtliche "Nibelungentreue" unter den Rittern wiegt stärker als Familienbande. Das muss die Königin zum zweiten Mal in ihrem wechselvollen Leben erfahren. Daraufhin erteilt sie den Befehl, den Palastsaal abzusperren und anzuzünden. Ein vernichtendes Feuer bricht aus und wütet viele Stunden lang. Der kaltblütige Hagen rät seinen Leuten, das Blut der Toten zu trinken, um bei Kräften zu bleiben. 600 Mann erleben den nächsten Morgen, als sich die Hunnen noch einmal zum Angriff formieren. Aus dem Festsaal ist längst ein Schlachtfeld geworden. (Aventüren 29-36)

Ein Ritter in Gewissensnot

Markgraf Rüdiger von Pöchlarn betritt den Schauplatz. Wie gerne würde er das Elend abwenden. Als Rüdiger dann aber vernimmt, wie ihn einer von Etzels Getreuen beschimpft, weil er bislang nicht gekämpft habe, tötet er den Lästerer mit einem Hieb. Von da an kann er sich nicht länger raushalten. Kriemhild kommt hinzu und fordert ihren Vasallen auf, seine bedingungslose Treue unter Beweis zu stellen, die er ihr einst schwor. Die Majestäten werfen sich ihm sogar flehend zu Füßen und offerieren ihm die Königswürde.

Rüdiger fürchtet zunächst um den Verlust seiner ritterlichen Ehre, seines reinen Gewissens und seiner Redlichkeit, wenn er die Burgunden bedrängt. Umso schwerer ringt er mit sich, da er Giselher seine Tochter versprochen hat. Ein Dilemma, denn entweder gilt Etzels Vasall als Hochverräter oder er muss gegen seine christliche Überzeugung handeln. Lieber würde Rüdiger all sein Hab und Gut hergeben und ins Elend ziehen als gegen die Burgunden anzugehen. Doch schließlich steht er zu seinem Eid, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Kriemhild ahnt, welche Konsequenzen Rüdigers Zustimmung bedeuten kann und bricht in Tränen aus. Dennoch unternimmt sie nichts, um die Eskalation der Gewalt einzudämmen.

Friedensangebote werden abgelehnt

Mit 500 Soldaten und zwölf Rittern tritt Rüdiger den Feinden vom Rhein entgegen. Bevor irgendetwas passiert, entschuldigt er sich wortreich, dass er sein Gelübde Kriemhild gegenüber erfüllen muss. Gernot warnt den Mutigen, ihn mit jenem Schwert zu erschlagen, das er von ihm als Geschenk erhalten hat. Auch Giselher mahnt, der Markgraf möge doch an Frau und Tochter denken, die doch seine Verlobte sei. Als Rüdiger dem kampfbereiten Hagen dann noch seinen eigenen Schutzschild schenkt, beginnen die anwesenden Ritter zu weinen. Selbst der eiskalte Hagen verbirgt seine Gefühle nicht. Er versichert, dass er nie gegen Rüdiger Hand anlegen wolle, selbst wenn dieser alle Burgunden erschlüge. Im anschließenden Waffengefecht halten sich Gunther, Hagen und Volker tatsächlich vom Heerführer der Hunnen fern, der im Verlauf des Scharmützels unzählige Gegner niederstreckt. Als Kriemhilds "Soldat" schließlich mit Gernot zusammentrifft, töten sich die beiden Männer gegenseitig. Rüdigers Schicksal ist erfüllt.

In 206 Versen schildert der Dichter den letzten Akt des Dramas, in dem die Burgunden den Soldaten des Dietrich von Bern gegenüber stehen. In jenem Kampf verlieren schließlich auch die Edelmänner Giselher und Volker ihr Leben, ebenso das gesamte Heer des Königs von Bern. Nur sein getreuer Freund Hildebrand überlebt das Desaster. Fassungslos über die große Not auf beiden Seiten rüstet sich nun auch Dietrich und tritt vor Hagen und Gunther. Er wirft ihnen das Unrecht vor, das sie Rüdiger und seinen Soldaten angetan haben. Er fordert sie auf, sich als Geisel nehmen zu lassen. Wenn sie seiner Aufforderung folgten, würde er sie sicher an den Rhein zurück geleiten. Dafür garantiere er mit seinem Leben. Doch die Fürsten aus Worms wollen davon nichts hören.

"Hier hat die Mär ein Ende"

Nach heftigem Wortwechsel überwindet Dietrich zuerst seinen Gegner Hagen im Zweikampf und verwundet ihn schwer. Königin Kriemhild ist selig und lässt Gunthers Vasallen in ein Haftgemach bringen. Auch ihr Bruder wird von Dietrich überwältigt und in eine Kammer mit Hagen gelegt. Als sich dieser hartnäckig weigert, der triumphierenden Herrscherin den Nibelungenhort wieder zu beschaffen, und auch keine Reue wegen des Mordes an Siegfried zeigt, lässt Kriemhild Gunther enthaupten.

Den Kopf präsentiert sie dem Helden von Tronje, der seinen Schmerz nicht verhehlen kann. Er beschimpft die Regentin als Teufelin, woraufhin sie Siegfrieds Schwert Balmung ergreift und dem verhassten Mann den Kopf abschlägt. König Etzel steht fassungslos da, während Dietrichs Vertrauter Hildebrand seine Waffe ergreift und Kriemhild in "Stücke haut". Die wenigen Überlebenden klagen und jammern über die vielen Toten - ein Bild des Grauens: "Mit Leid war beendet des Königs Festlichkeit." Den Schluss des Epos verkünden acht Zeilen:

"Ich kann euch nicht bescheiden, was später nun geschah. Die Christen und die Heiden man weinen da sah, Weiber und Knechte und manche schöne Maid. Die trugen um ihre Freunde das allergrößeste Leid.

I ch sage euch nicht weiter von der großen Not - Die da erschlagen waren, die lasset liegen tot - was das Geschick den Hunnen fürderhin beschied. Hier hat die Mär ein Ende. Das ist der Nibelunge Lied."
(Aventüren 37-39)

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