Weiter nach Süden

Der Handel mit den Arabern

Viele Wikinger wollten weiter nach Süden, dem Silber entgegen. Ein natürliches Hindernis versperrte den Weg: die transkontinentale Wasserscheide. Die tonnenschweren Boote mussten über Land zum nächsten Fluss, der südwärts fließt, geschafft werden.

Trotz mitgenommener Transportkarren sind die Nordmänner oft tagelang mit der Schlepperei beschäftigt, meist durch unwegsames Gelände. Die einzigen Straßen im Russland jener Tage sind eben die Wasserstraßen.

"Groß wie Dattelpalmen"

Der verlockende Reichtum lässt sie trotz aller Strapazen weiter nach Süden vordringen. Der arabische Reisende Ibn Fadlan berichtet von den Männern aus dem Norden, die er 921 am Hofe des Khans der Wolgabulgaren kennenlernte.

Die Araber machten Geschäfte mit den Nordmännern. Jagdfalken standen ganz oben auf ihrer Einkaufsliste. Gut ausgebildete Falken brachten ein Vermögen. Schon damals zahlten die Herren in Bagdad und Damaskus Liebhaberpreise für die schnellen, schönen Jäger. In der arabischen Poesie werden die Pelze aus den Wäldern Russlands hymnisch besungen. Die Händler konnten gar nicht genug Zobel, Hermelin, Luchs in den fellvernarrten Orient liefern. Auch das, eine "Silberquelle" für die Wikinger.

Runen als Besitzzeichen

Je weiter die Wikinger ihre Waren aus dem Norden in den Süden transportieren konnten, desto höher stieg der Preis. Eine Silberwaage gehörte deshalb zur Standardausrüstung der Handelsmänner aus Skandinavien. Als Besitzzeichen ritzten sie ihre Runen in die Silberbarren. Barren und arabische Münzen waren die am weitesten verbreitete "Währung" des Ostens. Doch auch wertvolle Schmuckstücke, wie byzantinische Schalen, wechselten den Besitzer und wurden umgehend nordisch "verziert". Entdeckt wurde das Beweisstück für die Verbindung Byzanz-Ostsee in der heutigen Ukraine, in Tschernigow. Dem Archäologen Volodymyr Kowalenko war der Aufsehen erregende Fund gelungen.

Zur Zeit arbeitet die Mannschaft Kowalenkos in einem Wald in der Nähe von Tschernigow. Die Reste eines Militärlagers kommen im sandigen Boden zum Vorschein. In der von Gräben und Wällen gesicherten Garnison lebten nach neuesten Grabungsergebnissen mindestens 500 Wikinger.

Zerstreute Zweifel

Die Hamburger Archäologin Renate Rolle will von ihrem Kollegen wissen, warum er so sicher ist, dass es sich tatsächlich um Nordmänner handelt. Eine Flöte mit Runeninschrift ist der erste Beweis Kowalenkos. Die Zweifel der deutschen Professorin sind endgültig zerstreut, als er einen Fleischspieß präsentiert. "Vom gleichen Typus wie er auf dem Teppich von Bayeux dargestellt ist" sagt er selbstsicher. Vor Jahren hätte er sich mit solch einem Vergleich zum Wikingerbildteppich noch Lehrverbot oder gar Gefängnis einhandeln können.

Unweit der Wallanlagen befindet sich ein Gräberfeld. Die ukrainischen Archäologen untersuchen eine Frauenbestattung - und finden Seltsames: Neben einer skandinavischen Gürtelschnalle liegt ein slawischer Schläfenring im Grab. Haben sich die Kulturen schon frühzeitig vermischt? Unter der Vorherrschaft der Wikinger? Kowalenko nutzt die neue "Gedankenfreiheit":

Sklavinnen als Handelsware

Das "grenzenlose" Land nutzten die Nordmänner aber auch, um ihren berüchtigten menschen- und vor allem frauenverachtenden Raubzügen nachzugehen. Blonde, weißhäutige Sklavinnen waren nach Pelzen, Falken und Bernstein ein geschätzter Handelsartikel bei den orientalischen Käufern. Sie prüften die "Ware" streng. Schließlich war der Transport zum "Endverbraucher" weit und kostspielig. Am Ende der Verhandlungen bekamen die Wikinger meist was sie wollten: Silber.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet