Weitere Expeditions-Ziele

Die Besteigung des Mount Coropuna ist das ursprüngliche Ziel

Schon am Tag nach der Entdeckung von Machu Picchu setzen die Forschungsreisenden ihren Weg durch das Urubambatal fort. Hiram Bingham hat sich für die Expedition zum Ziel gesetzt, die letzte Zuflucht der Inka zu finden, und er geht davon aus, dass es Machu Picchu nicht sein könne. Das Hauptziel bleibt aber die Besteigung des Mount Coropuna.

Gipfel des Mount Coropuna Quelle: ZDF

Tiefer im Canyon biegt die Gruppe um Bingham in das unwegsame Vilcabamba-Tal ein. Dort sollen die Inka den Spaniern noch vierzig Jahre Widerstand geleistet haben. Und tatsächlich - in Espiritu Pampa, der so genannten 'Geisterebene' wird der Hans im Glück der Archäologie fündig. Doch verglichen mit Machu Picchu sind die Ruinen von Vilcabamba weniger imposant. Bingham ist unsicher.

Falsche Schlussfolgerung

Spätere Forschungen bestätigen eindeutig, dass Vilcabamba in der Geisterebene lag. Aufgrund seines ersten Eindrucks vor Ort zieht Bingham allerdings die falsche Schlussfolgerung. Er glaubt nun doch Machu Picchu sei der letzte Rückzugsort der Inka gewesen. Erst späteren Expeditionen gelingt es, die ganze Größe von Vilcabamba freizulegen.

Karte Machu Picchu Quelle: ZDF

Nach Machu Picchu kehrt Bingham nicht mehr zurück, obwohl er auf dem Weg nach Cuzco daran vorbeikommt. Stattdessen schickt er Herman Tucker und seinen Assistenten Paul Baxter Lanius auf den "Alten Gipfel". Sie befreien die Inkaruinen binnen drei Wochen von der alles überwuchernden Vegetation. Zur Unterstützung heuern sie die Bauern Arteaga, Alvarez und auch Lizarraga an. Gemeinsam vermessen sie die Gebäude und Mauerreste. Mit den Daten wird eine Karte erstellt, die noch heute die Grundlage aller kartographischen und baukundlichen Darstellungen Machu Picchus bildet.

Mehr tot als lebendig

Bingham widmet sich unterdessen der Vorbereitung des ursprünglichen Ziels der Expedition von 1911: die Besteigung des Mount Coropuna. Unter größten Anstrengungen, mehr tot als lebendig, bezwingen Bingham und Tucker am 15. Oktober den Mount Coropuna, den sie noch für den höchsten Gipfel der westlichen Hemisphäre halten. Doch oben angekommen, erscheint der Nachbargipfel höher zu sein. Und später wird sich herausstellen, dass der Aconcagua in Argentinien der höchste Berg des amerikanischen Kontinents ist.

Bingham auf dem Mount Coropuna Quelle: ZDF

1912 findet eine zweite Forschungsreise nach Machu Picchu unter Binghams Leitung statt. Die Ausgrabungen betreut George Eaton. Der Osteologe soll mögliche Knochenfunde untersuchen. Bingham selbst plant nur einen Aufenthalt von zwei Wochen für Fotoarbeiten. Er hat sich bereits neue Ziele in Peru gesetzt. Das letztlich Machu Picchu die Entdeckung sein wird, die ihn berühmt macht, hat er immer noch nicht realisiert.

Gewaltige Erwartungen

Was wird das Team unter der verlassenen Inka-Stadt finden? Gold, Silber? Die Erwartungen sind gewaltig. Doch die Funde sind enttäuschend: Ton, Bronze, einige wenige Silberstücke und - Skelette. Der kühne Osteologe Eaton versteht es, nach Binghams Gusto zu arbeiten. Er lokalisiert 50 Grabstätten mit etwa 160 Skeletten. Wieder in die Staaten zurückgekehrt, anaylsiert Eaton die Knochen. Er kommt zu einem Ergebnis, das für Schlagzeilen sorgen wird: Er identifiziert 85 Prozent der gefundenen Skelette als 'weiblich'.

Analyse der Knochenfunde Quelle: ZDF

Bingham und Eaton folgern daraus: "Es scheint gut möglich, dass die vergessene Zitadelle von Machu Picchu der sicherste Platz für die Zuflucht der Sonnenjungfrauen war". Die Sonnenjungfrauen gehörten im Verständnis der Inka der göttlichen Sonne, aber auch ihrem Statthalter auf Erden,dem obersten Inka, für den sie sangen, kochten und webten. Beamte wählten im ganzen Reich die schönsten unter den zehnjährigen Mädchen aus, um sie nach Cuzco zu bringen, in den Tempel der Sonnenjungfrauen. An dessen Stelle steht heute das Nonnenkloster St. Catalina.

Überraschendes Resultat

Die Skelette, die 1912 in Machu Pichu entdeckt wurden, lagern gut erhalten im Archiv der Yale Universität. John Verano hat die Knochen ein zweites Mal untersucht. Er gelangt zu einem überraschenden Resultat, das die Ergebnisse der Bingham Expedition in Frage stellt.

Bingham und Eaton leisteten sich einen weiteren Irrtum. In der Nähe von Cuzco entdeckte der Expeditionsleiter Knochen. Eaton schätzt ihr Alter auf 30.000 Jahre: ein Eiszeitmensch. Später stellt sich heraus, dass es sich lediglich um die Überreste eines Hausrindes handelte. Auch die Interpretation Machu Picchus fällt Bingham schwer: Den Tempel mit den drei Fenstern sieht er als mythologischen Ursprungsort der Inka. Neue Analysen des Architekturstils zeigen jedoch, dass Machu Picchu um 1450 erbaut wurde - lange nach der Gründung des Reiches um 1200.

Drei Fenster in der Wand Quelle: ZDF

Wie einst Columbus

Bingham beschäftigt zudem, ob er tatsächlich als Entdecker der atemberaubenden Inkastadt gelten darf. Aus Peru zurückgekehrt, verfasst er 1912 einen Brief an seinen ehemaligen Lehrer in Honolulu: "Ich nehme an, dass nach der selben Bedeutung der Worte 'Columbus entdeckte Amerika' es nur fair ist zu sagen, dass ich Machu Picchu entdeckt habe. Die französischen Fischer erreichten Nordamerika ohne Zweifel lange bevor Columbus den Atlantik überquerte. Auf der anderen Seite war es Columbus, der Amerika der zivilisierten Welt bekannt machte. In diesem Sinne habe ich Machu Picchu entdeckt."

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