Welcher Fisch darf auf den Teller?

Worauf man als Verbraucher achten sollte

Fisch ist ein wichtiges Nahrungsmittel, doch weltweit gehen die Bestände zurück. Wer die Meeresressourcen schützen will, sollte auf so manche Fischart lieber verzichten. Der folgende Leitfaden zeigt, woran sich Verbraucher beim Einkauf und im Restaurant orientieren können.

In den Ozeanen sind mittlerweile diverse Arten überfischt - es werden mehr Fische gefangen als auf natürliche Weise wieder nachwachsen. Die Gründe reichen von der steigenden Nachfrage über fehlende oder unzureichende Fangquoten und illegale Fischerei bis zum Klimawandel, der die Nahrungskette aus dem Gleichgewicht bringt. Auch der Beifang ist ein Problem: Von den unbeabsichtigt mitgefangenen Meerestieren, etwa Jungfische, Schildkröten oder Haie, überleben nur wenige den Rückwurf ins Wasser. Die Fischerei mit bestimmten Grundschleppnetzen, die oft besonders viel Beifang erzeugt, zerstört zudem den Meeresboden.

Orientierung durch Einkaufsratgeber


Wer Fisch kauft oder im Restaurant bestellt, sollte dabei also den Bestand der Fischart, das Fanggebiet und die Fangmethode berücksichtigen. Zur Orientierung haben die Umweltorganisationen Greenpeace und WWF Einkaufsratgeber entwickelt, die die in Deutschland am meisten verzehrten Fischarten nach Gefährdung kategorisieren. Der WWF stuft die Arten nach Ampelfarben in rot (lieber nicht kaufen), gelb (zweite Wahl) und grün (gute Wahl) ein, Greenpeace unterteilt in vertretbar/nicht vertretbar.

Beide Organisationen differenzieren jedoch nicht nur nach Fischarten sondern auch nach einzelnen Beständen in verschiedenen Fanggebieten. "Das müssen die Ratgeber leisten", sagt Fischerei-Experte Christoph Stransky im Interview mit dem ZDF, "denn zum Beispiel entwickelt sich der Kabeljau-Bestand in der Nordost-Arktis positiv, während er in der Nordsee unzureichend ist."


Mit gutem Gewissen essen kann man den Ratgebern zufolge Fische wie Zander aus Westeuropa, Karpfen (Deutschland) oder Bio-Pangasius (Vietnam). Vom Konsum von Arten wie Hai (weltweit), Seezunge (weltweit) und Aal (Europa) raten beide Verbände hingegen ausdrücklich ab.

Wer sich noch gründlicher informieren möchte, kann sich die Entwicklung einzelner Bestände auf der Website Fischbestände Onlineansehen, welche die Bundesforschungseinrichtung Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) regelmäßig aktualisiert. Hier sind allerdings nur die sieben nach Meinung des vTI für den deutschen Markt bedeutendsten Fischarten aufgeführt.

Die wichtigsten Gütesiegel

Neben den Einkaufsratgebern kann sich der Verbraucher an verschiedenen Gütesiegeln orientieren. Es gibt solche für wild gefangenen Fisch und Siegel für Fisch aus der Zucht, sogenannte Aquakulturen. Der WWF rät dazu, auf folgende Siegel zu achten:



Das bekannteste Label für Wilfisch ist das Siegel des Marine Stewardship Councils (MSC). Es wurde von WWF und dem Konsumgüterkonzern Unilever gegründet, ist jedoch seit 1999 unabhängig. Das MSC-Siegel steht nach eigenen Angaben für eine unabhängig geprüfte, umweltschonende Fischerei. Es bewertet die Situation des Fischbestands, die Auswirkungen des Fischfangs auf das Ökosystem und das Fischerei-Management.


Greenpeace und einige weitere Organisationen halten die Vorgaben des MSC allerdings für zu lasch. So kritisiert Greenpeace unter anderem, dass bestimmte MSC-zertifizierte Fischereien schwere Grundschleppnetze verwenden oder Langleinen einsetzen, die Seevögel töten. Der WWF und der MSC weisen die einzelnen Kritikpunkte dezidiert zurück.

Greenpeace mit Vorbehalten

Bei Fisch aus Aquakulturen verweist der WWF auf die Siegel der Öko-Verbände Bioland und Naturland, denn auch die Zucht kann zur Überfischung beitragen - etwa, wenn die Zuchtfische mit wild gefangenem Fisch gefüttert werden. So schreibt Naturland unter anderem zertifiziertes Öko-Futter und artgerechte Besatzdichten vor und verbietet den Einsatz von Chemikalien. Auch der MSC entwickelt derzeit ein Siegel für Zuchtfisch: Das Aquaculture Stewardship Council (ASC) soll 2011 auf den Markt kommen.
Greenpeace bezeichnet die Siegel als "Schritt in die richtige Richtung", ist jedoch der Meinung, dass keines der existierenden Zertifikate uneingeschränkt zu empfehlen ist. Als weitere Hilfestellung für den Verbraucher vergleicht der Umweltverband jährlich die Einkaufspolitik verschiedener Supermärkte bei Fisch.


Die Meinungen der Organisationen gehen also auseinander. Inwieweit er sich an den Gütesiegeln orientiert, die Einkaufsratgeber der Umweltverbände zur Hilfe nimmt und sich über die Entwicklung der verschiedenen Fischbestände informiert, muss letztlich jeder Verbraucher für sich entscheiden.

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