Welt der Geister

Schamane als Mittler

Als Schamane des Yanomami-Volkes kennt Davi nicht nur die Wirkung von Pflanzen, sondern ist auch Mittler zwischen dem Dies- und dem Jenseits. Von dort bekommt er die eigentliche Kraft und Energie, Kranke zu heilen.

Die Yanomami arbeiten zusammen mit den Hekura, so genannten Hilfsgeistern, die gleichzeitig in der Brust des Schamanen, aber auch in den Wäldern der Geisterwelt leben. Sie werden aktiviert durch eine bewusstseinserweiternde Droge, die aus verschiedenen Pflanzen hergestellt und zunächst wie Schnupftabak eingenommen wird. Später bläst man sie direkt durch die Nase in den Kopf.

Visionäre Reise

Da jede Krankheit in der Überzeugung der Yanomami durch einen Hekura ausgelöst wird, kann sie auch nur durch ihn wieder genommen werden. Die Hekura treten immer in Tierformen auf, und auch die Schamanen werden während des Rituals zu Tiergeistern. Ein Kranker hat ein Nierenleiden, für die Yanomami heißt das: Der Geist der stachellosen Schakibiene hat ihm die Nieren mit schwarzem Wachs verstopft. Er muss in der "anderen" Welt aufgespürt und bekämpft werden. Dafür begeben sich die Schamanen auf eine nicht ungefährliche, visionäre Reise, auf der ihnen viele andere Tiergestalten begegnen. Dabei werden sie mit negativer Energie konfrontiert, die schnellstens beseitigt werden muss. Je mehr sie von der Droge nehmen, desto tiefer dringen sie in die Geisterwelt ein.

Die Welt der Geister ist ein Spiegel des Diesseits. Auch dort gibt es Wälder, die von den unterschiedlichsten Wesen bewohnt werden. Der mächtigste aller Hekura, dem man auf so einer Reise begegnen kann, ist der Jaguar. Wer mit seiner spirituellen Kraft verschmilzt, hat die Stärke, den Geist jeder Krankheit zu besiegen. Der Kampf beginnt. Der Geist der Schakibiene wird eingeschüchtert und geschlagen. Der Jaguar hat den Schamanen ungeahnte Energien verliehen. Mit vereinten Kräften schaffen sie es, die Krankheit aus dem Körper des Patienten herauszuziehen.

Macht über die Hekura

Alle Schamanen hier sind Absolventen einer Schamanenschule und haben ihr Wissen in einer mehrjährigen Ausbildung erworben. Jeder kann diese Fähigkeit erlernen, aber nur wenigen gelingt es, die Macht über die Hekura, die Hilfsgeister, auch zu behalten. Ist der Geist der Krankheit besiegt, wird er von dem Kranken möglichst schnell weggetragen. Symbolisch führen ihn die Schamanen an einem Stöckchen zur Mitte der Malocka, die als neutraler Bereich gilt. Dort legen sie ihn behutsam ab. Anschließend entfernen sie sich möglichst unauffällig, damit der Geist ihnen nicht mehr folgt.

Dem alten Mann geht es besser. Anlass für ein Fest, zu Ehren der Hekura. Alle machen sich hübsch. Ein Dankeschön für die Waldgeister, die ihre Kraft den Schamanen zu Verfügung gestellt haben. Die schwarze Farbe, ein Gemisch aus Holzkohle, Erde und Wasser, wird eigentlich für Kriegsbemalung verwendet, doch in Kombination mit weißem Geierflaum gilt sie als festliches Gewand. In einer Art Festzug geht es zurück in die Malocka. Hier findet der Höhepunkt des Festes statt. Fast alle Urvölker sorgen mit solchen Dankeszeremonien für eine Ausgewogenheit zwischen ihrer Welt und dem unsichtbarem Reich. Kein Baum wird gefällt, kein Tier geschlachtet ohne eine Ehrerbietung an die Hekura.

Blut ist ein Tabu

Die roten Federn des Ara haben magische Kräfte und ermöglichen es, mit den Geistern in Verbindung zu treten. Um an diese Federn zu gelangen, benutzen die Yanomami-Pfeile mit stumpfer Spitze, damit die Vögel nicht verletzt werden. Denn kommt die Feder mit Blut in Berührung, verliert sie ihre Kraft. Blut ist ein Tabu.

Die Yanomami haben eine alte Legende. Pelibo, der Mond, kam herunter auf die Erde und stahl ein Termitennest, um es zu verspeisen. Götter und Geister schossen mit Pfeilen auf ihn, bis Oman ihn schließlich in die Mitte des Leibes traf und sein Blut auf die Erde tropfte. Dieses Blut verwandelte sich in die ersten Menschen, die Yanomami.

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