Welt der Götter

Königin der Karawanen – Das Geheimnis von Saba

In den Heiligtümern verehrten die Menschen eine Vielzahl von Göttern. An der Spitze des südarabischen Olymps thronten drei Gestirne.

Die "Moschee des Salomon", wie die Säulenhalle in Marib im Volksmund genannt wird, ist längst nicht mehr in Funktion. Angebaut an viereckige Pfeiler, die am Fuße des Ruinenhügels standen, stützten sie einst das Dach eines sabäischen Tempels. Die Sabäer verehrten hauptsächlich drei Götter. Gott Athtar stand für die Venus, den Morgen- und Abendstern und war Garant für ausreichend Wasser. Die Göttin Schams wurde von der gleißenden Sonne symbolisiert. Sie brachte Fruchtbarkeit für Mensch und Tier. Die schöne Bilquis, so schreibt der Koran, war eine glühende Anhängerin des Sonnenkults. In Hymnen priesen die Menschen den strahlenden Himmelskörper.

Der oberste Gott

Der stierköpfige Mondgott Almaqah führte als Oberster den Reigen der himmlischen Wesen an. Seine Hörner waren ein Abbild der Mondsichel. Auch im Kopfschmuck des Steinbocks sahen die Sabäer das Zeichen Almaqahs. Inschriften erzählen, das gottgleiche Wesen sei in speziellen Gehegen untergebracht. Die Jagd auf den Steinbock war für die Könige eine heilige Pflicht. Es war ein Fruchtbarkeitsritual für den jährlichen Regen. Die Einheimischen weihten ihrem verehrten Gott prunkvolle Kultstätten. Der Awam-Tempel von Marib ist heute unter Sand begraben. Um 1950 gelang es zwar Archäologen, die Anlage kurzzeitig von den Meter dicken Schichten zu befreien, doch jetzt sind nur noch Säulen und die Umrisse der Mauern zu erkennen. Der so genannte "Thron der Bilquis" ist heute das Nationalsymbol.

Reise ins Jenseits

Bis vor wenigen Jahren waren keine sabäischen Friedhöfe bekannt. Der Friedhof des Awam-Tempels ist der erste, der ausgegraben wurde. Die Totenstadt aus mehrstöckigen Mausoleen wurde immer wieder überbaut. Plünderer haben fast alle Gräber schon in der Antike ausgeraubt. Über 1.000 Jahre lang ließen sich wohlhabende Sabäer an dem geweihten Ort bestatten. Sie glaubten an ein Leben nach dem Tod. Die Reise ins Jenseits trat der Verstorbene mit einer kostbaren Aussteuer an: mit Miniausgaben von Alltagsgegenständen wie Trinkbecher, Schminkgefäße oder Weihrauchbrenner. Aber auch kleine Grabreliefs mit szenischen Darstellungen haben die Archäologen in der Nekropole bei Marib ans Tageslicht gebracht.

Spuren des Opferritus

Die Mauern in Sirwah sind mit Friesen aus stilisierten Steinböcken geschmückt. Überall auf dem weitläufigen Gelände stießen die Ausgräber auf das Wahrzeichen des Staatsgottes Almaqah. Im Tempelbezirk wurden Knochen von Rindern und Ziegen gefunden, die vor Jahrtausenden geopfert worden waren. Nach der heiligen Handlung verspeisten die Sabäer das Fleisch bei rituellen Mahlzeiten. Erbauer des Heiligtums war König Yadar Il Darih. Er war zugleich der oberste Priester. Sein Titel war Mukarrib, "der Einiger". Damals durften nur Würdenträger in das Innere des Tempels. Viele Riten der Sabäer sind noch immer wie ein Buch mit sieben Siegeln. Fest steht: Der göttliche Herrscher vermittelte zwischen dem himmlischen Wesen und den Pilgern aus allen Winkeln des Reiches.

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