Wetterbarriere Alpen

Temperaturanstieg bedroht das "Ewige Eis"

Was unseren Planeten so einzigartig macht ist seine Atmosphäre. Eine hauchdünne Schicht, die eigentliche Wettermaschine. Noch nie war unser Planet so dicht besiedelt und waren so viele Menschen vom Wetter abhängig wie heute. Genau das kann eine Wetterkatastrophe zum Supergau machen - auch in Mitteleuropa. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Alpen.

Wetterscheide Alpen
Wetterscheide Alpen Quelle: ZDF

Die Alpen sind eine einzigartige Gebirgswelt, die vor 35 Millionen Jahren durch gewaltige geologische Vorgänge entstanden sind - und immere noch andauern. Noch immer wachsen die Alpen jedes Jahr um einen Zentimeter, aber Wetterkräfte wirken dem mit gleicher Macht entgegen. Verwitterung und Wachstum halten sich die Waage. Während die Gipfelregionen weitgehend unberührt bis in 4000 Meter Höhe ragen, sind die Täler und Hänge dicht besiedelt. 14 Millionen Menschen leben in den Alpen. Das gibt es in keiner anderen Hochgebirgsregion der Welt.

750 Kilometer langer Riegel

Das Wetter in den Alpen folgt eigenen Gesetzen: urplötzlich kann es umschlagen und auf kleinstem Raum völlig unterschiedlich sein: während es in einem Tal regnet, strahlt ein paar Kilometer weiter die Sonne. Der Grund: die geographische Ausrichtung der Alpen. 750 Kilometer lang ist der "Alpenriegel" und er verläuft exakt auf einer Ost-West-Achse. Das macht ihn zu einer Wetterbarriere, die das Wetter in ganz Europa massiv beeinflusst. Die Berge blockieren nicht nur kalte Nordwinde und warme Südluft, sie lenken dazu alle Luftmassen je nach Anströmwinkel in neue Bahnen. Das beeinflusst vor allem die Niederschlagsmengen.

Normalerweise harmonieren das Wetter und die Erdoberfläche miteinander und wir nehmen diese Kräfte gar nicht so wahr. Verlässt das Wettergeschehen aber die Norm, bekommen wir diesen enormen Kräften deutlich zu spüren. Im Jahr 2007 gab es vor allem im Süden eine extreme Dürre. Ein Jahr zuvor war es genau umgekehrt. Hier führten extreme Winterstürme mit der Schneeschmelze und mit nachfolgendem Regen zu Überflutungen, die weite Teile Osteuropas beeinflusst haben.

Kompliziertes Zusammenspiel

Entstehung von Wolken
Entstehung von Wolken Quelle: ZDF

Maßgeblich für die extremen Wetterunterschiede ist dabei vor allem, wie viel Feuchtigkeit die nach Europa strömenden Luftmassen mitführen. Die Weichen dafür werden über dem Atlantik gestellt. Ein kompliziertes Zusammenspiel aus Sonneneinstrahlung, Wasser- und Lufttemperatur entscheidet über den Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Während die Luft auf ihrem Weg nach Europa über den Atlantik streicht, nimmt sie verdunstendes Wasser auf. Wenn der unsichtbare Wasserdampf an Myriaden winziger Staubpartikeln zu Tröpfchen gefriert, wird er sichtbar - dann bilden sich Wolken. Der Wind trägt die feuchte Luft weiter bis aufs europäische Festland. Erst wenn sie abkühlt, fällt die in ihr gespeicherte Feuchtigkeit als Regen. Die am Himmel ziehenden Wolken sind eigentlich riesige Wasserströme, genauso gewaltig wie der Rhein oder die Donau.

Wetterkarte
Wetterkarte Quelle: ZDF


Obwohl wir seine Abläufe heute besser kennen, bleibt das Wetter unberechenbar. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und der Luftdruck bestimmen die jeweilige Wetterlage. Ein Tiefdruck-System entsteht dort, wo warme, feuchte Luft von der Erdoberfläche in die Höhe steigt und dabei abkühlt. Dadurch bilden sich Wolken, die Regen bzw. Schnee mitführen. Sinken Luftmassen auf die Erde ab, erwärmen sie sich, die Wolken lösen sich auf. Dann sprechen Meteorologen von einem Hoch. Im Sommer bringt es warmes Wetter ohne Niederschläge - im Winter trockene, eisige Kälte. Für Mitteleuropa sind vor allem das Azorenhoch und das Islandtief - benannt nach ihrem jeweiligen Entstehungsort - wetterbestimmend. Sie beeinflussen auch, wie schneereich ein Alpenwinter wird.

Extremsommer als Gefahr

Alpenwinter
Alpenwinter Quelle: ZDF


In einem normalen Winter geht in den Bergen gerade so viel Schnee nieder, dass bei der Schneeschmelze im Frühjahr das Wasser über die Gebirgsbäche in geregelten Bahnen abfließt. Es speist die Flüsse des Voralpenlandes. Ein eingespielter Vorgang, auf den sich Mensch und Natur eingerichtet haben. Doch extrem trockene, schneelose Winter haben zu Folge, dass die Gewässer im Frühjahr trocken bleiben. Der Wasserkreislauf gerät aus dem Gleichgewicht. Für das alpine Hochgebirge bedeutet die lang anhaltende, kräftige Sonneneinstrahlung eine ernste Gefahr: das "Ewige Eis" droht abzuschmelzen. Eine Situation, die es bereits schon einmal im Extremsommer 2003 gab.

Seit Jahrzehnten werden an der Universität Zürich, Zentrum weltweiter Gletscherforschung, Veränderungen analysiert und erforscht. Professor Häberli und seine Kollegen haben eine Gletscherdatenbank angelegt, die Erschreckendes zeigt: Ein Großteil des ewigen Eises ist deutlich kleiner geworden. Viele Gletscher bereits auf ein Fünftel geschrumpft, einzelne sogar völlig verschwunden. Das legt Gesteinsmassen frei, die keinen Halt mehr haben. Es kommt zu Gerölllawinen - eine ernste Gefahr für die Alpentäler. Die Züricher machen 2003 eine weitere Entdeckung: bei Wetterextremen schmelzen die Gletscher viel schneller.

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