Wettlauf zu den Quellen des Nil

Die Entdecker des 19. Jahrhunderts

Vor 150 Jahren war das Innere des afrikanischen Kontinents ein großer weißer Fleck auf der Weltkarte. Das änderte sich, als die Kolonialmächte Expeditionen durch Dschungel und Sümpfe auf den Weg schickten, um die Quellen der großen Flüsse zu erkunden. Sie hofften, dadurch unter anderem Zugang zu wertvollen Bodenschätzen zu erlangen. Forschungsreisende und Abenteurer, die sich ins Herz Afrikas vorwagten, trieb die Aussicht auf Ruhm und Reichtum an.

Die Afrika-Expedition von Speke und Burton in der Savanne
Die Afrika-Expedition von Speke und Burton in der Savanne Quelle: ZDF

Seit der Antike beschäftigte Herrscher und Gelehrte eine Frage: Wo entspringt der Nil, die Lebensader Afrikas, an dessen fruchtbaren Ufern einst die Hochkultur Ägyptens entstand? Auf Schiffen konnte man nicht bis zu seinen Quellflüssen gelangen. Denn südlich von Assuan machen gewaltige Stromschnellen die Weiterfahrt gegen die Fließrichtung unmöglich. Um den Oberlauf des Nil zu erforschen, musste man sich ihm von der Küste Ostafrikas nähern.

Die Expedition von Burton und Speke Quelle: ZDF

Zwei Briten auf Expedition

Das Thema gewann an Brisanz, als Mitte des 19. Jahrhunderts der Wettlauf der europäischen Nationen um Kolonialgebiete in vollem Gange war. 1857 stattete die britische Royal Geographical Society eine aufwendige Expedition aus. Sie hatte den Auftrag, das Herz Afrikas zu erkunden und das Rätsel um die Quelle des Nils zu lösen. Der sprachgewandte Richard Burton, der schon lange in Ägypten gearbeitet hatte, und der Abenteurer John Speke machten sich im Namen der Krone mit 120 Trägern auf den Weg.

Doch bald zeigte sich, dass Burton und Speke weniger Partner als vielmehr harte Konkurrenten auf dieser Expedition waren. Von Bagamoyo an der Ostküste, das der Insel Sansibar gegenüber liegt, durchwanderten sie zunächst dichte Wälder mit noch völlig unbekannten Pflanzen und Tieren. Beißende Ameisen, Tsetsefliegen, Skorpione und andere Plagen machten die Expedition zeitweise zur Höllentour. Nach dem feuchten Regenwald erwartete die Expeditionsteilnehmer brüllend heiße Savanne.

Ein See - und keine Quelle

Die Reiseroute führte ins Ungewisse, sie folgten ihr in der Hoffnung, bis zu den Quellen des Nils vorzustoßen. An guten Tagen schafften sie 15 Kilometer - meistens waren es weniger. Nach acht Monaten und 940 Kilometern erreichte der Expeditionstrupp, geschwächt und von Malaria geplagt, das Ostufer des lang gestreckten Tanganikasee. Für Burton, der sich am Ende seiner Kräfte befand, war klar: Er hatte es geschafft, er war am Ziel seiner Träume. Von hier musste das Wasser des Nils kommen. Doch seine Erwartungen wurden enttäuscht - sie fanden zwar einen kleinen Zufluss des Sees, aber keinen Abfluss.

John Speke bei seiner Expedition in Afrika (Spielszene)
John Speke, Afrika-Entdecker Quelle: ZDF


Während Burton entschied, zunächst einmal am Tanganikasee zu Kräften zu kommen, wollte Speke noch nicht aufgeben. Von arabischen Händlern, die schon lange Geschäfte in der Region machten, hörte er, dass es weiter im Norden einen viel größeren See gebe. Waren sie doch noch nicht am Ziel? Der Abenteurer Speke entschloss sich, weiter in das unbekannte Land vorzustoßen. Sein fiebernder Konkurrent Burton blieb zurück.

Speke triumphiert

John Speke hatte die richtige Entscheidung getroffen: Nach vier Wochen gelangte er an das Ufer eines riesigen Sees. Er ignorierte den Namen, den die Einheimischen dem Gewässer gaben - Nyanza - und benannte es stattdessen nach seiner Königin: Viktoriasee. Zurück in England, stellte Speke seine Entdeckungen der Royal Geographical Society vor. Entgegen der Vereinbarung mit seinem ehemaligen Partner Burton präsentierte er die Ergebnisse der Expedition allein - und wurde dafür gefeiert. Burton sollte ihm das nie verzeihen.

Viktoriasee, Albertsee Quelle: ZDF

Noch mehrmals bereiste Speke die Region. 1862 kehrte er an den Viktoriasee zurück und begann das Nordufer gründlicher zu erforschen. Eingeborene hatten ihm von riesigen Wasserfällen auf dieser Seite des Sees erzählt. Und tatsächlich entdeckte er eines Tages eine Stelle, an der ein Fluss mit großem Getöse aus dem See stürzt: der Nil. Er fließt rund 6600 Kilometer durch Afrika, bis er ins Mittelmeer mündet. Der Ursprung der Lebensader ganz Ostafrikas war nun entdeckt.

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