Widerstände allerorten

Private Probleme, Verbote und Pannen gefährden das Projekt Schraubendampfer

Zur Gründung einer "Gesellschaft zum Betrieb von Dampfschiffen mit Schraubenantrieb" zwischen Triest und Venedig lassen Josef Ressel und sein Geldgeber Fontana einen Aufruf drucken. Doch William Morgan lässt sich dies nicht bieten. Ressels neuer Plan könnte Morgans Monopol in Gefahr bringen.

Ressel mit französischen Geschäftsleuten
Ressel mit französischen Geschäftsleuten Quelle: ZDF

Doch zunächst muss sich Josef Ressel mit privaten Problemen auseinandersetzen. Auf einer Dienstreise in Istrien erhält er die schreckliche Nachricht, dass seine Frau schwer erkrankt ist, und kehrt unmittelbar nach Triest zurück. Doch weder die Ärzte noch er selbst können Jakobine helfen. Sie stirbt mit Verdacht auf Tuberkulose. Ressel steht plötzlich mit seinen inzwischen drei Kindern alleine da. Kurze Zeit später stirbt auch seine kleine Tochter. Dazu häuft er Schulden an. Geld, das er für die medizinische Versorgung aufbringen musste.

Unantastbares Privileg von Morgan

Dazu bekommt er Ärger mit seinen Vorgesetzten. Die Polizei hat Ressels Aufruf zur Gründung einer Schiffahrtsgesellschaft beschlagnahmt. Er habe nicht der Zensur vorgelegen, heißt es. Ressels Vorgesetzter ist empört. Ein Beamter, der die Obrigkeit provoziert, ist ihm nicht genehm. Er verbietet Ressel jede weitere öffentliche Aktion. Wenig später erlässt die Kammer des Hofes ein Dekret, untersagt Ressel, die Linie Triest-Venedig zu betreiben und beruft sich auf das Privileg von William Morgan. Doch Ressel gibt nicht auf. Er muss das Dekret vom Tisch bekommen, sonst bleibt Fontana nicht als Finanzier im Boot.

Untermotorisiertes Versuchsschiff

Graf Saurau
Graf Saurau Quelle: ZDF

In Wien will Ressel den Leiter der Hofkanzlei Graf Saurau überzeugen, dass sich William Morgans Privileg nur auf Raddampfer bezieht, nicht aber auf Schraubendampfer. Graf Saurau willigt schließlich ein. Er stellt jedoch eine Bedingung: Das ganze Projekt solle vaterländisch sein, also müsse die Dampfmaschine in Österreich gebaut werden, und zwar im Werk des Barons Baldacci in der Steiermark. Ressel wollte lieber eine der Dampfmaschinen aus England. Diese sind seit Jahrzehnten zuverlässig und bewährt. Doch notgedrungen willigt er ein - ein fatales Zugeständnis, wie sich noch herausstellen sollte.Im Winter 1828/1829 macht der Bau des rund 20 Meter langen Versuchsschiffes für Ressels Schraube große Fortschritte. "Civetta" soll das Schiff heißen, rund 30.000 Gulden wird sie den Geldgeber Fontana kosten. Eine 6 PS Dampfmaschine soll der Antrieb sein, viel zu klein für die Größe des Schiffes, meint Ressel. Zur Sicherheit erhält die "Civetta" Masten. Sollte der Schraubenantrieb versagen, so kann Fontana das Schiff immer noch als Küstensegler einsetzen.

Bauplan Civetta
Bauplan Civetta Quelle: ZDF

Im März 1829 ist schließlich das Schraubenrad der "Civetta" fertig. Es misst 1,50 Meter im Durchmesser und ist aus einer Kupferlegierung gegossen. Ressel ist zufrieden. Er fühlt sich nahe am lang ersehnten Ziel, auch wenn die Dampfmaschine noch immer auf sich warten lässt. Diesmal soll die Schraube zwischen Rumpf und Ruder montiert werden. Nicht mehr vorne, was Ressel früher für besser hielt, sondern hinten. Ein Propeller am Bug saugt das Wasser an und beschleunigt es nach hinten, erhöht damit den Gegenstrom für den Schiffsrumpf. Sitzt er jedoch hinten, steigert der Nachstrom die Wirkung des Ruderblatts - eine perfekte Position, die bis heute so geblieben ist.

Naivität mit Folgen

Im April 1829 bricht Ressel nach Paris auf. Ein Agent namens Louis Bauer drängt ihn, seine Erfindung französischen Geschäftsleuten vorzustellen. Ressels Geldgeber Fontana unterstützt das Vorhaben. Er sieht eine Chance, das Patent im Ausland zu Geld zu machen, während man in Triest immer noch auf die Lieferung der Dampfmaschine wartet. In Paris läuft zunächst alles bestens. Ressel hat seinen Schraubenantrieb auf der Seine vorgeführt. Die französischen Geschäftsleute sind begeistert und wollen gleich die Pläne. Freudig händigt er sie ihnen aus.

Doch einen Vertragsabschluss hat der gutmütige Ressel dabei völlig vergessen. Er will, dass die ganze Welt von den Segnungen seiner Erfindung profitiert. Der französische Agent Louis Bauer teilt Ressel bald danach lapidar mit, seine Geschäftspartner würden die Erfindung als eigenes Patent für Frankreich und England vermarkten. Wenig später wird in London tatsächlich eine Schiffschraube zum Patent angemeldet. Die Zeichnung ist fast identisch mit der von Ressel. Der Text verweist auf einen Ideengeber aus dem Ausland, doch Ressel wird mit keinem Wort erwähnt.

Ressel liest in der Zeitung
Ressel liest in der Zeitung Quelle: ZDF

Unzuverlässige Dampfmaschine

In der Triester Werft wartet man Monate auf die Dampfmaschine aus der Steiermark. Im Frühsommer kommt endlich die Lieferung. Drei Monate brauchen die Mechaniker, um die Maschine zusammenzusetzen. Doch erste Probeläufe zeigen, dass sie nicht besonders zuverlässig ist. Zudem glaubt in Triest kein Geschäftsmann mehr an einen Erfolg von Ressels Schiffsschraube. Auch sein Widersacher Morgan war in der Zwischenzeit nicht untätig: ein zweites, viel schnelleres und bequemeres Raddampfschiff soll seine Linie noch attraktiver machen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet