Widerstand gegen eine Weltmacht

Kandake zwingt Römer zum Friedensvertrag mit Kusch

Nach Kleopatras Tod im Jahr 30 vor Christus wurde das Land am Nil zur römischen Provinz. Oktavian ließ sich als Held und neuer Pharao Ägyptens bejubeln. Die Herren vom Tiber waren plötzlich die nördlichen Nachbarn des Goldlandes Kusch, von dem es heißt, es werde von einer mächtigen Königin regiert.

Angriff der Krieger von Kusch Quelle: ZDF

Am 19. April 29 vor Christus, so lautet eine Inschrift, die auf der ägyptischen Insel Philae gefunden wurde, schlugen die Römer einen Aufstand bei Theben nieder, drangen nach Unternubien vor und errichteten dort ein Protektorat. Somit hatten sie das Dreißigmeilenland besetzt, die Pufferzone zwischen Ägypten und dem schwarzafrikanischen Reich Kusch. Seit Menschengedenken trennte ein neutrales Areal von anfangs zwölf und später dreißig Meilen die beiden Reiche.

Isis-Tempel auf Philae Quelle: ZDF

Missachtung der neutralen Zone

Mitten im Niemandsland erhebt sich die Insel Philae mit einem bedeutenden Heiligtum, dem majestätischen Tempel der Isis. Ägypter und Kuschiten ließen die Weihestätte gemeinsam errichten. Dort verehrten beide Völker die beliebte Universalgöttin in ihrer Rolle als große Mutter. Auf dem Hauptgebäude präsentiert sie sich mit ihrem Sohn, dem falkenköpfigen Horus, dem Beschützer der Pharaonen.

Die himmlische Isis herrschte von ihrem Domizil Philae aus über das Gebiet zwischen den Grenzen. Beide Staaten verwalteten es abwechselnd. Roms Missachtung der neutralen Zone kam einem Gebietsverlust gleich. Den Einmarsch der Fremden konnten die Kuschiten nicht dulden. In den Orten Syene, dem heutigen Assuan, in Philae und Elephantine brodelte es. Immer wieder griffen schwarzafrikanische Krieger die neuen Herren an, raubten sie aus und nahmen Gefangene.

"Land der Schwarzen"

Statue Octavian Quelle: ZDF

Im Sommer 25 vor Christus antwortete der römische Feldherr Oktavian mit einem Gegenschlag und schickte seine Soldaten nach "Aethiopia". So nannten die Besatzer damals das "Land der Schwarzen". Der Tross sollte nach Meroe, ins Zentrum des Gegners ziehen. Die Hauptstadt von Kusch lag unweit von Khartum im heutigen Sudan.



Hinter Assuan türmten sich im Nil Felsen zu unüberwindlichen Hindernissen. Die Katarakte waren für Schiffe unpassierbar. Die Angreifer mussten daher auf dem Landweg vordringen. Der Befehl lautete: Zerstörung der Residenz und Übernahme der Macht. Doch der Trip durch Hitze und Staub machte den Plan für die Männer zur unerwarteten Herausforderung. Die Kämpfer aus Kusch standen bereit, die Römer gebührend zu empfangen. Der Marsch durch die glühende Wüste hatte die Truppen zermürbt.

Angreifende schwarzafrikanische Krieger Quelle: ZDF

Tod bringende Hexe

Der Feldzug stand unter keinem guten Stern, denn die Römer fürchteten sich vor der legendären Kandake. Der Königin der Aethiopen eilte der Ruf voraus, mit dem Feind grausam zu verfahren. Sie selbst, so hieß es, führe ihr Heer an: eine Tod bringende Hexe. Ob das kämpferische Weib tatsächlich an der Spitze ihrer Einheit die Attacke anführte, bleibt jedoch umstritten. Ebenso wenig lässt sich beweisen, wie das Scharmützel inmitten des Sandmeeres ausging. Der Tatenbericht von Oktavian, dem späteren Kaiser Augustus, behauptet: "Das Heer ist weit ins Landesinnere vorgedrungen und hat die Stadt Napata, das sakrale Zentrum Kuschs, dem Erdboden gleichgemacht." Den Worten nach bedeutete das also ein glanzvoller Sieg Roms über die Kandake.

Die römische Armee erreichte die Hauptstadt Meroe zwischen dem fünften und sechsten Katarakt gar nicht. Nur so lässt sich der milde Friedensvertrag erklären, den die Kontrahenten um 20 vor Christus schlossen. Oktavian zog sich aus der Dreißigmeilenzone zurück und setzte die Grenzen zu Gunsten von Kusch neu fest. Das bedeutet erstens, dass die Römer nicht so erfolgreich waren, wie sie behauptet hatten, und zweitens, dass Kusch viel mächtiger war, als man das aus den Quellen kennt.

Einäugige Kandake Quelle: ZDF

Spektakulärer Erfolg

Das afrikanische Reich behauptete sich als eines von wenigen Ländern gegen die Eroberung durch die Weltmacht Rom. Für die streitbare Kandake ein spektakulärer Erfolg. Kein Wunder, dass der römische Historiker Strabon dem "mannhaften Weib, das auf einem Auge blind war", ein Denkmal setzte.

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