Widerstand gescheitert

Die Juden verlieren ihr religöses Zentrum

Die schlagkräftigste Militär-Maschinerie ihrer Zeit bringt sich im März des Jahres 70 in Stellung. Vier Legionen sind im Einsatz. Mit gewaltigen Rammböcken versuchen die Römer, Steine aus der äußeren von drei Ringmauern herauszulösen, die die Stadt umgeben.

Brennender Tempel in Jerusalem

Trotz des massiven römischen Truppenaufgebots vor den Toren Jerusalems sind die Aufständischen voller Tatendrang. Etwa 25.000 Menschen verteidigen Jerusalem, geschützt von gigantischen Befestigungsanlagen. Doch die Römer überwinden dank ihrer überlegenen Technik die beiden äußeren Mauern. Erst das dritte Bollwerk widersteht allen Anstürmen.

Römische Turmstrategie

Die Römer schaffen tonnenschwere, fast 23 Meter hohe Belagerungstürme aus Holz an die Mauer heran. Für die Türme mussten sie das gesamte Gebiet um Jerusalem abholzen. Sobald einer der Türme in Stellung gebracht ist, besteht für die Besatzungen der Mauerkrone höchste Gefahr. So in Schach gehalten, können sie anrückende Truppen nur noch eingeschränkt beschießen.

Römischer Belagerungsturm vor Jerusalem

Die Soldaten rücken für den bevorstehenden Angriff in die Türme ein. Doch direkt unter ihren Füßen bereitet Yohannan seinen größten Coup vor. Er hat die Rampe der Römer komplett untertunneln und die Stützbalken mit Pech bestreichen lassen. In Brand gesetzt, geben die Streben bald nach. Die unterirdischen Gänge stürzen ein, die Rampe fällt in sich zusammen und der Turm kippt. Für die Rebellen Anlass zum Jubeln, für die Römer ein herber Verlust. Zuletzt mussten sie das Holz für die Belagerungstürme aus 16 Kilometer Entfernung heranschaffen.

Bresche in der Befestigungsanlage

Unfreiwillige Einladung an die Römer

Doch die Medaille hat eine Kehrseite. Die Juden mussten sich unter der Stadtmauer durchgraben, um die Rampe untertunneln zu können. Der Brand hat die gesamte Verschalung in Mitleidenschaft gezogen. Nun bricht auch der Gang unter der Mauer ein und reißt eine Bresche in die Befestigungsanlage. Am Morgen danach klafft eine Einfallschneise in dem viereinhalb Meter dicken und etwa 20 Meter hohen Bollwerk - geradezu eine Einladung an die Römer.

Titus' Truppe lässt nicht lange auf sich warten. Nach monatelanger Belagerung und Aushungerung der Bevölkerung treffen die römischen Legionäre innerhalb der Stadtmauern nur noch auf geringen Widerstand. Der harte Kern der Aufständischen zieht sich auf den Tempelberg und in die Burg Antonia zurück. Die Rebellen leisten verzweifelt Widerstand. Beide Parteien bereiten sich auf das letzte Gefecht vor.

Ein letztes Angebot

Jerusalem brennt bereits und auch die Rebellenfestung auf der Burg Antonia ist unter römischer Kontrolle, da versucht Josephus im Auftrag des Titus an die Rebellen ein letztes Angebot zu unterbreiten. Sollten die Rebellen aufgeben, würde Titus von der totalen Zerstörung der Stadt und Tempel absehen. Die Rebellen lehnen das Angebot aber ab. Die Römer sind gewillt, das Heiligtum nur so lange zu verschonen, wie die Juden nicht versuchen, sich in ihm zu verteidigen. Doch die jüdischen Widerständler machen den Tempelbezirk zur Kampfzone und so sehen die Römer keinen Grund mehr, diesen Bereich mit besonderer Rücksicht zu behandeln.

Legionäre im Innenhof des Tempels

Nach tagelangen Kämpfen dringen die Legionäre in den Innenhof des heiligen Bezirks vor. Nun gibt es kein Halten mehr. Die Römer lassen nach den zermürbenden Kriegsjahren ihrem angestauten Hass auf die Feinde freien Lauf. Dem gnadenlosen Gemetzel fallen Tausende Juden zum Opfer. Das Gefecht entwickelt eine Eigendynamik und entgleitet bald der Kontrolle durch die Befehlshaber. Inmitten des Kampfgetümmels wirft ein römischer Soldat ein brennendes Holzscheit durch eine kleine Tür in den Heiligen Tempel.

Gier nach Gold

Rasch greifen die Flammen um sich. Dennoch stürmen Soldaten in das Heiligtum, um alles zu plündern, dessen sie habhaft werden können. Titus versucht vergeblich, die Truppe zur Ordnung zu rufen. Die Gier nach Gold siegt über den Gehorsam. Unschätzbare Kunstwerke und Kultgegenstände werden von den Legionären abtransportiert. Durch den massenhaften Verkauf der Kriegsbeute fällt der Goldpreis allein in Syrien um die Hälfte. Am Ende lässt sich Titus als glorreicher Feldherr feiern, für einen Sieg, der mehr als eine Million Juden das Leben kostete und 97.000 in die Sklaverei zwang.

Der Aufstand der Juden ist gescheitert. Nur wenigen Widerstandskämpfern gelingt die Flucht auf die Festung Masada, die erst im Jahre 74 fällt. Die anderen Rädelsführer, unter ihnen auch Yohannan, werden gefangen genommen, in Rom öffentlich vorgeführt und hingerichtet oder eingekerkert. Jerusalem wird vollkommen zerstört. Titus kehrt nach Rom zurück und folgt am 24. Juni 79 im Alter von 39 Jahren seinem Vater Vespasian nach dessen Tod als Kaiser nach. Mit ihm geht auch Josephus Flavius nach Rom, wo er den Bericht über die Geschichte des jüdischen Aufstandes niederschreibt. Seine Aufzeichnungen zählen zu den umfassendsten Zeugnissen jener Ereignisse.

Neue Herrscher-Dynastie

Mit der Niederschlagung des jüdischen Aufstandes schufen Vespasian und Titus die Basis für die neue Herrscher-Dynastie der Flavier, deren Macht und Reichtum das Kolosseum erahnen lässt - finanziert mit den erbeuteten Schätzen der Juden.

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