Wie das Leben auf die Inseln kam

Von Langstreckenfliegern und blinden Passagieren

Geboren aus dem Feuer der Erde und geformt von der elementaren Wucht des Wassers, entstanden im Pazifik tausende Oasen paradiesischer Schönheit. Doch der friedliche Schein trügt. Tief unter der Traumwelt der Südsee brodeln Magmakammern. Bei einem Ausbruch wachsen Vulkane manchmal vom Meeresgrund Tausende Meter in die Höhe. Eine neue Insel entsteht.

Grafik: Kolonisierung der Tiere und Pflanzen im Pazifik. Quelle: ZDF

Auch das Leben im Meer profitiert von dieser Laune der Natur. Der neue Inselberg bietet einer Fülle von Meeresbewohnern Schutz. Fische finden Schutz vor Feinden denen sie im offenen Ozean ausgeliefert wären.

Paradiesische Lebensvielfalt

Auch der größte Fisch der Welt, der Plankton fressende Walhai, findet hier reichlich Beute. Denn am Sockel jeder Insel wird nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe nach oben gelenkt. Davon profitieren viele Meeresbewohner. Verschiedene Fischarten kommen außerdem hier her um zu laichen, denn nur hier finden die Jungtiere später ausreichend Nahrung. Das wiederum lockt hungrige Räuber an.

Auch an Land verblüffen die Südseeinseln durch ihre bizarre Ansammlung an Arten. Die Lebensgemeinschaft jeder Insel ist ein Unikat. Die vulkanischen Inseln entstanden mitten in der blauen Wüste des Pazifiks, isoliert von den umliegenden Kontinenten, auf denen die Evolution seit Jahrmilliarden voranschritt. Jede Pazifikinsel war zu beginn jungfräuliches Neuland, bereit für eine einzigartige Besiedlungsgeschichte.

Die Tricks der Tiere

Doch das Leben fand Wege, die entlegenen Orte zu kolonisieren. Aus verschiedenen Landmassen gelangten Pflanzen und Tiere eher zufällig auf die Inseln. Der Pazifik, eine immense Barriere für Lebewesen, wirkte dabei wie ein gigantischer Zufallsgenerator. Denn nur wenige konnten ihn aus eigener Kraft überwinden. Eine Ausnahme waren Langstreckenflieger wie der Albatros. Er kann Tausende Flugkilometer zurücklegen. Das Einzige, was er dazu braucht, ist ein günstiger Wind, denn er ist ein Segelflieger. Andere Arten überquerten den Pazifik schwimmend. So erreichte zum Beispiel das Salzwasserkrokodil aus dem über 2000 Kilometer entfernten Australien die Südseeinseln.

Wer die Strecke nicht aus eigener Kraft schaffte, der suchte sich ein Transportmittel. Ein Ast beispielsweise, der als Floß fungiert. So hat es vermutlich auch der Jungferngecko auf die Inseln geschafft. Die Chance, eine solche Überfahrt zu Überleben ist denkbar klein. Und daß dann dieses Tier in seinem Robinsonleben auch noch einen Partner findet, ist fast aussichtslos. Sein Trick, diese Lage zu meistern, hat dem Jungferngecko seinen Namen eingebracht: Es pflanzt sich mit unbefruchteten Eiern fort, ganz ohne Partner. Es gibt nur Weibchen, alles Klone ihrer selbst. Eine überlebenswichtige Strategie für diese Pioniere der Südsee.

Insel Südsee 1a

Reif für die Insel

Kokusnuss im Meer Südsee 1 Quelle: ZDF


Der erfolgreichste Insel-Eroberer ist die Kokospalme. Kokosnüsse sind wie geschaffen für die Seefahrt über Weltozeane. Die dicke Schale schützt den Samen monatelang, und sein Inhalt ist so reichhaltig, dass der Pflanzenkeimling lange versorgt bleibt. Durch die Verdriftung über die Meere ist die Kokospalme auf fast allen tropischen Inseln angekommen. Doch es gibt noch einen anderen Weg, ferne Orte zu erreichen: durch die Luft. Stürme muten zerstörerisch an, aber sie spielen eine entscheidende Rolle beim Transport von Tier- und Pflanzenarten, die aus eigener Kraft nie hierher gekommen wären. Als Passagiere tropischer Stürme haben viele kleine Vögel und Insekten ihr entlegenes Ziel erreicht.

Natürliche Transportmittel

Die unbestrittenen Rekordhalter der Lüfte sind jedoch Spinnen. Ihre Geheimwaffe, die Spinnseide, kann viel mehr als nur Beute einfangen. Die leichtgewichtigen Spinnfäden sind erstaunlich effektive Flugvehikel. Frisch geschlüpfte Tiere nutzen sie, um neues Gebiet zu erreichen und Überbevölkerung am Geburtsort zu vermeiden. Aufsteigende Luftmassen tragen die Jungspinnen manchmal weit empor, bis zu 20.000 Meter Höhe. Einen "Turbo-Boost" erhalten sie, wenn sie auf Jetstreams treffen. Diese extrem starken Höhenwinde, mit Geschwindigkeiten von über 500 Stundenkilometern, können die Spinnen um die ganze Welt verbreiten. Jetstreams entstehen durch die unterschiedlichen Temperatur- und Luftdruckverhältnisse auf der Erde. Über dem Äquator steigt Warmluft auf, die dann allmählich wieder abkühlt und zurücksinkt wird. Es bilden sich weltumspannende Windrollen, die durch die Erddrehung abgelenkt werden. So entstehen Nordost- und Südostpassat. An den Rändern der Windrollen bilden sich Ausgleichsströmungen, die Jetstreams. Spinnen machen sich solche Windbänder zunutze.

Jetstream Südsee 1 Quelle: ZDF

Eine andere Möglichkeit, die abgelegenen Südseeinseln zu erreichen, sind Meeresströmungen. Sie transportieren Eier und Larven vieler Ozeanbewohner zu neuen Gefilden. Meister dieser Verbreitungsstrategie sind die Korallen. In Vollmondnächten synchronisieren sie ihre Fortpflanzung in einem farbenprächtigen Massenexzess. Milliarden Korallenlarven gehen auf die Reise, doch sie haben nur wenige Wochen Zeit, danach brauchen sie einen festen Untergrund. Ein riskantes Unterfangen, denn nur da, wo geologische Kräfte Berge bis in lichtdurchflutete Wasserschichten wachsen ließen, finden sie Lebensraum.

Lebensraum Korallenriff

Korallen Südsee 1 Quelle: ZDF


Die wenigen Larven, die einen solchen Ort erreichen, können zu einer Korallenkolonie heranwachsen. Es dauert Jahrzehnte, bis sich aus unzähligen der winzigen Tierchen ein Riff bildet. Nach Jahrtausenden entstehen ganze Atolle. Im Pazifik wuchsen so die größten Bauwerke, die jemals von Lebewesen geschaffen wurden. Hier explodiert das Leben. Die Riffe der Südsee gehören dank der isolierten Lage zu den artenreichsten Lebensräumen unseres Planeten. Manchmal werden Kalkskelette der Korallen durch die Kräfte im Erdinneren bis über die Wasseroberfläche hinausgehoben. So werden sie Baumeister ganzer Archipele.

Eine einzigartige, von Korallen geschaffene Inselwelt liegt in Palau, im Westpazifik. Ihre besondere Form verdanken die "Rock Islands" noch einer anderen Urgewalt: der ewigen Kraft des Wassers. Es nagt und schleift unaufhörlich an den Kalkformationen, und verändert stetig deren Gesicht. Die Erosion griff auch im Inneren der Inseln an und schuf Kathedralen atemberaubender Schönheit. Ein unübersehbares Labyrinth erstreckt sich unter der Wasseroberfläche. Nur Taucher haben Zugang zu dieser magischen Unterwelt.

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