Wie die Zukunftswelt am Rechner entstand

Computeranimationen und Spezialeffekte in "2057"

Vor vier Jahren kam es zum ersten Treffen von Designern der Firma 4.2.2, Bristol, der Gruppe 5-Filmproduktion und dem ZDF, um über die gewünschten visuellen Effekte des Programms "2057" zu beraten. Es wurde schnell klar, dass das ambitionierte Projekt eine Reihe von großen künstlerischen wie technischen Herausforderungen mit sich bringen würde.

Computeranimation eine Hologramm-Hais Quelle: ,ZDF

Vor allem die Frage, wie man eine Lebenswelt zeigen soll, die noch gar nicht existiert?

Schwieriger Spagat

Zwei Jahre dauerte die Entwicklung der für die Serie lebenswichtigen Bilder im Vorfeld, bevor es überhaupt zur eigentlichen Produktion kam. Mehrfach mussten die Scripts geändert und angepasst werden an die neusten und rasanten Entwicklungen der Technik und der Wissenschaft. Dies aber auch aus der problematischen Erkenntnis heraus, dass ein Design entstehen sollte, das aus Hollywoodfilmen bekannt ist, aber innerhalb des Budgets einer internationalen Fernsehproduktion bleiben musste. Der entsprechende Spagat konnte nur durch große Kreativität und Einsatz aller Beteiligten erreicht werden, begleitet von der Hoffnung, dass die Software notwendiger Computertricks schneller erschwinglich werden würde.

Anfang 2006 war die Planungsphase abgeschlossen und die Produktion der Realbilder begann. Inzwischen war auch die Drehbuch-Arbeit beendet und die Designer konnten sämtliche computergenerierten Animationen (Computer Generated Images, CGI) und Spezialeffekte (Visual Effects, VFX) in einer Vorform präsentieren: zum Beipsiel fliegende Krankenwagen, futuristische Stadttotalen, holografische Werbeflächen und einen Aufzug ins All. Am Ende waren es über 500 Bilder, die über zwölf Monaten im Computer entstanden sind.

"Previsualisierungen"

Vor dem Realdreh der Spielfilmsequenzen galt es, mit dem Drehteam genauestens alle Szenen im Detail zu besprechen, in denen VFX-Elemente vorkommen sollten. Eine große Zahl von Storyboards-Zeichnungen vom Ablauf einer Szene wurden zu diesem Zweck angefertigt. Für besonders vielschichtige Szenen wurden im Computer sogar "Previsualisierungen" geschaffen, simple Animationen auf Filmträgern, die das Team am Set vor dem Dreh einer Szene jederzeit zu Rate ziehen konnte, wenn es um die richtige Kameraposition ging.

Das Originalmaterial der Drama-Szenen wurde dann umgehend nach Bristol geschickt, wo jede Sequenz mit den CGIs und Visual Effects provisorisch verbunden wurden. Dabei gab es je nach Schwierigkeitsgrad bis zu zehn Schritte, mit denen ein Bild immer wieder verfeinert werden musste.

Maßgeschneiderte Software

Für "2057" waren über die Monate mehr als 15 Designer und Operator Tag für Tag tätig. Die individuellen Designer mit ihren spezifischen technischen und künstlerischen Fähigkeiten benutzten im Computer maßgeschneiderte Software für die unterschiedlichen Bilder, sei es für einen holografischen 3D-Hai oder eine 3D-Raumstation. Digitale Matte-Bilder (beim Film waren das früher bemalte Glasscheiben vor der Kamera) wurden von hochtalentierten Zeichnern und Malern angefertigt. Es sind vor allem die phantastischen Bilder der Zukunftsstädte in Großformat oder als Hintergrund, die zunächst mit der Hand gefertigt wurden, bevor sie in den Computer wanderten.

Zu guter Letzt wurden alle diese Elemente zusammen mit dem Realfilm endgültig "verheiratet" und final im Computer gerechnet. Dabei werden die Computerbilder mit der Aktion der Schauspieler so geschickt verbunden, als wären sie real und immer schon da gewesen. So interagieren die Protagonisten sogar mit künstlichen Objekten, wie Bildschirmen an der Hand oder einem fliegenden Delphin, was eine besondere Schwierigkeit für Regisseur und Schauspieler darstellt.

Mehr Arbeit als geplant

Trotz genauester Planung: Dinge gehen schief und erfordern mehr Arbeit als geplant. In einer Szene war große Dynamik gewünscht durch den Einsatz einer mobilen Kamera, die durch alle Räume "rast". Eine Technik, die bei Regisseuren vor allem wegen des realistischen Anmutung der Bilder beliebt ist. Allerdings war das Studio voller "Greenscreens", grüner Flächen, die im Nachhinein im Computer durch elektronische Landkarten, Hologramme und andere Bilder gefüllt werden sollten. Eine schwierige Aufgabe, weil sich durch die bewegte Kamera der Bildaufbau ständig änderte. Sogar die beste Software scheiterte in diesem Fall, so dass Bild für Bild, das heißt 25 Bilder pro Sekunde im laufenden Film, quasi mit der Hand bearbeitet werden musste. Allein diese Arbeit dauerte einen ganzen Monat.

Bei jedem Projekt dieser Größenordnung lernen selbst die besten Designer und Softwareentwickler dazu. Die Aufgabe war, die Zukunft in dem Programm "2057 - Unser Leben in der Zukunft" so anschaulich und so ästhetisch wie möglich darzustellen, und dies mit einem Budget, welches in Hollywood unbekannt ist.

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