Wie von Geisterhand

Entwickler Markus Maurer übers Autofahren im Jahr 2057

Autos von morgen können alles. Fast alles. Beispielsweise selbstständig Hindernisse erkennen, ausweichen und bremsen. Markus Maurer, Entwicklungschef der Fahrerassistenzsysteme Audi, erklärt im ZDFonline-Interview, welche Systeme es jetzt bereits gibt und welche sich seiner Meinung nach durchsetzen werden.

Georgina Gater im ferngesteuerten Auto der Zukunft Quelle: ZDF/Marc Schubert


ZDFonline: Reagiert die Auto-Elektronik heute schon besser als der Mensch?


Markus Maurer: Manchmal schon. Den Bremsassistenten gibt es ja schon länger. Der erkennt, auf welche Art der Fahrer auf die Bremse tritt. Viele Fahrer bremsen in kritischen Situationen zu vorsichtig. Sie steigen zwar schnell aber viel zu schwach aufs Pedal. Wenn der Bremsassistent erkennt, dass Sie eine Voll- oder Notbremsung machen möchten, dann löst er den maximal möglichen Bremsdruck bis zur ABS-Regelschwelle aus. Dass der Bremsassistent Unfälle damit verhindert, ist sicher. Untersuchungen haben gezeigt, dass solche Technologien sehr wirkungsvoll sind.


ZDFonline: Für alle, die nicht bis 2057 warten wollen: Wie intelligent kann man einen Neuwagen heute bereits ordern?


Markus Maurer: Die ersten Fahrerassistenzsysteme konnte man bereits 1999 kaufen. Das "Adaptive Cruise Control" (ACC) ist ein Abstandsregeltempomat. Der nutzt Radar- oder Lasersensoren. Neue Technik ist immer relativ teuer, da anfangs nur vergleichsweise wenig Systeme verkauft werden, auf die die hohen Entwicklungskosten umgelegt werden. Viele Kunden schätzen den persönlichen Nutzen als gering ein. Gerade der Nutzen von Fahrerassistenzsystemen erschließt sich oft erst nach längeren Fahrten. Langfrsitig werden aber nur preiswerte Verfahren am Markt akzeptiert. Fahrerassistenzsysteme werden den Markt aber ganz sicher erobern.


ZDFonline: Welche neue Technik wird, trotz der Zusatzkosten, heute schon bestellt?


Maurer: Beim A8, der S-Klasse oder dem 7er-BMW ist der Abstandsregeltempomat ACC bereits akzeptiert. Im Audi A6 erhalten die Kunden auch Bremsvorbereitungs-Systeme. Die arbeiten mit Radar. Wenn das System erkennt, dass eine Kollision wahrscheinlich ist, werden die Bremsen auf starke Verzögerungen vorbereitet. Auch durchschnittliche Fahrer können so die volle Leistung des Bremssystems ausschöpfen. Im Audi Q7 gibt es einen Warn-Ruck, wenn Braking Guard erkennt, dass ein Fahrer in einer kritischen Situation nicht rechtzeitig bremst.


ZDFonline: Sind die heute verfügbaren Sensoren zur Informationsaufnahme wirklich schon schlau genug?


Maurer: Der aufmerksame, erfahrene menschliche Fahrer gibt das Maß vor, an dem wir uns orientieren müssen. Er vollbringt Meisterleistungen: Die visuelle Wahrnehmung des Menschen ist sehr komplex, denn wir rekonstruieren die Welt im unserem Kopf. Wir lernen über viele Jahre, Geschwindigkeiten und Räume einschätzen zu können und das, was wir wahrnehmen, so zu interpretieren, dass wir Auto fahren können. Von der Mess-Seite her sind die jetzigen Systeme schon ziemlich weit, in manchen Disziplinen sogar besser als der Mensch. Bei der Interpretation gibt es aber durchaus noch viel zu tun.


ZDFonline: Welche Vor- und Nachteile fallen Ihnen ein?


Maurer: Wir können mit einem Radar die Relativgeschwindigkeit hochgenau messen; das kann das Auge nicht. Ein Radar kann auch viel genauer als das Auge den Abstand messen. Aber auf der Interpretations-Seite sind radarbasierte Fahrassistenzsysteme sehr viel schlechter als der Mensch. Der Nachteil ist, dass wir bei einem Radar nur etwas über den Reflex-Punkt wissen, aber nichts über die Gestalt des Gegenstandes. Die Bildverarbeitung ist also die entscheidende Ergänzung.


Auf der Seite der Messwerte sind die Systeme in vielen Situationen bereits so gut wie der Mensch, aber beim Nachbilden der realen Welt und des aktuellen Geschehens haben sie noch Schwierigkeiten. Aber einen ganz entscheidenden Vorteil haben technische Systeme: Sie ermüden nicht und lassen sich auch nicht ablenken. Sie haben keine "Tagesform".

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