Wie züchtet man eine Herzklappe?

Neue Techniken der Biomedizin

Dr. Stefan Jockenhövel arbeitet am Helmholtz Institut für Biomedizinische Technik der RWTH in Aachen. Dort forscht er an einer Methode, um körpereigenes Gewebe wie Herzklappen, Gefäßprothesen oder Herzmuskelgewege zu züchten.


Frage: Herr Dr. Jockenhövel, was genau ist Ihr Spezialgebiet und mit welchem Forschungsschwerpunkt sind Sie zurzeit betraut?


Stefan Jockenhövel: Unser Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich des so genannten Cardiovasculären Tissue Engineerings. Das Ziel ist die Züchtung von körpereigenen Geweben beispielsweise von Herzklappen, Gefäßprothesen oder von Herzmuskelgewebe.



Frage: Was bedeutet Ihre Forschung für die Zukunft, insbesondere für den medizinischen Fortschritt?


Jockenhövel: Wir möchten eine Herzklappe entwickeln, die sich dem kindlichen Organismus anpasst und mit dem Kind mitwachsen kann. Dies würde den Kindern eine Vielzahl von Wiederholungsoperationen ersparen.


Frage: Was betrachten Sie im Rahmen Ihrer Forschung als größte Herausforderung?


Jockenhövel: Die größte Herausforderung ist, der Natur genau auf die Finger zu schauen und sie so gut als möglich Schritt für Schritt nachzuahmen. Nur so können wir die Geheimnisse der Natur und des Lebens entschlüsseln.


Frage:
Wann rechnen Sie damit, Ihr Forschungsziel erreicht zu haben?


Jockenhövel: Es sind noch eine Vielzahl von Detailfragen zu klären um ein solch ambitioniertes Ziel in den klinischen Alltag sicher zu transferieren. Ich denke, dass es sicherlich noch mind. Fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen wird. Welche Entwicklungen im Bereich der Medizin, die heute futuristisch anmuten, werden in 50 Jahren erreicht und alltäglich sein? Ich glaube, dass Tissue Engineering wird einen festen Bestandteil des klinischen Alltags im Jahre 2057 einnehmen.


Frage: Werden die Menschen demnach viel gesünder und noch sehr viel älter werden können als heute?


Jockenhövel: Tissue Engineering ist kein Allheilmittel und wird uns nicht die ewige Jugend schenken. Es wird helfen, angeborene Herzfehler zu behandeln, die heute nur unzureichend versorgt werden können. Was die allgemeine Gesundheit angeht, so ist sie ein Geschenk. Und ob wir älter und gesünder sein können, ist nicht primär eine Frage des medizinischen Fortschrittes sondern des gesunden Lebensstils, den wir dann pflegen oder nicht.

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