Wiedersehen nach 60 Jahren

Ausnahmeregelung ermöglicht Tauchgang mit Tauchern

Auch wenn der Tauchgang zum Wrack der U-1195 mit dem Mini-U-Boot verwehrt wird, gibt es einen kleinen Lichtblick. Das einzige Zugeständnis des Hafenmeisters von Portsmouth lautet: Sie dürfen mit einem Boot die Untergangsstelle der U-1195 suchen und Taucher hinunter schicken.

Trotz der Kürze der Zeit ist es Peter Robbins gelungen, für den Job zwei professionelle Wracktaucher anzuheuern.

Ein wenig Glück gehört dazu

Das Sonar zeigt deutliche Erhebungen auf dem Meeresboden - ganz in der Nähe der bekannten Koordinaten. Dennoch - ein wenig Glück gehört dazu, im aufgewühlten Meer den Fundort aufzuspüren. Schließlich gibt Peter Robbins das Zeichen, dass die Boote direkt über dem Wrack sind.




Wegen des starken Tidenhubs bleiben den Tauchern nur 30 Minuten, um an die U-1195 heran zu kommen. Vor und nach dem optimalen Zeitfenster könnten die starken Unterwasserströmungen selbst Könner gegen das Wrack drücken. Das Wetter ist zwar günstig, dennoch bleibt die Aktion nicht ohne Risiko. Zur Standardausrüstung gehört ein Seil als Absicherung für den Tauchgang in fast 40 Meter Tiefe. Eine halbe Stunde später erscheinen die beiden Taucher wohlbehalten an der Oberfläche. Gespannt erwartet Rudi Wieser den Lagebericht. Wie sieht es vor Ort aus? Was ist von der U-1195 übrig?

Wie eine kleine Zeitreise




Anhand des Filmmaterials, das die Taucher am Fundort gedreht haben, rekonstruieren der Amerikaner und der Deutsche den Unglückstag von einst. Das U-Boot lag auf Steuerbordseite, als Rudi Wieser nach einem Fluchtweg suchte. Das Luk erscheint auf dem Fernsehschirm. Der rettende Notausgang für den damals 20-Jährigen. Gebannt betrachtet der alte Mann die Aufnahmen. Das Turmluk mit der geöffneten Klappe - nach all den Jahren sieht es noch genauso aus wie an jenem Tag. Durch das Schlupfloch entkamen außer Rudi Wieser weitere 17 Soldaten.



Die Wasserbomben der englischen Zerstörer trafen die U-1195 am Bug. Exakt an der Stelle, an der sich wenige Minuten vor dem Einschlag der einstige Matrosen-Obergefreite aufhielt. Dort hörte er deutlich das Stampfen der näher kommenden Motoren.

Der geeignete Moment

Instinktiv handelt Rudi Wieser richtig. Gut trainiert, weiß er genau, dass er beim Aufstieg ständig Luft aus den Lungen lassen muss. Andere hatten weniger Glück. Sie schossen zu schnell an die Oberfläche oder ertranken im Turm, als sie zu früh versuchten, die Klappe zu öffnen. Es braucht einen kühlen Kopf abzuwarten, bis der geeignete Moment dafür gekommen ist.



Denn auf der U-1195 lastete eine Wassersäule von 35 Metern. Dies entspricht einem Gewicht von 35 Tonnen pro Quadratmeter. Das gesamte Schiff musste kontrolliert geflutet werden, um den Druckunterschied zwischen dem Bootsinneren und der Umgebung draußen auszugleichen. Erst als im Boot ein Druck von 4,5 Bar erreicht war, ließ sich der Deckel des Luks aufstemmen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet