Wilder Planet: Pulverfass Vesuv

Der Vulkan bei Neapel ist Fluch und Segen zugleich

Im Zentrum einer 40 Kilometer langen Bucht im Mittelmeer liegt Neapel, Italiens größte Hafenstadt. Eine bedeutende Handelsmetropole und ein weltweit beliebtes Touristenziel - auch wegen des Vesuvs. Der Vulkan ist Fluch und Segen zugleich, denn ein erneuter Ausbruch könnte die ganze Stadt auslöschen.

Stadtbild Neapel Quelle: ZDF

Neapel gehört zu den dicht besiedeltsten Städten der Welt: über eine Million Menschen leben in Neapel auf engstem Raum. Pro Quadratkilometer wohnen hier vier Mal so viele Menschen wie in Rom. Jeden Morgen strömen zusätzlich Tausende Pendler in die Metropole. Insgesamt über drei Millionen Menschen siedeln im Großraum Neapel.

Touristen besteigen Vesuv Quelle: ZDF

Einträgliches Geschäft

Vor zwölf Jahren wurde der Vesuv zum Nationalpark erklärt. Jedes Jahr steigen Tausende Touristen aus aller Welt auf den 1200 Meter hohen Berg. Der Vesuvtourismus ist für viele Neapolitaner ein einträgliches Geschäft. Die Nähe zum Vulkan hat noch weitere Vorzüge: Obst und Gemüse ist von besonderer Qualität und hat einen typischen, unverwechselbaren Geschmack, die Trauben bringen einen einzigartigen Wein hervor. Alles wächst üppig auf der fruchtbaren vulkanischen Erde am Vesuv.

Längst werden an den Hängen des Feuerberges auch Häuser gebaut. Und das zum Teil auf kuriosem Baugrund. Die meterhohen Lavafelsen sind Zeugnisse des letzten großen Ausbruchs von 1944. Ganze Stadtviertel wurden damals begraben, jetzt stehen an der Stelle wieder Häuser. Die Siedlungsgeschichte reicht bis in die Antike zurück. Seither hat sich die Stadt immer weiter ausgedehnt. Und die Einwohnerzahl wächst stetig. Neapel ist eine der wenigen europäischen Städte mit Geburtenüberschuss. Doch über den Zukunftsplänen der Bewohner schwebt ein Damoklesschwert: Ihre Stadt liegt an einer besonders riskanten Stelle. Historische Aufzeichnungen und Medienberichte der Neuzeit zeigen, dass der Mittelmeerraum häufiger von Naturkatastrophen betroffen ist als andere Regionen in Europa.

Computeranimation sich ineinander schiebende Platten Quelle: ZDF

Nahtstelle Italien

Mit einer Geschwindigkeit von zwei Zentimeter pro Jahr kollidieren die afrikanische und die eurasische Platte. Im Mittelmeergebiet verläuft die Knautschzone. Dabei schieben sich die beiden Platten übereinander und verhaken. Ungeheurer Druck entsteht, der sich ruckartig entlädt. Die Folge: Erdbeben. Eine Nahtstelle zieht sich quer durch Italien. Auch Neapel sitzt auf einem Plattenrand, das geologische Gefahrenpotenzial dieser Region ist immens. An den Plattengrenzen steigt Magma auf und bildet an der Oberfläche Vulkane. Im Mittelmeer gibt es viele dieser Vulkane - wie den Stromboli und den Ätna. Doch diese Magmen sind nicht sehr gasreich. Darum ist der Ätna im Gegensatz zum Vesuv nicht sehr explosiv und nicht sehr gefährlich.

Das eigentliche Risiko aber ist das gewaltige Häusermeer zu seinen Füßen. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine Millionenstadt so dicht an einem Vulkan. Man lebt seit Generationen mit dem Vesuv, dem "Berg", wie ihn die Neapolitaner nennen. Seit über 60 Jahren hat er sich nicht mehr gerührt - er schläft. Bis heute gilt der Ausbruch, der Pompeji auslöschte, als der Schlimmstmögliche. Nach dem Verfasser des historischen Ausbruchberichtes "Plinianische Eruption" genannt.

Überreste Pompeji Quelle: ZDF

Überreste der Vergangenheit

Was heute von Pompeji zu sehen ist, haben Archäologen in Jahrzehnte langer Arbeit mühsam freigelegt. Alles war unter Vulkangestein begraben. 15.000 Menschenleben forderte das antike Desaster. Die in Asche und Tuff konservierten Körper zeigen, dass die Menschen von der Katastrophe völlig überrascht wurden. Aber der Ausbruch kündigte sich an, nur konnte damals niemand die Vorzeichen deuten. Im Gegensatz zu heute, wo aufwändige Kontrollmethoden das Innenleben des Vulkans bewachen. Mit dem Ziel die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen und zu evakuieren. Doch eine genaue Prognose, wann und mit welcher Intensität der Vesuv ausbrechen wird ist nicht möglich.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet