Wilder Planet (3/3): Stürme

Extreme Wetterphänomene nehmen auch in Europa zu

Dokumentation | Terra X - Wilder Planet (3/3): Stürme

Immer häufiger sorgt die ungeheure Zerstörungskraft extremer Stürme für Schlagzeilen. Im dritten Teil der Reihe "Wilder Planet" präsentieren Wissenschaftler neueste Ergebnisse der Windforschung.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.05.2017, 23:50
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2013
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Wie funktioniert ein großer Sturm? Welche Bedeu­tung haben die Windriesen für das Weltklima? Wird es in Zukunft möglich sein, den Weg großer Stürme besser vorherzusagen und so präziser war­nen zu können? Gelingt es gar, die Windgiganten mit neuer Technologie zu zähmen? Im dritten Teil der "Terra X"-Reihe "Wilder Planet" präsentieren Wissenschaftler neueste Ergebnisse der Windforschung.

Zyklone, Taifune, Tornados, Hurrikans – immer häufiger sorgt die unge­heure Zerstörungskraft solcher Luftgiganten für Schlagzeilen. Mit einer Breite von über 80 Kilometern und Wandergeschwindigkeiten von 50 Ki­lometern pro Stunde kann beispielsweise ein Zyklon in einer einzigen Sekunde mehr als eine Million Kubikmeter Erdatmosphäre durcheinander­bringen. Die Schäden, die die Sturmriesen jährlich verursachen, gehen in die Milliarden. Darüber hinaus sind nach Schätzungen US-amerikanischer Wissenschaftler den großen Stürmen im vergangenen Jahrhundert mehr als eine halbe Million Menschen zum Opfer gefallen.

Direkt ins Auge des Sturms

Sobald sich ein Hurrikan der Küste Floridas nähert, steigen die "Hurricane Hunters" in ihren kleinen, wendigen Flugzeugen auf und fliegen direkt ins Auge des Sturms hinein. Ihre gefährliche Mission ist es, die Windge­schwindigkeiten im Inneren des Hurrikans zu messen und die Daten an das National Hurricane Center in Miami weiterzugeben. Diese Informatio­nen ermöglichen es, Tropenstürme ab einer Entfernung von 260 Kilome­tern vor der Küste zu überwachen und Vorhersagen über ihren Verlauf und ihre Stärke zu machen. Die Flüge der Sturmpiloten können Leben retten, denn ihre präzisen Messdaten ermöglichen es den Experten, gezielt Warnungen an die Bevölkerung herauszugeben.

Windtunnel in South Carolina
105 Ventilatoren können Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h erzeugen.

In Chester County in South Carolina interessiert man sich nicht so sehr für Vorwarnsysteme, sondern mehr dafür, die Schäden, die ein Sturm verursachen kann, von vornherein zu minimieren. Hurrikans machen harmlose Gegenstände zu tödlichen Geschossen und reißen einfache Häuser in Stücke. Das "Terra X"-Team besucht den Windtunnel des "Business and Home Safety Research Center". Hier prüfen Fachleute verschiedene Häuser auf ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Hurrika­nen, Feuerbrünsten und Hagelschlag. Der Tunnel hat einen quadratischen Grundriss von 45 Metern Länge und Breite und ist 19 Meter hoch. Über 100 Ventilatoren mit zwei Metern Durchmesser können Hurrikane der Kategorie eins bis drei simulieren, also Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometer. Wenn alle Ventilatoren hochfahren, braucht das so viel Elektrizität wie eine Klein­stadt mit 9000 Einwohnern. Glühende Asche, Hagelkörner und alle Arten von Fremdkörpern können der Windströmung über Kanäle beigemischt werden. Durch solche Tests erkennen die Ingenieure Schwachstellen an Gebäuden und entwickeln möglichst günstige und unkomplizierte Metho­den, um die Häuser sicherer zu machen.

Supersturm von biblischen Ausmaßen

Ob solche Maßnahmen allerdings auch in Kalifornien ausreichen werden, ist fraglich. Schon seit Jahrzehnten bereitet sich der Küstenstaat auf ein größeres Erdbeben vor, den "Big Bang". Nun glauben einige Wissen­schaftler, dass Kalifornien besser beraten wäre, sich vor dem "Großen Sturm", dem sogenannten Arkstorm, zu schützen. Der Arkstorm ist nach Ansicht der Forscher ein Supersturm von geradezu biblischen Ausmaßen, der alle 100 bis 200 Jahre über Kalifornien hinwegfegt und zu sintflutarti­gen Regenfällen führt. Der letzte Arkstorm ereignete sich im Winter 1861/62 – was bedeutet, dass der nächste unmittelbar bevorsteht. Experten rechnen mit Schäden durch Überschwemmungen, Erdrutsche und Winde, die die Zerstörungen eines Mega-Erdbebens um ein Vielfaches übersteigen könnten.

Sandsturm in der Sahara
Wüstensturm: Etwa die Hälfte der globalen Stäube stammt aus der Sahara

Bislang glaubte man, dass Stürme in der Regel über den großen Wasser­flächen der Weltmeere entstehen. Erst seit Kurzem halten es Wissen­schaftler jedoch auch für möglich, dass die Sahara nicht ganz unbeteiligt an der Entstehung großer Stürme ist. Gewitterfronten über den Sandmee­ren der Wüste könnten Windsysteme durcheinanderbringen und den ein oder anderen Ministurm auf den Weg über den Atlantik schicken, wo er Kraft sammelt und zu einem Sturmgiganten heranwächst. Dass die Sahara noch viele andere Geheimnisse birgt, davon sind die Wissen­schaftler des internationalen Forschungsprojekts Fennec überzeugt. "Terra X" begleitet die Forscher in ihrem Flugzeug, das in weniger als hundert Metern Höhe über die Sandflächen dahinjagt.

Riesige Hitzeblasen über der Wüste

Die Fennec-Wissenschaftler sind bei ihren Flügen einem bislang kaum bekannten Phänomen auf der Spur: Riesige, bisher unentdeckte Hitzeblasen wabern offenbar über der Wüste. Nach Meinung der Forscher sind diese Gebilde für Stürme, Sintfluten und Dürren in Afrika verantwortlich. Normalerweise hätten Satelliten längst Wetterphänomene diesen Ausmaßes entdeckt, aber die dichten Sandschleier über der Sahara vernebeln den Satelliten die Sicht und machen das Sammeln von Daten unmöglich. Genaue Daten sind aber für die Landwirtschaft in Westafrika extrem wichtig. Bisher sind der Beginn der Regenzeit, Regenmenge und -dauer noch nicht voraus­sagbar. Mit den Ergebnissen des Fennec-Projekts sollen in Zukunft Modelle entwickelt werden, die die Regenzeit besser vorhersagbar machen und den Bauern das Leben erleichtern sollen.

Auch in Europa wächst die Angst vor zerstörerischen Stürmen. Der Sturm Kyrill im Jahre 2007 fegte von den Britischen Inseln bis nach Russland, ohne Geschwindigkeit und Zerstörungskraft einzubüßen. Das Wetterphä­nomen brachte neben extremen Winden, auch Gewitter und Tornados nach Europa und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Klimamodelle zei­gen, dass Stürme in den kommenden Jahrzehnten Europa nicht nur häufiger treffen, sondern auch immer stärker werden.

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