Wind des Wandels

Der Monsun - Indiens Segen und Fluch

Kein anderes Naturphänomen prägt Indien so stark wie der Monsun. Er ist der Lebensspender des Subkontinents. Ohne den Regen im Sommer wären weite Teile Indiens nur öde Wüsten. Doch der Segen, der für Fruchtbarkeit sorgt, hat auch eine Kehrseite.

Inder baden in Monsunregenfluten
Inder baden in Monsunregenfluten Quelle: ZDF

Alljährlich in den Sommermonaten prasselt der Monsun auf den Subkontinent nieder. Oft regnet es dann wochen- oder sogar monatelang. Die überbordenden Flüsse entfalten nach dem Regen eine zerstörerische Kraft, sie unterhöhlen das Land. An den Ufern können ganze Erdschollen in die Fluten stürzen.

Wanderndes Hitzetief

Für die Bewohner dieser Gebiete bedeutet das einen Wettlauf gegen die Zeit. Gefährdete Häuser müssen schnellstens abgebaut und versetzt werden, um sie vor der nahenden Katastrophe bewahren. Im Gangesdelta können während einer Regenzeit Hunderte Meter Flussufer einfach verschwinden. Woher kommen die gewaltigen Regenmengen?

Im Sommer zieht das aufgeheizte Hochplateau des Himalayas die regenschwangeren Wolken vom Meer über das Land. Über den Bergen entsteht ein Hitzetief. Im Winter verändert sich die Sonneneinstrahlung und die Hitzezone verschiebt sich nach Süden. Die über dem Meer aufsteigende Luft saugt jetzt die Luftmassen vom kalten Land an. Der Wind über Indien wechselt also zweimal im Jahr seine Richtung. Das Land ist vom Monsun beherrscht, vom "drehenden Wind".

Verlässliche Passage

Sommermonsun und Wintermonsun in Indien
Trick Monsun Quelle: ZDF/Blue Silver

In Indien ist der Monsun mehr als ein Wetterphänomen: Er hat den Lauf der Geschichte entscheidend beeinflusst. Schon die Römer profitierten von ihm. Und vor allem die Perser hatten dank des Wechselwindes für ihre Segelschiffe eine verlässliche Passage, die sie im Sommer von Afrika nach Indien und im Winter wieder zurück führte.

Im Lauf der Zeit erblühte der Handel und brachte den indischen Herrschern Reichtum und Wohlstand. Gewürze und Seide gehörten zu den begehrtesten Gütern. Indien war eine wichtige Station auf der Seidenstraße. Kunstfertig wurde hier das Material weiterverarbeitet. Über die Jahrhunderte lockten die Kostbarkeiten Fremde ins Land. Doch als Anfang des 16. Jahrhunderts europäische Seemächte die Vorzüge des Monsunwindes und den Seeweg nach Indien entdeckten, wurde der Segen allmählich zum Fluch.

Ein Konzern übernimmt die Macht

Durch den Handel mit indischen Gütern erlangte die britische East Indian Company unermesslichen Reichtum. Mit dieser wirtschaftlichen Macht unterwarf der Handelskonzern Zug um Zug ein ganzes Land. Die britische Krone unterstützte die Feldzüge und übertrug zentrale Hoheitsrechte an die East Indian Company. Das stolze, gewaltige Indien geriet unter der Regentschaft britischer Kolonialherren.

Gemusterter Seidenstoff
Seide Quelle: ZDF

Militärische Überlegenheit war nur ein Grund für die erfolgreiche Eroberung. Indien war zu jener Zeit in viele Fürstentümer aufgeteilt. Das machte das Land verwundbar. Die East Indian Company paktierte geschickt mit unzufriedenen indischen Fürsten, um mächtigere Herrscher auszuschalten. Ende des 19. Jahrhunderts war der ganze indische Subkontinent, einschließlich des heutigen Bangladesch und Pakistan, unter britischer Kolonialherrschaft. Doch im Untergrund leisteten Menschen Widerstand - mit uralten Kampfmethoden.

Widerstand mit fremden Waffen

Das Kalarippayat gilt als die Mutter aller Kampfformen. Die Tradition wird heute vor allem im Süden des Landes noch gepflegt. Verschiedene Waffen kommen dabei zum Einsatz. Die wohl kurioseste von ihnen ist ein aufrollbarer Säbel aus einem weichen Stück Blech. Die Briten versuchten, die exotische Kampftechnik in Schach zu halten, indem sie um 1800 die Ausübung und das Tragen von Waffen verboten. Mithilfe des Rollsäbels etwa konnte aber das Waffenverbot umgangen werden: Er ließ sich im Gürtel verbergen.

Männer kämpfen mit Säbeln beim Kalaripppayat
Kalarippayat Quelle: ZDF/Oliver Roetz

Für die Briten waren die fremden Methoden ein Hindernis von vielen, auf das sie bei der Durchsetzung ihrer Fremdherrschaft stießen. Der lange Weg in die Unabhängigkeit Indiens begann im 19. Jahrhundert, und erst 1947, als Mahatma Gandhi das Land in die Freiheit führte, war auf dem Subkontinent die Kolonialzeit Geschichte.

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