Wissenschaftliche Spurensuche

Die Entdeckung des Goldreichs

Berichte über das legendäre Timbuktu zogen Forscher und Abenteurer magisch an. Heute graben Archäologen nach den Resten der goldenen Zeit des Kanga Mussa.

Über Jahrhunderte war die Oase Timbuktu in der heutigen westafrikanischen Republik Mali Schauplatz blutiger Gefechte - aus Gier nach Gold. 1893 schickte Frankreich seine Fremdenlegionäre, um in diesem verlorenen Außenposten seines Kolonialreiches für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Bis zur Ankunft der Franzosen war es Ungläubigen bei Todesstrafe verboten, Timbuktu zu betreten.

Die Reise ins Ungewisse

Zahlreiche westliche Abenteurer und Forscher hatten trotzdem versucht, die Stadt des schwarzen Königs zu finden. Sie bezahlten mit ihrem Leben. In über 40 Expeditionen machten sich die Goldsucher seit dem 16. Jahrhundert auf den Weg - nur wenige kehrten zurück. Selten entstanden mehr Sagen um eine Stadt und selten haben Europäer mehr Anstrengungen unternommen, sie zu erreichen. Erste Gerüchte über die Stadt im Herzen Afrikas erreichten Europa im 14. Jahrhundert, wahrscheinlich über Kairo, das Kanga Mussa 1324 besuchte. Der Mythos wurde über die Jahrhunderte genährt.

Die Briten waren führend in der Erforschung des schwarzen Kontinents. Major Gordon Laing war der erste Europäer, der Timbuktu besuchen konnte, im Jahre 1826. Zu dieser Zeit hatte die Stadt ihren Höhepunkt schon lange hinter sich. Laing konnte nicht mehr über seine Erlebnisse berichten, er wurde auf dem Rückweg von einem seiner Männer ermordet, wahrscheinlich weil er sich weigerte, zum Islam überzutreten. Der erste Europäer, der in Timbuktu war und nach Europa zurückkehren konnte, war René Caillie. Der Franzose reiste 1828 als Einheimischer verkleidet nach Timbuktu und berichtete über die Einsamkeit und Trostlosigkeit der Stadt. Er war 500 Jahre zu spät gekommen.

Die Wiege der Menschheit

Auf dem Plateau von Bandiagara, wenige Kilometer von Mopti im Süden Malis, liegt ein Camp. Hier versucht ein internationales Team unter der Leitung des belgischen Archäologen Eric Huysecom die in der Erde verborgenen Geheimnisse Westafrikas zu entschlüsseln. Der schwarze Erdteil ist die Wiege der Menschheit. Seit zigtausenden von Jahren haben hier Menschen kontinuierlich gelebt. Der Boden hat ihre Zeugnisse bewahrt. Auf dem gesamten Kontinent gibt es keinen Ort wie diesen. Noch nie fanden Archäologen so viele Siedlungsschichten an einer einzigen Stelle.

Für die Afrikaner ist es ein archaischer, ein heiliger Ort, der hier erforscht wird. Die Archäologen entdecken Spuren von Menschen, die sich hier vor 50.000 Jahren niedergelassen hatten. Sie konnten schon steinerne Werkzeuge und Pfeilspitzen herstellen, später Metalle verarbeiten. Gold kennen die Westafrikaner schon seit über einem Jahrtausend.

Wurzeln des jungen Staates

Für die Forscher ist die Arbeit in Bandiagara mehr als nur eine wissenschaftliche Herausforderung. Im jungen Staat Mali mit seinen vielen Kulturen und Stämmen stiftet Geschichte gemeinsame Identität. Den Menschen Malis, die 1960 die Unabhängigkeit erreichten, will Eric Huysecom ihre alten Wurzeln zurück geben.

Selbst wenn sie arm sind, so sagt er, sollen sie stolz sein auf ihre Herkunft, auf ihre hohe Kultur, deren Zeugnisse er ausgräbt, und auf den legendären Kanga Mussa. Vor 20 Jahren kam Eric das erste Mal nach Mali. Nun spricht er fließend Bambara, die Landessprache. Ein Palaver hier, ein Palaver dort, so gewinnt er das Vertrauen der Menschen.

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