Wissenschaftlicher Schatz

Geheimnisvolles Wrack

Nach dem Abbruch der ersten Expedition kommt dem Forscherteam der Zufall zu Hilfe. Fischer erzählen ihnen von einem geheimnisvollen, alten Wrack. Inmitten ihrer Fanggründe wollen es die Einheimischen unweit von Oxia in etwa zehn Meter Tiefe gesichtet haben. Dort wo laut Quellen die gegnerischen Schiffsverbände das Gefecht eröffneten.

Der Tipp der Fischer ist der erste greifbare Hinweis auf das Schlachtfeld von Lepanto.

Unüberschaubares Chaos

Taucher machen sich auf die Suche. Seegraswiesen, wohin das Auge blickt. Dann entdecken sie den Teil eines Ankers. Unmittelbar daneben ein massiver Holzkeil, vielleicht eine Bugspitze. Deutlich zu erkennen ist ein Nagel aus Holz. Weitere Exemplare ragen aus Planken, die überall verstreut auf dem Grund liegen. Holznägel werden seit jeher zum Schiffsbau benutzt. Vor den erstaunten Experten erstreckt sich ein ausgedehntes Trümmer-Areal. Der erste Eindruck - ein unüberschaubares Chaos. Doch allmählich unterscheiden die Forscher deutlich Formen und Linien. Jede Menge Spanten, das Gerippe eines Schiffes.

Langsam füllt sich das historische Puzzle mit archäologischen Beweisstücken. Für das Gesamtbild ist selbst das kleinste Objekt von Bedeutung. Zwischen Holzplanken verkeilt und vom Schlamm der Jahrhunderte bedeckt liegt eine halbe Kanonenkugel. Erst die Altersbestimmung wird später Aufschluss geben, ob das Eisengeschoss aus der Schlacht von Lepanto stammen kann. Nicht weit davon entfernt ein Kanonenrohr aus Bronze.

Verkrustete Waffen

An Aussehen und Form können die Experten an Land die Herkunft der Waffe feststellen. Von Ablagerungen verkrustet - das Steinschloss einer Arkebuse. Das einfache Gewehr gehörte im 16. Jahrhundert zur Standardausrüstung europäischer Soldaten. Der langgestreckte, schmale Holzkörper auf dem Meeresgrund passt zu bekannten Bauplänen historischer Schiffe.


Weiteres Indiz für eine Galeere sind die eng stehenden Querspanten. Ein Vergleich mit dem originalgetreuen Nachbau der "Real" stützt die Vermutung des Archäologen. Die Bauform ist identisch und typisch für das 16. Jahrhundert. Türken und Europäer konstruierten damals die gleichen Modelle.

Schlummernder Schatz

Der verwitterte Schiffsrumpf vor der Insel Oxia ist für die Expedition der Höhepunkt. Nur zehn Meter unterhalb der Wasseroberfläche schlummert ein einzigartiger wissenschaftlicher Schatz. Vermutlich eine Galeere. Fundstelle und Dokumente legen nahe, dass es ein Schiff aus der Schlacht von Lepanto sein könnte. Die Quellen bestätigen, dass gerade vor Oxia viele Schiffe untergegangen sind.


In jenem Gebiet versuchte die osmanische Flotte trotz massiver Verluste einen letzten Durchbruch durch die feindliche Linie. Zeitgenössische Schriften erwähnten auch 30 Galeeren der Osmanen, die dicht bei Oxia entweder verbrannt, an der Küste aufgelaufen oder gesunken seien. Demnach könnte das gefundene Wrack aus der Flotte des Sultans stammen.

Lokalisiertes Schlachtfeld

Mehrere zerbrochene Schwerter - zum Teil mit erhaltener Klinge. Korrosion und Verkrustungen haben die Objekte fast bis zur Unkenntlichkeit verändert. Ob ein Muslim oder ein Christ die Waffe einst führte, lässt sich daher so schnell nicht heraus finden. Denn beide Parteien benutzten ähnliche Modelle.


Für die Mitglieder der Expedition ein sensationeller Fund. Auch wenn er mehr Fragen aufwirft denn Antworten liefert. Vorläufiges Fazit: Das Wrack war eine Kriegsgaleere. Weiterhin unklar bleibt, unter welcher Flagge sie fuhr. Lage und Aussehen der archäologischen Zeugnisse auf dem Meeresboden erlauben jedoch den Schluss: das Schlachtfeld von Lepanto ist nun lokalisiert. Das Gebiet, in dem zwei mächtige Gegner erbittert um die Vorherrschaft im Mittelmeer kämpften.

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