Wo ist der Weihnachtsstern?

Dreh-Erlebnisse im Heiligen Land

Eine 60-minütige Sondersendung der Reihe "Faszination Erde" aus dem Heiligen Land. Was der Moderator bei den Dreharbeiten in Israel erlebte, in einem Boot auf dem See Genezareth, beim Abseilen über dem Jordangraben oder beim riskanten Tauchgang im Toten Meer, hat er aufgeschrieben.

Dirk Steffens im Timna-Tal, Israel
Dirk Steffens im Timna-Tal, Israel Quelle: ZDF

Als Jesus-Double bin ich ein Totalausfall. Hilflos dümpele ich im Nachbau eines Fischerbootes aus biblischer Zeit auf dem See Genezareth. Wir wollten die Szene aus der Bibel nachstellen, in der Jesus genau hier mit seinen Gefährten während einer Bootstour von einem Sturm überrascht wird.

Kein Wunder in Sicht

Aber so realistisch war das eigentlich nicht geplant: Mein Mast ist gebrochen, das Segel flattert nutzlos umher, und mit den klobigen Holzrudern kann ich das schwerfällige Boot nicht auf Kurs halten - der Wind ist plötzlich aufgefrischt. Kabbeliges Wasser, der Kahn schwankt bedenklich, ich treibe ab Richtung Golanhöhen. Zeit für ein Wunder. Aber ich kann weder übers Wasser gehen noch Stürme beruhigen. Also winke ich das Begleitboot heran und lasse mich abschleppen. Mist! Jetzt müssen wir den Mast reparieren und noch mal von vorne anfangen.

Dirk Steffens im Boot auf dem See Genezareth
Dirk Steffens See Genezareth Quelle: ZDF

Die Bibel-Story hat ein wunderbares Happy End: Jesus beschwört Wind und Wellen, der Sturm flaut so plötzlich ab, wie er ausgebrochen ist, und alle erreichen sicher das Ufer. Unsere Wissenschaftsredaktion hat sich gefragt, ob das alles nur als biblisches Gleichnis zu verstehen ist, oder ob vielleicht ein naturwissenschaftlicher Kern in der religiösen Geschichte steckt. Und tatsächlich ergeben die Recherchen: Ein lokales Wetterphänomen in der Region um den See Genezareth kann sehr plötzlich starke Winde wehen lassen, die nach einiger Zeit wieder abflauen. Mit dem schnell reparierten Mast setzen wir unseren Wunder-TÜV fort und kriegen die Szene gerade noch in den Kasten, bevor die Sonne hinter den Bergen versinkt.

Hängepartie über dem Jordangraben

Beim nächsten Dreh hänge ich dann ziemlich durch. Bei Mitzpe Ramon, mitten in der Negev-Wüste, brezelt mir die Sonne schon ein bisschen zu lange auf den Kopf - ich werde ungeduldig. Zappelig. Aber das ist nicht gut, wenn man an einem Seil unter einem Bergüberhang über dem Jordangraben hin und her schwingt. Meine Füße strampeln in der Luft, als ich verzweifelt versuche, meinen Körper in die richtige Richtung zu drehen, also dahin, wo tief, tief unter mir die Kamera steht. Und wenn alles gut geht auch ein Nubischer Steinbock. Der muss nämlich mit ins Bild, denn er dient uns als Beispiel dafür, dass in dieser Region nur Tierarten überlebt haben, die sich dem menschlichen Jagddruck jahrtausendelang irgendwie entziehen konnten.

Seit die ersten Frühmenschen Afrika verließen, zogen hier ständig zweibeinige Jäger durch, die vielen Tieren den Garaus gemacht haben. Löwen, Giraffen, Krokodile - alle ausgestorben. Aber diese Steinböcke, die haben Spezialhufe, außen rum hart und in der Mitte weich, mit denen sie in den Bergen genug Grip haben, um selbst die steilsten Hänge rutschfrei zu erklimmen. Dahin konnten ihnen die Menschen nicht folgen und deshalb hüpfen die Nubischen Steinböcke auch heute noch durch die israelischen Berge. Und deshalb kann ich die Kletterkünstler mit den eindrucksvollen Hörnern auch nur beobachten, wenn ich die Hängepartie über dem Jordangraben aushalte.

Erschwerter Tauchgang

Von ganz oben nach ganz unten ist es in Israel nicht weit. Ich stehe am tiefsten Punkt der Erde, ungefähr 420 Meter unter dem Meeresspiegel und damit genau auf Höhe des Wasserspiegels des Toten Meeres. In einem lächerlich anzuschauenden roten Overall, der mich vor scharfen Salzkristallen schützen soll, und behängt mit insgesamt 60 Kilogramm Ausrüstung und Bleigewichten. So viel brauche ich, damit ich hier überhaupt untergehe, denn der Salzgehalt des Wassers ist etwa zehnmal höher als im Mittelmeer. Entsprechend stark ist auch der Auftrieb.

Am Strand bin ich mit dem ganzen Zeug am Körper so ungelenk, dass mich die Kollegen stützen müssen. Aber als ich in die warme Salzbrühe gleite, bin ich plötzlich schwerelos. Ein grandioser Anblick bietet sich mir, eine weiß schimmernde Unterwasserlandschaft, in der alles von glitzernden Salzkristallen überzogen ist. Allerdings ist der Tauchspaß hier nicht ganz ungefährlich: Nur ein Tropfen in meine Tauchmaske, in meine Augen, und ich wäre erst mal blind. Ich müsste in so einem Fall darauf vertrauen, dass die Sicherheitstaucher mich bergen und dann am Strand meine Augen ausspülen. Zum Glück passiert das aber nicht, und ich tauche glücklich und wohlbehalten aus dem Toten Meer auf, in dem ansonsten nur ein paar hartgesottene Bakterien überleben können.

Sterne über der Wüste

Nachts in der Negev-Wüste scheinen die Sterne hell und klar, kein Stadtlicht trübt den Blick ins All. Sternschnuppen ziehen vor dem schwarzen Weltraum vorbei, und das passt prima zur Weihnachtsgeschichte. In der heißt es ja, ein heller Stern habe den drei Weisen aus dem Morgenland den Weg zum Jesus-Stall gewiesen. Lange meinten Wissenschaftler, ein Komet könnte zu jener Zeit über Israel aufgetaucht sein. In den biblischen Erzählungen sei dieser Komet dann zum Himmelszeichen verklärt worden, das die Geburt Jesus anzeigte. Neueren Forschungen zufolge ist dieser Erklärungsversuch aber nicht besonders realistisch. Wahrscheinlich hat es niemals einen "Weihnachtsstern" gegeben. Die astronomischen Berechnungen der Forscher weisen eher auf eine Konstellation im Sternbild Fische hin, die von babylonischen Himmelsguckern entdeckt worden sein könnte.

Ob die drei Weisen dann wirklich gen Bethlehem zogen, um den Heiland zu preisen, ist natürlich Glaubenssache. Aber eine wunderbare Geschichte ist es auf jeden Fall. Und davon gibt es im Heiligen Land viel mehr, als in einen einzigen 60-Minuten-Film passen. Jeder Berg und jedes Tal, jeder See und jede Wüste - wohin man auch blickt, überall begegnen dem Reisenden Legenden aus der Zeit, als die Menschen noch an Wunder glaubten. Israel ist eben nicht nur ein Land. Es ist das Heilige Land, dessen Orte uns aus der Bibel und der Weihnachtsgeschichte vertraut sind. Und ganz egal, ob man nun religiös ist oder nicht, das ist auf alle Fälle faszinierend!

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