Wolseys "Balance of power"

Heinrichs Außenpolitiker setzt auf Friedensverträge

In Heinrich reift der Plan einer Trennung von seiner Gemahlin Katharina heran. Ein gefährliches Unterfangen, meinen seine Berater, denn Katharina ist verwandt mit dem mächtigsten Mann Europas: Karl V., König von Spanien und Kaiser des Deutschen Reichs.

England kann es sich nicht leisten, es sich mit dem König von Spanien zu verderben. Doch Heinrich hält dagegen: Kaiser Karl wolle doch nicht wegen Katharina in den Krieg ziehen.

Geschickter Diplomat

Und selbst wenn: Was zählt, ist Heinrichs Liebe zu Anne Boleyn. Er wird auf Karl keine Rücksicht nehmen und seine Scheidung von Katharina betreiben. Dabei verlässt er sich auf seinen Lordkanzler Kardinal Wolsey. Wolsey ist in ganz Europa als geschickter Diplomat bekannt. Er leitet die Regierungsgeschäfte und setzt stets alles daran, den Willen seines Königs durchzusetzen.
England ist Anfang des 16. Jahrhunderts noch ein ziemlich unbedeutendes Land am Rande Europas. Die wirklich Großen sind Frankreich und Spanien, die die Machtfrage auf dem Kontinent ausfechten. Doch beide suchen natürlich nach Verbündeten - und so ist Heinrich in der komfortablen Rolle des umworbenen Dritten.

England relativ machtlos

England hat beim Regierungsantritt Heinrichs nur 2,3 Millionen Einwohner. Franz I. von Frankreich dagegen herrscht über 15 Millionen Menschen. Karl V. ist nicht nur König von Spanien, sondern auch Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Er hat 25 Millionen Untertanen. Verglichen mit seiner militärischen Stärke sind Frankreich und England relativ machtlos.

Der eigentliche Architekt der englischen Außenpolitik ist Kardinal Wolsey, der sich vom Fleischersohn zum wichtigsten Mann am Tudor-Hof emporgearbeitet hat. Er versucht, Frankreich und Spanien zu neutralisieren und begründet damit die Maxime der englischen Außenpolitik: "Balance of power" - das Gleichgewicht aller europäischen Kräfte. Eine Politik, die England viele Jahre von Nutzen sein sollte.

Achtes Weltwunder

So war es eine große Leistung Kardinal Wolseys, die europäischen Mächte zu bewegen, einen Friedensvertrag zu unterzeichnen. Eine der Klauseln des Vertrags: Heinrich und König Franz sollen sich persönlich treffen und die jahrhundertealte Feindschaft zwischen England und Frankreich begraben. Das Treffen zwischen den beiden Königshäusern, bald als "Zeltlager von Goldbrokat" bekannt, wird von Zeitgenossen wegen seiner außerordentlichen Pracht auch "Achtes Weltwunder" genannt.

Über Wochen haben 6000 Handwerker eine Stadt aus Zelten errichtet. Heinrich trifft mit einem Gefolge von 5000 Leuten ein. Die gesamte englische und französische Oberschicht trifft hier zusammen. Ein Höhepunkt des Treffens ist ein Ringkampf zwischen Heinrich und Franz. Der kuriose königliche Wettkampf zur Besiegelung eines fragilen Friedens wird in englischen Chroniken jedoch nicht erwähnt. Kein Wunder, denn Heinrich hatte verloren. Zwanzig Tage lang feiern Engländer und Franzosen miteinander. Doch lange sollte der Frieden nicht halten.

Stolz der Navy versinkt in den Fluten

Immer wieder treffen Franz' und Heinrichs Truppen aufeinander. Meist sind es aber eher kleinere Gemetzel, bei denen die Engländer einige nordfranzösische Städte einnehmen und die am Ende durch Friedensverhandlungen beendet werden. Aber einmal noch sollte Franz in großem Stil zurückschlagen: Mit einer Flotte, größer als die spanische Armada, unternimmt er einen Angriff auf England. Auch wenn die Franzosen in dieser Schlacht geschlagen werden, die Engländer verlieren den Stolz ihrer noch kleinen Navy. Innerhalb weniger Minuten versinkt Heinrichs Lieblingsschiff, das Flagschiff Mary Rose, samt 500 Mann Besatzung und 150 Kanonen in den Fluten.

Heinrich war klar, dass sich die Zukunft Englands auf dem Meer entscheiden würde. Deshalb forcierte er den Ausbau der Navy: Am Anfang seiner Regierungszeit gab es nur drei Kriegsschiffe - am Ende waren es 70.

Nicht nur die Kriegspolitik Heinrichs sollte das Schicksal Englands bestimmen, sondern auch seine Heiratspläne, die zunächst nur Privatsache zu sein schienen.

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