Wracksuche mit Hindernissen

Mit Hightech-Geräten unter Wasser

Nach Überresten des brutalen Gemetzels fahnden Forscher seit Jahrzehnten auf dem Grund des Mittelmeers. Bislang sind alle gescheitert, selbst Jacques Cousteau. Ein internationales Team von Unterwasserarchäologen sorgte jetzt für eine Sensation: Taucher fanden versunkene Zeugnisse des blutigen Gefechts.

Konstruktion und Ausstattung jener Schiffe kennen die Archäologen des Forschungsschiffes "Aries Star" genau. Im Seegebiet der Schlacht von Lepanto gehen sie auf Spurensuche.

Unruhige Gewässer

Die Expedition operiert in unruhigen Gewässern. Zwischen Oxia, Mesolongion und Patras wühlen heftige Stürme nicht selten das Meer auf. Für den Einsatz der High-tech-Geräte keine günstige Voraussetzung. Das Sidescansonar ist dem Ortungssystem der Fledermäuse und Delphine nachempfunden. Der so genannte Fisch spürt mit Schallwellen jeden Gegenstand am Meeresboden auf - bis zu einer Tiefe von 1.000 Metern. Im Golf von Patras gleitet das Suchgerät mit den hoch empfindlichen Sensoren auf 50 Meter hinab.

Ausgerüstet mit Trockentauchanzügen und Trimix, einem Gasgemisch, das den Aufenthalt in Tiefen über 40 Meter ermöglicht, sind die Männer bereit für ihren ersten Einsatz auf dem Meeresgrund. Für die Crew von der "Aries Star" die große Chance, einen Jahrhundertfund zu machen. Weder Throckmorton noch Cousteau sind damals abgetaucht, um das Schlachtfeld von Lepanto zu lokalisieren.

Altbekanntes Phänomen

60 Meter gleiten die Taucher hinab. 30 Minuten können sie unten bleiben. Länger wäre lebensgefährlich. Wie von Geisterhand gezogen taucht eine merkwürdige Rinne auf. Die Beobachter an Deck sehen das Gebilde auch auf dem Monitor. Für sie ein altbekanntes Phänomen: Spuren von den Schleppnetzen einheimischer Fischer. Die Experten fürchten, dass sie kein intaktes Wrack mehr finden können. Denn die Tonnen schweren Rahmen der Netze zerstören die empfindlichen Objekte.

Noch ein anderes Problem erschwert die Situation vor Ort. Eine starke Verlandung hat die Küstenlinie im Laufe der Jahrhunderte weit nach vorne ins Meer geschoben. Vor allem rund um die Insel Oxia. Wo einst die "Heilige Allianz" gegen die Osmanen zu Wasser kämpfte, erstreckt sich heute ein fruchtbares Schwemmgebiet. Das Ausmaß der natürlichen Veränderung wird am Beispiel einer antiken Stätte deutlich. 219 vor Christus war das griechische Oiniadai eine blühende Hafenstadt direkt am Meer. Inzwischen liegen die ausgegrabenen Ruinen dreieinhalb Kilometer im Landesinneren. Womöglich sind ungezählte Soldaten, die mit den Galeeren untergingen im sumpfigen Erdreich begraben.

Verdächtige Ausschläge

In den Gewässern unweit von Lepanto setzen die Forscher neues Gerät ein - das so genannte Protonen-Magnetometer. Das hoch sensible Instrument misst magnetische Felder im Sediment. Voller Zuversicht bringt die Crew das technische Spielzeug in Position. Ob Blei, Eisen oder Bronze - es kann Metalle jeglicher Art erkennen, seien sie noch so tief im Schlick des Meeresbodens verborgen. Eine realistische Chance also, Kanonen, Schwerter oder andere Objekte aufzuspüren. Immer und immer wieder zieht das Sidescansonar präzise seine Bahnen. Dann endlich liefert das Computerbild einen Befund.

Der Monitor zeigt verdächtige Ausschläge - ein überdeutliches Relief vom Meeresboden. Gebannt verfolgen die Experten die elektronischen Impulse. Verbergen sich dahinter Überreste der lang gesuchten Galeeren? Vorstellbar, denn immerhin misst das Feld hundert mal hundert Meter. Die Daten könnten die entscheidende Wende bringen, doch heftige Frühlingsstürme fordern eine Zwangspause. Die Expedition muss abgebrochen werden.

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