Wüste im Wandel

Zeugnisse blühender Landschaften

Zu romantischen Empfindungen hat Wüstenforscher Heinrich Barth wenig Anlass: Die Lufttemperatur kann in der Sahara tagsüber 50 Grad Celsius erreichen. In den Winternächten herrscht bitterer Frost. Vor einigen tausend Jahren war das Klima lebensfreundlicher.

Nur mit Hilfe des Kamels konnten die Menschen in der ihnen feindlichen Wüste überleben. Die alten Karawansereien, die der Forscher auf seiner Reise durch Libyen besucht, sind längst verfallen.

"Straße der Qualen"

Auch in Murzuk erinnert wenig an den Glanz vergangener Zeiten. An diesen Orten wurden Jahr für Jahr viele Tausend Sklaven durchgetrieben. Die Oasenstädte sind noch heute Hochburgen der Tinylkum-Tuareg, strenggläubige Anhänger eines ursprünglichen Islam. Auf Barth hinterließen sie einen tiefen Eindruck:

Hunderttausende Schwarzafrikaner, geraubt von arabischen Menschenjägern, wurden auf der "Straße der Qualen" in die Sklaverei getrieben. Für viele ein Todesmarsch. Barth beschreibt, dass der so genannte "Brunnen der Gebeine" von den Überresten der dort verendeten Menschen und Tiere umgeben ist. Im Niemandsland der trostlosen Steinwüste entdeckt Barth drei merkwürdige in den Fels eingeritzte Figuren und zeichnet sie proportionsgenau ab. Seine Interpretation der Gestalten ist zwar inzwischen überholt, aber sein Bericht steht am Beginn der Sahara-Archäologie.

8000 Jahre alte Werke

Nach über drei Monaten und mehr als 1100 Kilometern mühsamster Reise, hat die Expedition das Wadi Mathendous erreicht. Allein unternimmt Barth in der Abenddämmerung noch einmal einen Erkundungsgang. Was er dabei entdeckt, hat das abendländische Bild der Sahara für immer verändert. Barth findet etwas, das es an diesem ausgetrocknetem Ort eigentlich nicht geben dürfte: Zeugnisse blühender Landschaften. Die Felsbilder gehören zu den ältesten Kunstschätzen der Menschheit. Sie sind bis zu 8000 Jahren alt - und sie erzählen davon, dass in der Sahara einst ein völlig anderes Klima herrschte. Hier wimmelte es von Tieren wie in der afrikanischen Steppe - und das in einer Landschaft, in der es oft jahrzehntelang nicht regnet.

Leer ist die Sahara auch heute nur für den außen stehenden Beobachter. Für ihre Bewohner ist sogar die weglose Hammada, das Sandmeer der libyschen Wüste, angefüllt mit bedeutsamen Orten, mit Geistern und Geschichten. Die Magie hilft, die alltägliche Gefahr zu vergessen. Die Spuren von unzähligen Karawanen überstehen hier selbst 2000 Jahre.

Geheimnisvolles Kriegervolk

Die Oase Djerma war einst die blühende Hauptstadt des geheimnisvollen Kriegervolkes der Garamanten. Professor Mattingly hat den Tempel des Gottes Amun ausgegraben. Hier entdeckte er Beweise für enge Kontakte zum ägyptischen Pharaonenreich. Doch von der Lehmziegelstadt aus Barths Tagen sind nur Ruinen geblieben. Die Handelsströme haben ihre Richtung geändert und die Mekka-Pilger benutzen heute das Flugzeug.

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