Yupanquis Traum

Ferne Inseln mit reichen Schätzen

Der spanische Chronist Sarmiento de Gamboa überliefert, dass Tupac Yupanqui eines nachts einen Traum hatte, der ihm die Zukunft offenbarte. Er werde an den Rand des großen Meeres kommen, wo Gott Inti allabendlich in den Fluten versinkt.

Am Ufer werde er Seeleute treffen, die ihm von fernen Inseln berichten mit vielen Bewohnern und reichen Schätzen.

Schicksalhafte Entscheidung

Da habe der Inka in Trance den Antarqui rufen lassen: einen Zauberer, der sich im Gefieder eines Vogelmenschen in die Lüfte schwingen konnte. Er soll zu den fernen Inseln voraus fliegen und erkunden, ob sie erreichbar seien und wie viele Monde die Fahrt dauere. Der Vogelmensch kehrt mit der Kunde zurück, dass die Berichte der Seeleute stimmen. Das bewegt den Sohn der Sonne, das gefahrvolle Unternehmen zu wagen. Soweit der Traum. Eine schicksalhafte Entscheidung. Zumindest für viele seiner Gefolgsleute. Ein langes Jahr voller Entbehrungen und Gefahren bricht an.

Um 1480 verlässt Tupac Yupanqui mit seinem Heer die Hauptstadt Cuzco und zieht über 3000 Kilometer durch die Anden nordwärts. Unterwegs wird er immer wieder feindliche Stämme niederwerfen. Bis er schließlich die Pazifikküste bei Manta erreicht. Was die Spanier später vom Eroberungszug Tupacs erfahren, beruht allein auf mündlicher Überlieferung.

Geschenk auf Reisen

Zur Erntezeit bringen die Indios Kumara ein, die Süßkartoffeln. Auf seinem Weg zum Meer kommt Tupac Yupanqui an einem der Felder vorbei. Überrascht halten die Bauern inne und erwiesen dem Gottgleichen ihre Reverenz. Er lässt anhalten, um die Huldigung seiner Untertanen entgegen zu nehmen. Dem Herrscher nähert sich eine Bäuerin - in den Händen einen Korb voller Süßkartoffeln. Eine couragierte Alte, denn allein der Priester und kein gemeiner Sterblicher darf zu dem Sohn der Sonne sprechen und ihm in die Augen schauen. "Ich danke Euch für das Geschenk, liebe Frau. Ich werde es mit auf meine Reise nehmen", spricht der Fürst.

So hat die Süßkartoffel ihren Weg hinunter zur Küste und über den Pazifik in die Südsee gefunden. Mit Tupac Yupanqui reisen - außer dem Know-how der Steinmetze - auch der Flaschenkürbis und die Baumwolle übers Meer. Zudem viele Überlieferungen, die der peruanische Historiker Professor del Busto für seine Theorie herangezogen hat.

    Historiker José A. del Busto über Tupac Yupanqui:
    "Tupac Yupanqui war ein zweiter Kolumbus. Und die Seeleute seiner Zeit standen den Wikingern nicht nach. Sie wussten, wie man von hier aus nach Westen segelt und die Südseeinseln erreicht. Der Inka entdeckte mit ihrer Hilfe Ozeanien. Die Strapazen auf See waren nicht so groß, wie man denken könnte. Die Floßfahrer kannten die Strömungen und die Winde. Ihre Flöße waren sicher und ließen sich leicht navigieren - dank der Stechschwerter. Ich kann mir die Pazifikfahrt gut vorstellen."

Schnelle Boten

Der Inkafürst wäre ohne die Kunde der Chasquis, der schnellen Boten, nie sicher gereist. Die Läufer sind eine Art Nachrichtendienst. Es ist ihre Aufgabe, die einzelnen Haltestationen in den Anden auf den hohen Besuch vorzubereiten.


Der Chasqui führt den Quipu, eine Knotenschnur mit sich. Die geknüpften Fäden sind Schriftersatz und Gedächtnisstütze. Der Priester gibt die Botschaft an den Inka weiter: Die nahe Garnison hat bereits Speisen für den Tross vorbereitet und bietet ausreichend Lager für die Nacht. Zum Dank lässt der oberste Führer dem Boten Kokablätter überreichen - aus königlicher Hand ein unschätzbares Geschenk. Es gibt dem Chasqui Kraft und Ausdauer für die weiten Wege durch die Berge.

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