Zauberhaftes Tahiti

Garten Eden der Südsee

Mehr als fünf Monate ist das französische Expeditionsschiff Boudeuse von Kommandant Bougainville nun schon ohne Landkontakt. Offiziere und Besatzung suchen besonders angespannt den Horizont ab: Im Bauch eines gefangenen Thunfischs hat man unverdaute kleine Fische gefunden - ein sicheres Zeichen für nahes Land. Genauso wie die Vögel, die das Schiff umkreisen.

Tahiti Quelle: ZDF

Die Angst geht um, man könnte im endlosen Ozean am rettenden Land vorbeisegeln. Doch am 22. März 1768 hört Kommandant Bougainville endlich die erlösenden Worte: "Terre, Terre".

Malade Besatzung

Bougainville vermerkt in seinem Logbuch das erste Sichten einer Inselgruppe, die bis heute Französisch-Polynesien heißt. Doch noch immer kann die malade Besatzung nicht an Land gehen. Nur aus der Ferne beobachten die Franzosen "nackte Wilde", wie Bougainville in seinen Aufzeichnungen schreibt. Doch die Korallenriffe und ihre gewaltige Brandung riegeln die Zufahrt zu den Inseln regelrecht ab. Die Magie der Südsee aber hat die Europäer schon jetzt gefangen genommen.

Isolierte Lage

In den nächsten zehn Tagen muss die Crew jedoch ein Dutzend Inseln Polynesiens passieren - ohne die geringste Chance, an Land zu gehen. Erst am 2. April 1768 sehen die Franzosen endlich einen hohen, steilen Berg in Nordnordost - und damit zum ersten Mal Tahiti. Die Tahitianer begrüßen die merkwürdigen Fremden mit einer Herzlichkeit, die ihnen die Franzosen als naive Unschuld auslegen.


Doch heute gilt es als wahrscheinlich, dass die Insulaner weit strategischer handelten als von den überheblichen Europäern vermutet. Die isolierte Lage der Südsee-Inseln führte zu Inzucht. Und die Medizinmänner ahnten wohl die Gründe für Erbkrankheiten. Bougainville und seine Männer wurden von den Tahitianern deshalb als willkommene Blutauffrischung angesehen. Sie waren aller Gastgeschenke wert.

Die romantischen Franzosen dagegen sind von Tahiti verzaubert. Vor allem Bougainville und sein Naturforscher Commerson sind überzeugte Anhänger des großen Aufklärers Rousseau. Die halbnackten Tahitianer sind für sie der Inbegriff des "edlen Wilden". Und das Leben auf Tahiti folgt dem Rousseauschen Motto "Zurück zur Natur". Alle sind überzeugt, den Garten Eden auf Erden entdeckt zu haben. Noch weiß Bougainville nicht, dass der englische Kapitän Samuel Wallis das Paradies bereits acht Monate vor ihm erreicht hat.

Schamlos und anmutig

Nichts erinnert auf Tahiti an die steife Moral und die Zugeknöpftheit Europas. Für die christlichen Seefahrer wirkt die Freizügigkeit der Insulaner ebenso schamlos wie anmutig. Die kulturellen Unterschiede irritieren die Franzosen - und schlagen sie zugleich in ihren Bann. Bougainville und seine Männer bewegen sich auf völlig unbekanntem Terrain. Sie verstehen weder die Sprache der Polynesier, noch kennen sie ihre Begrüßungsrituale.

In seinem Reisebericht wird Bougainville später notieren: "Die Göttin der Liebe ist hier zugleich die Göttin der Gastfreundschaft; sie hat keine Geheimnisse, und jeder Sinnesrausch ist ein Fest für das ganze Volk. Die Wilden wunderten sich, wenn unsere Leute Bedenken trugen, ihr öffentlich zu opfern, welches den europäischen Sitten sehr zuwider ist. Dennoch möchte ich mich nicht dafür verbürgen, dass keiner seinen Widerstand aufgegeben und sich nach dem Landesbrauch bequemt hat."

Erotisches Reiseziel

Von dem kulturellen Hochmut der anderen europäischen Entdecker ist bei Bougainville und seinen Männern wenig zu spüren. Als Bougainvilles Bericht über die Tage auf Tahiti später in Frankreich veröffentlicht wurde, avancierte er zum Bestseller in den Salons des alten Europa. Seine Beschreibungen von den "edlen Wilden" und ihrer freien Liebe passten genau in die aufkeimende Stimmung der Aufklärung. Und so begründete Bougainville den Ruf der Südsee - als das erotischste Reiseziel der Welt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet