Zauderer zwischen den Stühlen

Der schwierigen Aufgabe als Oberhaupt ist Clemens VII. nicht gewachsen

Auch wenn Leo in seiner Prachtliebe den Protest Luthers ignorierte - eine seiner politischen Rechnungen ging auf. Nur zwei Jahre nach seinem Tod wählt die Versammlung der Kardinäle seinen Neffen Giulio zum neuen Papst Clemens den VII. Wieder ein Medici - und wieder Bankiersmethoden.

Clemens VII. mit seinen Beratern Quelle: ZDF

Wieder regiert Geld die Christliche Welt. Die Historikerin Vanna Arrighi analysiert seit vielen Jahren die originalen Schriftstücke, die von der Papstwahl erzählen. In der Korrespondenz der Medici und des Vatikans wird sie fündig: Vor der Wahl wurden jedem Kardinal 1000 Dukaten zugesagt. Und Kardinal Colonna erhielt als Geschenk sogar einen Palast. Mit Bestechung erkaufte sich der Sohn des beim Attentat in Florenz im Jahre 1478 umgekommenen Bankiers Giuliano de Medici die Papstwürde.

Karte Vatikan zwischen Frankreich und Heiligem Römischen Reich Deutscher Nationen Quelle: ZDF

Streit um Vorherrschaft in Europa

Aber der schwierigen Aufgabe als geistliches Oberhaupt ist Clemens der VII. nicht gewachsen. Zwischen seinen Beratern wird er geradezu zerrieben: Auf der einen Seite ein Vertreter des deutschen Kaisers Karl V., auf der anderen einer des französischen Königs Franz I. Beide Seiten streiten um die Vorherrschaft in Europa. Aber nur einem kann es der Papst recht machen.

Papst Clemens schwankt zwischen beiden Möglichkeiten: Deutscher Kaiser oder französischer König? Und je nach Laune und Eingebung diktiert er Briefe, die das Bündnis mit dem einen oder dem anderen versprechen. Kaum hat eine Depesche den Vatikan verlassen, folgt ihr schon eine andere, gegenteilige. Ein Bündnisversprechen jagt das andere. Schließlich findet Clemens eine dritte Lösung: Er will die Machthaber Europas gegeneinander ausspielen, um als lachender Dritter von dem Streit zu profitieren. Nun geht eine freundliche Depesche an den Kaiser ab, doch dies ist bloß ein taktisches Manöver.

Boten mit Nachrichten des Papstes Quelle: ZDF

Verhärtete Fronten

Die Kuriere, die den Brief zu Kaiser Karl bringen, reiten durch ein Europa, das sich im Aufruhr befindet. Während Papst Clemens sich mehr und mehr im politischen Spiel verstrickt, übersieht er die größere Gefahr, die aus deutschen Landen kommt: die lutherische Reformation. Der "Papstesel zu Rom", im Schuppenpanzer einer Schlange, mit Teufelsfuß und Frauenbrüsten - das ist noch eines der harmloseren Schmähbilder, die als Anti-Papstpropaganda überall zirkulierten. Die Fronten sind verhärtet. Für die Menschen der Renaissance geht es in diesem Konflikt um alles oder nichts. Katholik oder Lutheraner - ein Kampf auf Leben und Tod.

Karrikatur des Papstes Quelle: ZDF

Der Stein, den Martin Luther losgetreten hatte, kommt nun kräftig ins Rollen und wird zur Lawine. Und dann kommt noch etwas hinzu: eine politische Großwetterlage, die den Papst arg unter Druck setzt. Das Hauptproblem für den Papst: Er erhebt den Anspruch, geistiges Oberhaupt der ganzen Welt zu sein. Aber territorial ist er nur Fürst eines kleinen Staates. Sein Herrschaftsgebiet ist nicht größer als heute die Schweiz. Und sein Reich steht mächtigen Herrschaftsblöcken gegenüber: Dort Frankreich, der reichste Staat Europas mit seinem selbstbewussten König - hier das riesige Reich der Habsburger, ein Territorium von Österreich bis Spanien.

Botschaft in Flammen

König liest Botschaft von Papst Clemens VII. Quelle: ZDF

Die Freundschaftsbekundung, die der Kaiser Karl V. nun vom Papst erhält, ist eine Finte - und Karl weiß das nur allzu gut. In seinen Händen hält er noch den Brief, den er nur wenige Tage zuvor vom wankelmütigen Papst erhielt. Darin war von Freundschaft keine Rede. Offen hatte Clemens für den französischen König Franz I. Partei ergriffen und sich obendrein noch als ehrlicher Makler angedient. Karl entschließt sich, diesen neuen, freundlichen Brief gar nicht erhalten zu haben - und lässt ihn einfach in Flammen aufgehen.







Auch Kaiser Karl versteht sich in der Kunst der Verstellung. Den päpstlichen Boten versichert er, dass er Clemens "in unverbrüchlicher Liebe und untertänigster Treue" verbunden ist. Im Geheimen steht sein Entschluss längst fest: Mit seinen Truppen wird er Clemens militärisch in die Schranken weisen.

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