Zeitbombe im Permafrost

Freisetzung von Methan birgt eine brisante Gefahr

Schon lange werden die Gefahren der Treibhausgase diskutiert. Dabei ist insbesondere Kohlendioxid in den Mittelpunkt unseres Interesses gerückt. Neuere Forschungen in den Permafrostgebieten Russlands zeigen jedoch, dass uns eigentlich ein ganz anderes Gas viel mehr Kopfzerbrechen bereiten müsste: Methan.

Permafrostgebiet im Norden Russlands Quelle: ZDF

So bedeutend Sauerstoff für unser Leben auch sein mag - es gibt Gase, die genau so essenziell für unser Leben auf der Erde sind. Zum Beispiel Treibhausgase wie Kohlendioxid, die vor allem von Vulkanen in die Atmosphäre abgegeben werden. Ohne diese auf natürlichem Weg freigesetzten Gase könnte die Durchschnittstemperatur unter minus 50 Grad Celsius fallen.

Rauchende Fabrikschornsteine Quelle: ZDF

Fatale Folgen

Heute entlassen wir jedoch immer mehr Treibhausgase in die Luft, weil wir fossile Brennstoffe wie Öl und Gas nutzen, die auf Kohlenstoff basieren. Im Verlauf der Erdgeschichte hat sich die Menge des Kohlendioxids in der Atmosphäre immer wieder geändert - und damit verbunden die Temperatur der Erde. Mittlerweile ist sogar klar, dass selbst kleine Veränderungen der Kohlendioxidmenge in der Atmosphäre zu Kettenreaktionen führen können - mit fatalen Folgen.

Ebenso fatal könnte sich die Freisetzung eines anderen Gases auswirken: Methan. Der Norden Russlands gehört zu den kältesten und unwegsamsten Gebieten der Welt. Es gibt nur wenige Orte, an denen Permafrost offen zutage tritt, so dass man ihn ungehindert untersuchen kann. Der Permafrost enthält große Mengen von organischem Kohlenstoff - totes Pflanzenmaterial. Wenn es auf dem Grunde der Seen taut, dient es Organismen, die Methan produzieren, als Futterquelle. Sie fressen das Pflanzenmaterial und scheiden Methan aus. Methan ist ein Nebenprodukt ihrer Verdauung. Es sprudelt aus den Sedimenten und ist im Eis gefangen. Das Eis ist über einen Meter dick und zahllose Bläschen sind in ihm gefangen.

Methanbläschen im Eis Quelle: ZDF

Beunruhigende Ergebnisse

Dass es sich bei dem eingefrorenen Gas tatsächlich um Methan handelt, lässt sich mit einfachen Mitteln feststellen. Methan ist hoch entzündlich. Schlägt man ein Loch in diese Methankissen, tritt Gas aus. Die Menge hängt von der Größe des Lochs ab. Es kann viel sein und, wenn man es anzündet, bekommt man eine ziemlich große Flamme. Methan ist ein Treibhausgas, das 23mal stärker wirkt als Kohlendioxid. Daher ist es wichtig zu wissen, wie viel Methan im Permafrost feststeckt. Eine der wenigen, die sich mit Methanbakterien beschäftigt, ist die Ökologin Katey Walter. Sie führt seit Jahren Untersuchungen durch und kommt zu beunruhigenden Ergebnissen.

Brennendes Methan im Eis Quelle: ZDF

Nach Kateys Ergebnissen sind gigantische Mengen von Methan im Permafrost eingeschlossen. Eine Erwärmung der Erdatmosphäre von nur wenigen Grad Celsius könnte dazu führen, dass der Permafrost schmilzt. Allein der Permafrost Russlands überzieht eine Fläche von mehr als 9,5 Millionen Quadratkilometer und ist damit größer als die Vereinigten Staaten von Amerika. Sollte der Permafrost weltweit schmelzen, würde das den Methangehalt in der Luft um den Faktor 10 steigern. Die Erwärmung würde wesentlich schneller voranschreiten als bisher gedacht und die Folgen wären unvorhersehbar.

Es dauerte Milliarden von Jahren bis sich die Atmosphäre entwickelte, der wir unsere Existenz verdanken. Ihre Zukunft jedoch ist völlig ungewiss.

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