Zentrum der Pucará-Kultur

Zivilisation im Hochland

Ein finnisches Expeditionsteam und weitere Inkaexperten sind auf der Suche nach den Grenzen des Inka-Reiches. Vor allem die Ostausdehnung des knapp ein Jahrhundert existierenden Inka-Reichs ist noch nicht hinreichend erforscht. Wo verlief der Inkalimes?

In einem Dokument aus dem Jahre 1790 wird die Expedition des Inka Yupanqui in die Amazonasregion geschildert. Der finnische Archäologie Ari Siiriänen ist überrascht, wie weit die Inka angeblich nach Osten vordrangen.

Hochkulturen am Titicacasee

Der Titicacasee liegt in 3800 Meter Höhe zwischen Bolivien und Peru. Er ist Ausgangspunkt für die Forschungen eines weiteren Archäologen. In der Stadt Puno beginnt seine Reise. Der Amerikaner Charles Stanish ist Direktor des Archäologischen Instituts der Universität von Los Angeles. Seit mehr als 15 Jahren erforscht er von seiner lokalen Basisstation aus die Entstehung und den Untergang von Hochkulturen rund um den Titicacasee.

20 Kilometer nördlich des Titicacasees kommt ein gewaltiger Felsen in Sicht. Hier liegen die Reste einer versunkenen Hochkultur. Unter dem Felsen befindet sich eine Anlage, die aus übereinanderliegenden Plattformen besteht. Hier lag das Zentrum der 2000 Jahre alten Pucará-Kultur, der ältesten Zivilisation im Andenhochland. Über dem vertieft angelegten Ritualplatz erheben sich Rampen, Treppen und Wohneinheiten.

Kontakte zum Tiefland

Die Steinfiguren der Pucará haben kaum Bezug zur kargen Welt der Anden: ein Jaguar aus dem Tiefland, ein Schamane mit einem abgeschnittenen Kopf in der Hand. Mit den Figuren wird die Welt des heißen Landes repräsentiert, wie auch bei einem Fabeltier, zusammengesetzt aus Schlange, Leguan und Pumakopf. Die naheliegende Schlussfolgerung: die Pucará kannten den Weg ins Tiefland und hatten sogar Kontakte zu den Völkern dort.


Vom Dorf Pucará führt die Route über die Berge. Die ersten Ruinen tauchen auf: Fundamente einer Inkabrücke. Über dem Fluss ein Einschnitt: eine alte Inkastraße. Die Inka bauten ihre Hängebrücken aus Seilen und Schilfmatten. Die Spannbreite konnte bis zu 30 Meter betragen. Sie mussten so fest sein, dass auch eine Lamaherde sie überqueren konnte. Noch heute sind einzelne Inkastraßen in Gebrauch. Sie werden repariert und gelegentlich auch erweitert. Einst war das Inka-Straßensystem 40.000 Kilometer lang. Breite Militärstraßen lösten sich ab mit schmalen Pfaden.

Heimat der Lamaherden

Die Reise in die Welt Amazoniens führt über einen Pass auf 4900 Meter Höhe. Es ist die Heimat von großen Lamaherden. Vor 500 Jahren zogen auf Befehl des Inka riesige, hunderte Tiere umfassende Lamakarawanen auf dem Weg in die Hauptstadt Cusco vorbei, voll beladen mit tropischen Gütern der Amazonasregion, mit Früchten, bunten Papageienfedern, Honig, Cocablättern und Gold.


Stanish hat bereits mehrere Expeditionen nach Osten unternommen - stets auf der Suche nach den Fernwegen der Inka, die ins Tiefland führten. Eine alte Tributliste aus dem 16. Jahrhundert brachte ihn auf eine Spur: Die Inka besaßen kaum Minen in den Anden, ihr Gold musste also aus den Flüssen ihrer Provinzen kommen.

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