Zerstörerische Kräfte

Gewitterwolken mit hohem Energiepotenzial

Nicht nur Extremsommer mit kräftiger Sonneneinstrahlung sind eine Gefahr für Mensch und Natur. Auch gigantische Tiefdrucksysteme mit gefährlichen Gewitterfronten, Dauerniederschlägen, Blitz und Hagel führen zu Wetterkatastrophen mit unkalkulierbaren Folgen. Bis zu zwölf Kilometern hoch türmen sich Gewitterwolken zu einem Wolkengebirge auf. Doch was steckt in einer solchen Wolke?

Hagelschaden an einem Auto
Hagelschaden an einem Auto Quelle: ZDF

Am Leipziger Institut für Troposphärenforschung werden Wolken im Labor künstlich erzeugt. Dort können die Wissenschaftler Messungen vornehmen, die in der Natur unmöglich sind. Aufwändige Apparaturen und ein kompliziertes Verfahren ermöglichen es, eine Wolke künstlich zu erzeugen. Die Zutaten sind einfach: Wasserdampf, feinste Staubpartikel und Kälte in Form von Eis. Ziel dieser Analyse: in Zukunft Niederschlagsmengen präziser vorhersagen zu können. Bis heute ist dies die größte Schwachstelle der Wetterprognose, zugleich aber deren wichtigster Punkt.

Verheerende Folgen

Welch zerstörerische Kraft sich in einer Wolke verbirgt, wird bei Hagel besonders deutlich: Hagel entsteht in Wolken, mit starken Auf- und Abwinden. Regentropfen werden in die Höhe gerissen und gefrieren dabei zu Eis. Beim Herabfallen lagern sich weitere Wassertröpfchen an. Sie werden abermals in die Höhe geschleudert, gefrieren erneut und es wächst eine weitere Eisschicht. Dieser Vorgang setzt sich fort, bis die Eiskörner so schwer sind, dass sie als Hagel zur Erde fallen. Oft mit verheerenden Folgen. Das Alpenvorland ist besonders häufig betroffen. Die Schäden auf den Straßen und in der Landwirtschaft sind dann immens.

Seit einigen Jahren kämpft man gegen die Entstehung von Hagel an. Sobald sich eine Hagelfront einer gefährdeten Landwirtschaftsregion im Alpenvorland nähert, steigen Hagelflieger mit kleinen einmotorigen Sportmaschinen auf. Auf dem Radarbild lassen sich Ausdehnung, Zugrichtung und Aktivität der Hagelfront erkennen. Die Gewittertürme schießen bis auf 12.000 Meter hoch.

Begrenzte Wirkung

Hagelflieger
Hagelflieger Quelle: ZDF


Die Hagelflieger tasten sich vorsichtig an die Basis der Wolken. Sobald sie den Aufwärtssog des Gewitterturms spüren, zünden sie ihre Brenner. Silberjodid lässt die Wolke abregnen, noch bevor sich große Hagelkörner bilden. Doch auch sie könnten die eigentliche Wetterkatastrophe kaum beeinflussen. Denn Wolkenimpfung funktioniert bisher nur regional eng begrenzt. Und die Niederschlagsmenge an sich lässt sich gar nicht beeinflussen.

Hochwasser schießt von den Alpen

Schwarze Gewitterwolken
Schwarze Gewitterwolken Quelle: ZDF


Je dunkler eine Wolke aussieht, desto mehr Wasser enthält sie. Treffen diese Wolken auf ein Gebirge wird ein Mechanismus in ganggesetzt, der nicht zu stoppen ist. Die Wolken werden gezwungen aufzusteigen, kühlen ab, es beginnt zu regnen. Dauer und Heftigkeit des Regens hängt von der Wasserfracht ab, die die Wolken auf ihrem Weg getankt haben. Ist diese besonders groß, führt das an der Alpennordseite zu massiven Dauerniederschlägen, dem so genannten Alpennordstau.Nach einer längeren Trockenperiode, lässt sich dann in den Alpen ein faszinierendes aber gefahrenträchtiges Schauspiel beobachten: Ausgetrocknete Höhlensysteme füllen sich binnen Stunden und Tausende Quellen beginnen auf einmal wieder zu sprudeln. Von den Felshängen schießen gewaltige Wassermassen ins Alpenvorland. Was für München und andere Städte an der Isar bedeutet, dass sie im schlimmsten Fall sehr schnell und heftig von einer Hochwasserwelle getroffen werden könnten.


Fluttoren und Rückhaltebecken sollen im Ernstfall die Hochwassergefahr mindern. Im Alpenraum gibt es heute viele solcher Rückhaltebecken. Sie sollen das Schlimmste verhindern. Ihre letzte Bewährungsprobe erlebten sie im Sommer 2005 beim großen Alpenhochwasser. Ein Tiefdruckgebiet führt große Wassermassen an die Alpennordseite, die sich in einem dreitägigen, starken Dauerregen entladen. Verheerende Überschwemmungen in Österreich, der Schweiz und entlang der Donau sind die Folge. München bleibt nur verschont, weil ein Speicherbecken die Wassermassen zurückhält; der so genannte Sylvensteinspeicher. Doch der Speicher erreicht dabei seine Kapazitätsgrenze. Was, wenn noch mehr Niederschlag niedergeht als 2005?

Faktor Mensch


Massive Eingriffe In Folge der Klimaerwärmung werden sich solche Wetterextreme häufen, denn noch nie griff der Mensch so massiv in das Klimageschehen der Erde ein wie heute. Die Durchschnittstemperatur der Erde hat sich in den letzten Hundert Jahren um ein Grad erhöht. Dass wir durch unsere Art des Wirtschaftens, die enorme Verschmutzung der Umwelt und weiträumige Versiegelung des Bodens dazu beitragen, daran zweifelt niemand mehr.

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