Zeugnisse aus Papier

Missionarsbriefe aus Indien

Fahndung nach vergessenen Heilpflanzen: Der Sprachwissenschaftler und Südasienkundler Rahul Peter Das, Professor an der Universität Halle, durchsucht alte Medizintexte nach Rezepturen: Rahul Peter Das beherrscht mehrere indische Sprachen. Ein Schlüssel zur Wunderwelt der ayurvedischen Medizin.

Indien hat 19 Amtssprachen und unzählige weitere Sprachen und Dialekte. Die Sanskrit-Namen der alten Texte haben daher verschiedene moderne Nachfolger. Das Problem dabei: Für ein und dieselbe Pflanze gibt es schon im Sanskrit die unterschiedlichsten Namen. Erschwerend kommt hinzu, dass unterschiedliche Pflanzen auch mal den selben Namen tragen.

Schwieriger Code

Mit den fünf alten Haupttexten hat Das seine Datenbank gefüttert. Der Rechner soll mithelfen, den Pflanzennamen-Code endlich zu knacken. Durch Computer-Abgleiche könnte es nun gelingen, einige alte Rezepturen zweifelsfrei zu übersetzen. Die Ärzte der Maharadschas beginnen wieder, mit uns zu sprechen.


Vor fast einhundert Jahren hatten die englischen Kolonialherren ihre Ärzte mit auf den Subkontinent gebracht. Das alte indische Wissen wurde als rückschrittlich verhöhnt, verlacht, vergessen. Die weißen "Volksbeglücker" übersahen in ihrem Eifer und ihrer Überheblichkeit, dass sie eine jahrtausende alte Medizin verdrängten, die in Einklang mit der Natur stand und die funktioniert hatte.

Unverfälschter Blick

Von Halle aus waren im frühen 18. Jahrhundert die ersten deutschen Missionare nach Indien aufgebrochen. Der Medizinhistoriker Josef Neumann hat sich eingehend mit den Briefen der Missionare aus Indien beschäftigt. Er ist sich sicher: Sie erlauben einen weitgehend unverfälschten Blick auf das Leben der Einheimischen vor 300 Jahren. Da sich die Theologen für den ganzen Menschen interessierten, schilderten sie auch, welche medizinische Kunst sie im fremden Land antrafen.


Die Missionare haben die Sprache der Tamilen Südindiens gelernt, ihr Leben studiert und immer wieder die Arbeit ihrer Ärzte beschrieben. Gibt es in ihren Berichten einen Schlüssel zum verschollenen Pflanzenwissen?

"Die magische Komponente" ist aus den Palmblattschriften der Inder wohl kaum herauszulesen. Und auch nicht aus exotischen Mitbringseln der Halleschen Missionare.


Rahul Peter Das analysiert eine seltene anatomische Darstellung. Dabei stimmt so gut wie nichts. Für ihn keine Überraschung, denn erst in späterer Zeit versuchten die Inder unter dem Einfluss der Engländer ihr altes, ganzheitlich angelegtes Medizinsystem westlichen anatomischen Normen anzupassen - eine Sackgasse.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet